Serie „Die Kunden und ich“ Mitarbeiter des OS-Teams über Respekt und ein Missverständnis

Wenn Frau S. und Herr F. vom OS-Team nach dem Ausweis fragen, werden manche Bürger ausfallend. Foto: David EbenerWenn Frau S. und Herr F. vom OS-Team nach dem Ausweis fragen, werden manche Bürger ausfallend. Foto: David Ebener

Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 10: Zwei Mitarbeiter des OS-Teams.

Schon seit Jahren sind Frau S.* (56) und Herr F.* (52) für das Ordnungsamt in Osnabrück unterwegs. Dabei erleben sie die Stadt aus einer anderen Perspektive. Nicht immer werden sie von den Bürgern respektiert.

*Die vollen Namen sind der Redaktion bekannt, werden aus Gründen des Selbstschutzes aber abgekürzt.

In der Stadt sieht man häufig Mitarbeiter des OS-Teams. Was sind denn eigentlich Ihre Aufgaben?

S.: Unsere Aufgabe ist die Gefahrenabwehr, also die Beseitigung von bestehenden Gefahren, möglichst aber auch deren Verhinderung. Wir gucken zum Beispiel, ob die bestehenden Regeln eingehalten werden: Sind Wildpinkler unterwegs, wird Alkohol in einer Alkoholverbotszone konsumiert oder fahren Radfahrer in der Fußgängerzone? Wir machen auch Gewerbe- oder Sondernutzungskontrollen, kümmern uns also um alles, was ordnungsmäßig auffällt und wo ein Einschreiten notwendig ist.

F.: Wir sind quasi Mädchen für alles auf der Straße: Streetworker, Sozialarbeiter und Ordnungsamt in einem. Strafzettel für Falschparken verteilen aber nicht wir, sondern der Verkehrsaußendienst. Das verwechseln viele.

Führt das zu Problemen?

S.: Das hält schon manchmal auf. Wenn wir eigentlich ganz woanders hinmüssen und uns jemand auf dem Weg dorthin auf einen Falschparker hinweist. Der will dann auch, dass wir einen Strafzettel ausstellen. Aber wir greifen nur ein, wenn von der Situation auch eine Gefahr ausgeht, und bitten den Bürger, dem Verkehrsaußendienst Bescheid zu geben. Das verstehen die Leute manchmal nicht.

Wo sind denn in Osnabrück in Ihren Augen die größten Brennpunkte?

S.: Das sind die Alkoholverbotszone in der Johannisstraße, der Bahnhof, wo sich viele Obdachlose aufhalten, Vermüllung oder Drogenfunde in den Parks.

F.: Wir müssten eigentlich auch mehr Hundekontrollen machen, aber dazu fehlen uns die Ressourcen. Wir sind nur zu neunt.

Verglichen mit der Polizei, welche Rechte haben Sie?

F.: Im Grunde haben wir die gleichen Rechte und Befugnisse wie die Polizei, außer dass wir keine Waffen tragen. Wir dürfen aber zum Beispiel Handschellen anlegen. Wir gehen allerdings grundsätzlich anders vor als die Polizei.

S.: Wir agieren eher verbal und versuchen einzugreifen, bevor eine Situation gefährlich werden kann. Mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür. In manchen Situationen müssen wir die Kollegen von der Polizei aber auch um Hilfe bitten; im Gegensatz zu uns wird sie respektiert. Dann wird es für die Bürger aber auch gleich teuer.

Wie reagieren die Menschen denn, wenn plötzlich jemand vom OS-Team auf sie zu kommt?

S.: Das ist unterschiedlich. Viele reagieren einsichtig, andere werden richtig ausfallend und gehen unter die Gürtellinie. Wahrscheinlich, weil sie genau wissen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Das ist wie die Trotzphase bei einem Kind. Solche Situationen belasten mich auch nach Feierabend noch.

F.: Wir gehen grundsätzlich freundlich auf die Leute zu und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Wenn derjenige einsichtig ist, ist das Ding für uns auch gegessen. Wir vermeiden Anzeigen, wo wir es können.

Geht Ihnen die Arbeit manchmal nah?

F.: Ja. Wir nehmen sehr viel mit nach Hause. Wir erfahren in Gesprächen, zum Beispiel mit Obdachlosen, viele Hintergründe und Schicksale. Manchmal ist das ein schleichender Suizid, und nicht jeder will sich helfen lassen. Das tut weh, wenn man das sieht. Aber es ist ein Erfolg, wenn auch die Hartgesottenen der Szene Hilfe annehmen und umsetzen.

Sie lernen Osnabrück aus einer anderen Perspektive kennen. Gefällt Ihnen die Stadt überhaupt noch?

S.: Mir schon. Jede Stadt hat ihren Brennpunkt, aber da gibt es weit aus schlimmere Gegenden. Verglichen mit denen ist Osnabrück eine Provinz.

F.: In großen Ballungszentren zum Beispiel. Da reagieren auch die Ordnungsdienstbeamten ganz anders. Das merken wir dann hier daran, wie überrascht zum Beispiel Bettlerbanden sind, die auch in Großständen aktiv sind, wenn wir sie hier zunächst freundlich des Platzes verweisen.


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