Abschätzige Blicke geerntet Gastronomen verkaufen Osnabrücker Straßenzeitung

Von Ulrich Eckseler


Osnabrück . Sechs Osnabrücker Gastronomen engagierten sich am Samstag für soziale Zwecke und übernahmen in der Innenstadt die Rolle von Verkäufern der Straßenzeitung „Abseits!?“. Ziel war nicht nur den Absatz anzukurbeln, sondern auch Erfahrungen zu sammeln. Das Geld kam den regulären Verkäufern zugute, für die die Gastwirte eingesprungen sind.

Pascal Arnout ( Warsteiner Treff ), Hendrik Vogelsang ( Pollyesther´s ), Pedro Stortini ( Planeta Sol ), Luis Hidalgo Martinez (El Hidalgo). Tobias Neumann ( Steakmeisterei ) und Jörg Radloff ( Kartoffelhaus ), verteilten sich auf verschiedene „Abseits!?“-Verkaufsstandpunkte in der Innenstadt.

„Die Leute gehen vorbei, aber die Blicke bleiben“

Meist verkauften sie an eigene Kunden und Bekannte und nach etwa einer Stunde war bereits so manche Ausgabe unter die Passanten gebracht. Allerdings ernteten die Gastronomen viele skeptische und abschätzige Blicke. „Die Leute gucken mich an wie den letzten Heckenpenner“, brachte das Tobias Neumann auf den Punkt. Sie „gehen vorbei, aber die Blicke bleiben“, ergänzt er. Neumann verkaufte vor einem großen Modegeschäft und berichtete von Menschen, die gerade für 500 Euro eingekauft, aber nach freundlicher Ansprache keine 1,60 Euro für die Zeitung übrig hätten. Von Ignoranz berichteten auch die anderen Gastwirte. Selbst eigene Kunden hätten abschätzig geblickt und einen großen Bogen gemacht. Es sei ein „seltsames Gefühl“, gleichzeitig aber auch eine interessante Erfahrung, erläuterte Pascal Arnout. Er habe Gäste gesehen, die ihn „komisch angeguckt“ hätten und wohl gedacht haben, er habe sein Lokal schließen müssen und verdiene jetzt mit dem „Abseits!?“-Verkauf sein Geld.

Großer Respekt vor Verkäufern

Nach rund drei Stunden zogen Thomas Kater, der verantwortliche „ Abseits!? “-Readakteur, und die sechs Gastronomen Bilanz. Einstimmig sprachen die Wirte ihren Respekt vor der Leistung der regulären Verkäufer aus. Es brauche viel Mut die eigene Schamgrenze zu überwinden und sich auf die Straße zu stellen. Insgesamt wurden rund 100 Ausgaben verkauft. Der Erlös lag nach einer zusätzlichen Spende der Wirte bei etwa 250 Euro. Das Geld erhalten die Verkäufer, die normalerweise an den Standpunkten stehen.

Gemeinsame Aktion

Die Idee zu der Aktion stammt von Jörg Radloff. Inspiriert wurde er von Pedro Stortini. Wenn im Planeta Sol Konzerte stattfinden, nimmt Stortini keinen Eintritt, sondern bittet um eine Lebensmittelspende für die Osnabrücker Tafel . Daraus entstand die Absicht, sich mit weiteren Gastro-Kollegen ebenfalls sozial zu engagieren. Der erste Gedanke viel auf die Straßenzeitung „Abseits!?“. Radloff kontaktierte daraufhin Thomas Kater. Mit weiteren Kollegen aus der Gastronomie wollen die Wirte die Aktion im kommenden Jahr wiederholen.

Neben den Gastwirten haben auch schon andere bekannte Osnabrücker die „Abseits!?“ verkauft. Darunter Fußballer des VfL Osnabrück oder Bischof Franz-Josef Bode.