Littera-Lesung: „Die Witwen“ Longlist-Autorin Dagmar Leupold liest in Osnabrück

Von Anne Reinert

Anspielungen an Weltliteratur - und Lahnstein: Dagmar Leupold las in Osnabrück aus „Die Witwen“. Foto: Philipp HülsmannAnspielungen an Weltliteratur - und Lahnstein: Dagmar Leupold las in Osnabrück aus „Die Witwen“. Foto: Philipp Hülsmann

  Osnabrück. Mit ihrem Roman „Die Witwen“ wurde Dagmar Leupold in diesem Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert. Am Montag las sie daraus bei Littera in Osnabrück.

In Frankfurt ist an diesem Abend gerade der Deutsche Buchpreis an Bodo Kirchhoff verliehen worden. Auch Dagmar Leupold war nominiert. Mit ihrem Roman „Die Witwen“ stand sie bereits zum zweiten Mal auf der Longlist . Dass sie es nicht unter die letzten sechs geschafft hat, macht sie nicht weiter unzufrieden.

Die Jury habe für die Shortlist eine „riskante“ Auswahl getroffen, sagt sie anerkennend, während sie nach ihrer Littera-Lesung im Blue Note noch Bücher signiert. „Mir ist es ohnehin wichtiger, dass ich auf der SWR-Bestenliste stehe“, sagt sie. Dort seien schließlich internationale Autoren vertreten.

Witwen, die keine sind

Zur Preiswürdigkeit würde auch „Die Witwen“ taugen. Leupold erzählt darin vier exemplarische weibliche Lebensläufe unserer Zeit. Penny, Dodo, Laura und Beatrice kennen sich seit ihrer Einschulung. Nachdem Penny geheiratet und von Berlin in einen kleinen Ort an der Mosel gezogen ist, kommen ihr die anderen drei nach und nach hinterher. Witwe ist keine von ihnen. Am ehesten könnte der Begriff auf Penny zutreffen, deren Mann vor Jahren von einer Reise aus Fernost nicht zurückgekehrt ist.

Den Begriff Witwe nutzt Dagmar Leupold als Metapher. „Es geht nicht um ein Gefühl, das abhanden gekommen ist, eine Form des Verlusts“, erklärt die 60-Jährige, die das Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen leitet. Ihre Protagonistinnen, alle Ende 50, suchen sich schließlich einen Fahrer, um sich auf eine Reise zu machen. Als sie eine Autopanne haben, erzählen sie sich ihre Lebensgeschichten.

Leupold knüpft mit ihren Figuren an die Weltliteratur von Homer bis Dante an. Pennys Vorbild etwa ist die wartende Penelope aus der „Odyssee“. Denn fiktive Geschichten sind für die Autorin nicht unwahrer als reale. „In der Lektüre habe ich genauso echte Begegnungen wie heute Abend mit ihnen“, sagt sie zu ihren rund 70 Zuhörern.

Boshafte Anspielungen

Die Lesung in Osnabrück ist eine Premiere. Dagmar Leupold hat zwar bereits eine aus dem Skript zu „Die Witwen“ gehalten. Aus dem „physischen Buch“ liest sie aber zum ersten Mal. Und verrät dabei, dass sie schon einen bösen Brief bekommen hat. Denn der erfundene Ort Steinbronn aus dem Buch hat viel von Leupolds Geburtsort Lahnstein. Ein paar böse Anspielungen habe sie sich nicht verkneifen können, sagt sie. Das hat wohl nicht jedem gefallen.


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