Osnabrücker vor dem Landgericht Zion-Chef zahlt lieber, statt vorbestraft zu sein


Osnabrück. Lieber einen saftigen Geldbetrag zahlen als vorbestraft sein: Nach dieser Devise hat der Geschäftsführer der Zion GmbH den Prozess wegen unerlaubten Umgangs mit giftigen Abfällen hinter sich gebracht. Das Landgericht stellt das Verfahren gegen ihn vorläufig ein.

15000 Euro muss der Angeklagte Ralf Gervelmeyer in die Staatskasse einzahlen, um die Verurteilung aus der ersten Instanz nicht wirksam werden zu lassen. Im Mai 2014 hatte der Inhaber der Zion GmbH (heute 3g Group) hochgradig giftiges Teerparkett in einer Halle am Güterbahnhof mit dem Radlader zusammengeschoben – und damit nach Überzeugung des Amtsgerichts die Gesundheit anderer Menschen gefährdet.

Ohne Schutzkleidung

Bei Laboruntersuchungen stellten die Chemiker fest, dass der teerhaltigen Kleber aus den 50er Jahren krebserregende, erbgutschädigende und gewässergiftige Substanzen in hohen Konzentrationen enthielt. Später gab es weiteren Ärger, weil die Giftstoffe in offenen Containern entsorgt und Arbeiter in unzureichender Schutzkleidung angetroffen wurden.

Knapp 7000 Euro hätte Gervelmeyer nach dem Willen des Amtsgerichts zahlen sollen. Diese Summe setzte sich zusammen aus einer Geldstrafe in Höhe von 1950 Euro (30 Tagessätze à 65 Euro) und weiteren 5000 Euro als Ersatzleistung für den finanziellen Vorteil, der ihm durch die unsachgemäße Entsorgung entstanden war. Mit diesem Urteil der ersten Instanz wäre der Kaufmann zwar preiswert davongekommen, aber vorbestraft gewesen. Und diesem Schicksal wollte er unbedingt entgehen. Deshalb legte er Berufung ein.

Staatsanwalt passt auf

Vor dem Landgericht kam es am Dienstag gar nicht zur erneuten Beweisaufnahme, und die geladenen Zeugen konnten nach Hause gehen. Stattdessen versuchte Gervelmeyers Verteidiger zu feilschen, um die Strafkammer zu bewegen, das Verfahren „wegen geringer Schuld“ nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung einzustellen. Der Staatsanwalt ließ sich darauf ein, allerdings setzte er den Preis herauf: „15 bis 20000 Euro, da geh ich nicht runter!“, ließ er den fast vor Wut schäumenden Angeklagten wissen. Zweimal wurde die Sitzung unterbrochen, dann einigten sich beide Seiten auf 15000 Euro, und das Gericht willigte ein.

Gervelmeyer darf diese Summe in sechs monatlichen Raten abstottern. Falls er in Verzug gerät, riskiert er, doch noch verurteilt zu werden. Der Staatsanwalt kündigte jedenfalls an, dass er den Eingang der Zahlungen unnachsichtig überwachen werde.


0 Kommentare