„Eitelkeit älterer Männer“ Osnabrücker SPD reagiert mit Humor auf schwarz-grüne Freundschaft

Frank Henning (Mitte), eingerahmt von Fritz Brickwedde (links) und Michael Hagedorn (vorn). Foto: David EbenerFrank Henning (Mitte), eingerahmt von Fritz Brickwedde (links) und Michael Hagedorn (vorn). Foto: David Ebener

Osnabrück. SPD-Fraktionschef Frank Henning reagiert mit Spott und Ironie auf die schwarz-grüne Annäherung im Stadtrat. Da äußere sich die „Eitelkeit zweier älterer Herren“, sagte Henning.

Ein neues rot-grünes Bündnis wird es nach Hennings Worten nicht geben. „Die Zählgemeinschaft ist passé, wir haben ja keine Mehrheit“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende am Montag unserer Redaktion. Die SPD habe mit allen Fraktionen Gespräche geführt. „Inhaltlich haben wir die meisten Gemeinsamkeiten immer noch mit den Grünen.“ Er freue sich auf die kommende Legislaturperiode, die eine „spannende Zeit“ zu werden verspreche. Denn: „Wir müssen von Sachfrage zu Sachfrage immer wieder neue Mehrheiten suchen. Mal mit der CDU, mal mit den Grünen, mal mit anderen.“ Die SPD sieht Henning dabei in einer komfortablen Lage: „Die SPD ist die Mitte des Rates, wir haben die besten Chancen, mit allen anderen Schnittmengen zu finden.“

„Eitelkeit zweier älterer Männer“

Dass sich CDU und Bündnis 90/Die Grünen plötzlich so gut verstehen, ist für Henning keine Überraschung. Schon in der vergangenen Wahlperiode habe es nach dem Verlust der rot-grünen Mehrheit über Lagergrenzen hinweg Berührungen gegeben. Er frage sich aber, ob das bekanntermaßen gute Vertrauensverhältnis zwischen CDU- Chef Fritz Brickwedde und Grünen-Fraktionschef Michael Hagedorn ausreiche, um langfristig zu einer schwarz-grünen Zusammenarbeit zu kommen. „Als Mitglied der Grünen-Fraktion würde ich mich schon fragen, was ich von so einer Männerfreundschaft halten soll.“ Und mit spottisch-ironischen Beiklang setzt Henning nach: „Das hat schon einen gewissen Unterhaltungswert, diese Eitelkeit zweier älterer Herren, die angeblich gemeinsam das Klinikum gerettet haben.“

Sowohl Brickwedde wie auch Hagedorn hatten in Gesprächen mit der Redaktion ihre wechselseitiges Vertrauen bekundet, das sich vor allem in den vielen Sitzungen während der Klinikum-Krise entwickelt habe. Hagedorn ist Vorsitzender des Klinikum-Aufsichtsrates, Brickwedde sein Stellvertreter.

Vorwurf zurückgewiesen

Brickwedde hatte in dem NOZ-Interview dem SPD-Fraktionschef Fehler im Wahlkampf und bei der Kandidatenaufstellung vorgehalten. Bei der SPD blockierten zu viele Altgediente die besten Listenplätze. Henning konterte, er brauche keine Ratschläge von der CDU: „Wir wissen selbst, wie wir mit dem Wahlergebnis umzugehen haben.“

Henning wies zugleich den Vorwurf Brickweddes zurück, er, Henning, sei ein Erfüllungsgehilfe des Centerinvestors, der sich einen autofreien Neumarkt vor der Tür des künftigen Centers wünsche. Der SPD-Chef bekräftigte, dass das Interesse des Centerbetreibers eines von vielen Argumenten für einen autofreien Neumarkt sei. So habe er sich auch beim Heimatabend von Kala Wefel geäußert. Es sei falsch zu behaupten, dies sei für ihn und die SPD der Hauptgrund. Henning: „Es ist wichtig, das Center an die Fußgängerzone anzubinden und nicht eine Barriere mit 20000 Autos zu schaffen.“


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