„Jedes Kind singt gern“ Domchor macht Kindern Lust aufs Singen

Von Ralf Döring

Haben die Freude am Singen für sich entdeckt: Richard (links) und Madita. Foto: Thomas OsterfeldHaben die Freude am Singen für sich entdeckt: Richard (links) und Madita. Foto: Thomas Osterfeld

An diesem Samstag geben die Chöre am Dom ein Konzert, in dem sich alle Chöre darstellen. Auch die Jungen und Mädchen von Knabenchor und Mädchenkantorei.

Im Chor singen ist kein Kinderspiel. „Ich brauche mehr Text“ sagt Julia Arling. „Ihr müsst richtig aufmachen.“ „Nochmal, weil einige von Euch vor Takt acht geatmet haben“. Es ist Freitagnachmittag, ein schöner warmer Frühherbsttag; sicher könnten die Mädchen zwischen acht und 13 Jahren die Woche spielerischer ausklingen lassen, als hier im Domchorsaal zu sitzen und ein „Jubilate Deo“ zu proben. Und doch sind die Mädchen der Mädchenkantorei und später auch die Jungs vom Knabenchor ernsthaft dabei, bis Domkantorin Arling erreicht hat, was sie erreichen will. Bis die kniffligen Stellen sitzen, jeder an der richtigen Stelle atmet, jede und jeder den Effekt der plötzlichen Pause verinnerlicht hat. Weiterlesen: Domchor singt Werke eines Osnabrücker Komponisten

Zwei Proben pro Woche und 15 Auftritte im Jahr

„Wir proben schon genau“, sagt Clemens Breitschaft, der Domchordirektor, „wir wollen ein bestimmtes Niveau erreichen.“ Das stellt sich nicht von selbst ein; zwei Mal pro Woche kommen Mädchen und Jungen in den Domchorsaal, dazu kommen zwischen zehn und 15 Auftritte im Jahr. An diesem Wochenende stehen gleich zwei an. Wer macht so etwas?

Madita und Richard zum Beispiel. Die beiden singen schon seit einigen Jahren in den Domchören, ganz einfach, weil sie Freude daran haben. „Ich finde es hier schöner als im Schulchor“, sagt Richard; er ist 13. Und Madita hat „immer schon gesungen“, sagt die Zehnjährige.

Genau da setzen Breitschaft und Arling an: „Jedes Kind singt gern“, sagt Breitschaft. Nur: Diese Lust kann sich verlieren, wenn die Eltern nicht mit ihren Kindern singen. Außerdem sei „singen als uncool gebrandmarkt“, sagt Breitschaft. Hindernisse, gegen die er ankämpft. Denn Nachwuchs zu finden „bleibt eine Herausforderung“.

Seit zwei Jahren werben Breitschaft und Arling deshalb in Osnabrücker Grundschulklassen um die jungen Sängerinnen und Sänger. Sie gehen da lieber erste und zweite Klassen, als in dritte und vierte. „Je früher, desto besser“, sagt Breitschaft: In der vierten Klasse haben Kinder ihre Freizeit schon so streng getaktet, dass fürs Singen im Chor keine Zeit mehr bleibt. Gerade der Sport ist da ein harter Konkurrent um die Freizeit der Kinder - Fußball gilt als cool. Dass das kein Gegensatz sein muss, beweist Madita: Sie spielt in der E2-Jugend in Hollage Fußball, treibt Leichtathletik. Und singt im Chor, manchmal mit Orchester, vor 600 Zuhörern. Schon auch ganz schön cool. Weiterlesen: Domchöre und das Osnabrücker Symphonieorchester mit Haydns „Schöpfung“


Cantate Domino: Chorkonzert der Chöre am Dom 22. Oktober, 18.30 im Dom