Prozess gegen 20-Jährigen Plädoyers nach Flaschen-Attacke am Osnabrücker Hauptbahnhof

Von Ulrich Eckseler

Im Prozess um einen versuchten Totschlag am Osnabrücker Hauptbahnhof, hielten Anklage und Verteidigung am Montag ihre Plädoyers vor dem Landgericht. Symbolfoto: Ulrich EckselerIm Prozess um einen versuchten Totschlag am Osnabrücker Hauptbahnhof, hielten Anklage und Verteidigung am Montag ihre Plädoyers vor dem Landgericht. Symbolfoto: Ulrich Eckseler

Osnabrück. Wegen einer Flaschen-Attacke am Osnabrücker Hauptbahnhof muss sich ein 20-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Der Prozess wurde mit den Plädoyers fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Strafe von drei Jahren und drei Monaten, die Verteidigung plädierte für acht Monate auf Bewährung.

Am 17. Februar kam es im Obdachlosenmilieu auf dem Bahnhofvorplatz zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem 20-jährigen Angeklagten und seinem 38-jährigen Kontrahenten, weil dieser mehrere Frauen belästigt habe. Der Streit eskalierte. Letztlich schlug der 20-Jährige, wie er bereits gestand, einmal mit einer Weinflasche auf den Kopf des 38-Jährigen ein. Diese Flasche sei ihm aus der Hand gefallen und er habe das Opfer darauf mit Faustschlägen weiter traktiert. Durch die Attacke erlitt der Mann eine Schädelfraktur, die sich von der Stirn bis zur Augenhöhle zog. Lebensgefahr habe nach Aussage eines Arztes nicht bestanden.

Tat unter Alkoholeinfluss

Dass die Tat unter Alkoholeinfluss geschah, steht fest. Entscheidend war jedoch die Frage nach der Höhe der Intoxikation. Eine Gutachterin hatte auf Basis der Angaben des Angeklagten einen Blutalkoholwert von 3 bis 3,8 Promille errechnet. Er habe an besagtem Tag zwischen 11 Uhr und 17.30 Uhr fünf Liter Bier und einen halben Liter Wodka und Whisky getrunken. Die präzisen Details, die der Angeklagte zu der Tat machte, würden aber nicht zu diesen Werten passen, so die Expertin weiter.

„Taktisches Geständnis“

Ursprünglich war der 20-Jährige wegen versuchten Totschlags angeklagt. Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer jedoch eine Jugendhaftstrafe von drei Jahren und drei Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung. Zwar gehe er von einer Tötungsabsicht aus, hielt dem Angeklagten aber den sogenannten freiwilligen Rücktritt zugute. Demnach kann es sich strafmildernd auswirken, wenn ein Täter beschließt, von der weiteren Tatausführung abzusehen, oder die Tatvollendung verhindert. Begründet wurde dies dadurch, dass der Angeklagte darauf verzichtete erneut, nach der am Boden liegenden Flasche zu greifen, um auf das Opfer einzuschlagen.

(Weiterlesen: Versuchter Totschlag – 20-Jähriger bricht Schweigen)

Im Weiteren führte der Staatsanwalt aus, dass es zwischen der Aussage der Angeklagten und der der Zeugen zahlreiche Widersprüche gegeben habe. Auch der späte Zeitpunkt lasse eher ein „taktisches Geständnis“ vermuten, um „zu retten, was zu retten war“, so der Staatsanwalt. Denn nach Anhörung aller Zeugen hätten keine Zweifel mehr bestanden, des der 20-Jährige der Täter sei. Letztlich griff der Staatsanwalt auch die Argumentation der Gutachterin auf, wonach sich präzise Detailangaben und der vermeintlich hohe Alkoholspiegel widersprechen.

Kein Tötungsvorsatz

Die Verteidigung bestritt einen Tötungsvorsatz des Angeklagten. Schon aus dem Grund, da die Tat unter den Augen vieler Menschen geschah und er nicht die Hoffnung haben konnte zu entkommen. Der 20-Jährige habe seinen Kontrahenten lediglich erschrecken wollen. Zudem sei von einer stärkeren Alkoholisierung auszugehen, die über zwei Promille gelegen haben muss. Dadurch sei sein Mandant eingeschränkt gewesen. Auch die Drogen, die der Angeklagte am Vortag konsumierte, hätte sich, in Kombination mit Alkohol, auf das Bewusstsein auswirken können.

Dem Geständnis maß der Anwalt mehr Gewicht. Wie deutlich geworden sei, sei der 20-Jährige provoziert und von seinem Begleiter zu der Tat angestachelt worden. Außerdem habe sein Mandant auch aus der Frustration darüber gehandelt, dass er es nicht geschafft habe, „sich etwas aufzubauen“. Letztlich plädierte die Verteidigung für eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten, ebenfalls wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Prozess wird am 20. Oktober mit der Urteilsverkündung fortgesetzt.