Unabhängiges Filmfest Osnabrück Neue Sektion widmet sich der Musik

Von Tom Bullmann

Problematische Liebe: Szene aus dem Film „Morris aus Amerika“. Foto: Farbfilm VerleihProblematische Liebe: Szene aus dem Film „Morris aus Amerika“. Foto: Farbfilm Verleih

Osnabrück. Die Veranstalter des Unabhängigen Filmfest Osnabrück haben in der cineastischen Plattenkiste gekramt und fünf neue Filme entdeckt, bei denen Musik eine große Rolle spielt.

Farah ist 18 Jahre alt, lebt in Tunis und hat einen Traum: Wie auch viele junge Menschen im Westen will sie Rocksängerin werden. Eine Band hat sie schon, doch schnell stellt sie fest, dass ihre aufmüpfigen, zum Teil explizit gesellschaftskritischen Texte und die Mischung aus Rock und traditioneller arabischer Musik zwar bei ihren Altersgenossen gut ankommen, aber bald auch die Polizei und den tunesischen Geheimdienst auf den Plan rufen. Farah ist die Hauptfigur in dem Film „Kaum öffne ich die Augen“ aus dem Jahr 2015. Der tunesischen Regisseurin Leyla Bouzid gelang das hautnahe Porträt eines Teenagers, der sich über alle Konventionen hinwegsetzt, ohne sich über die möglichen Konsequenzen Gedanken zu machen.

Neue Sektion

Die Produktion wird während des Unabhängigen Filmfests in einer neuen Sektion gezeigt: „ FilmFest Laut “ heißt die Abteilung, für die die Veranstalter in der cineastischen Plattenkiste stöberten. Filme, in denen es in irgendeiner Form um Musik geht, stehen auf dem Programm. Zum Beispiel „Morris aus Amerika“. Der Film des irisch-amerikanischen Regisseurs Chad Hartigan spielt in Heidelberg. Hauptfigur ist Morris, ein 13-jähriger Afroamerikaner, der mit seinem allein erziehenden Vater nach Deutschland auswanderte, weil der hier einen Job fand.

In eine fremde Kultur katapultiert, deren Sprache er nicht spricht, wird der pummelige Jugendliche ausgegrenzt und gemobbt. Also zieht er sich zurück und träumt von einer Karriere als Rapper. Doch dann verliebt sich Morris in die 15-jährige Katrin, die ihn zwar aus seiner Isolation holt, aber auch ein böses Spiel mit seinen Gefühlen spielt. „Morris aus Amerika“ ist kein schneller Film. Er setzt auf Dialoge, nicht auf spektakuläre Szenen. Zwar zeigt Hartigan auch die Party-Exzesse und Verlockungen, denen sich der Junge aussetzt, taucht aber auch ganz tief in die Vater-Sohn Beziehung ein, die zum Scheitern verurteilt scheint, weil der Teenager eigentlich nicht nach Deutschland wollte und unter dem Tod seiner Mutter leidet.

Zwei Musik-Dokus

Für Morris spielt die Musik zwar eine große Rolle, sie steht in dem Film jedoch nicht im Vordergrund wie bei zwei Produktionen, die ebenfalls in der Sektion „FilmFest Laut“ gezeigt werden: „American Epic: The Big Bang“ und „The American Epic Sessions“. Beide Dokumentarfilme stammen von Regisseur Bernard MacMahon, der „die DNA der amerikanischen Musikgenres erforschen“ wollte.

„Big Bang“ ist der erste Teil eines Musikdokumentations-Dreiteilers. Er befasst sich mit der Musik der 1920er Jahre, die in ländlichen Gegenden praktiziert wurde, wo der Einfluss des Radios noch nicht so dominant war. Hier stößt der Zuschauer auf Bands wie The Carter Family und The Memphis Jug Band, die dem Country und dem Blues frönen und die Entwicklung der amerikanischen Musik maßgeblich beeinflusst haben. Der zweite Teil der Trilogie widmet sich der Kunst der Direktaufnahme, einer Studiotechnik, die keinen zweiten Take und keine Nachbearbeitung zulässt. Zeitgenössische Künstler wie Nas, Beck und Elton John interpretieren so Evergreens aus den 20er und 30er Jahren.

„Radio Dreams“

Nach Afghanistan und Amerika entführt schließlich der Film „Radio Dreams“ von Babak Jalali. Hier ist Hamid Royani, ein in die USA ausgewanderter Schriftsteller, die Hauptfigur. Er will die Mitglieder der US-Band Metallica dazu überreden, eine Session mit Kabul Dreams zu spielen, der ersten Rockband Afghanistans. Das Projekt, das er für einen kleinen kalifornischen Radiosender initiierte und bei dem der kulturelle Austausch im Vordergrund stehen sollte, droht in eine kommerzielle Schieflage zu geraten.

Sahnehäubchen der Sektion „FilmFest Laut“ bilden aktuelle Musikvideos, die unter dem Motto „Kurz&Laut“ präsentiert werden.