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Wiedereröffnung am Sonntag Bergkirche in Osnabrück erstrahlt nach zweijähriger Renovierung in altem Glanz

Von Martina Schwager

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Osnabrück. Engel, Löwe, Stier und Adler sind die Symbole der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Seit Kurzem schmücken sie wieder den Bogen über der Orgel an der Stirnseite der evangelisch-reformierten Bergkirche in Osnabrück.

Die 1893 gebaute Kirche erstrahlt nach zweijähriger Renovierungsphase wieder in altem Glanz: Die ursprünglichen, in den 50er-Jahren jedoch übertünchten Malereien im Inneren sind wieder freigelegt. Das Holz der Bänke, der Kanzel und der Brüstungen, das mit Schadstoffen belastet war, ist saniert. Am Sonntag, 22. April, 15 Uhr, wird die Gemeinde die Kirche mit einem Festgottesdienst wiedereröffnen. Eine Festwoche unter dem Motto „Eine Kirche blüht auf“ schließt sich an, sagte Pastor Günter Baum am Donnerstag bei einer Vorabbesichtigung. Damit wolle sich die Gemeinde auch als „schmucke und einladende Kirche mit Strahlkraft in die Stadt hinein präsentieren“.

Die Bergkirche ist der erste reformierte Kirchenneubau in Osnabrück. Architekt war 1892/93 der damals berühmte Berliner Regierungsbaumeister Otto March. Er brach mit dem in der reformierten Kirche streng beachteten Bilderverbot und malte das Innere mit Blumenmustern, Schriftzügen und den Symbolen der vier Evangelisten aus. Diese Malereien, die sich vor allem an der Stirnseite der Kirche, um die Kanzel und die Orgel herum finden, sind nun wieder sichtbar. Die Kapitelle der Säulen, die die Empore tragen, strahlen wieder in glänzendem Gold. Der Kirchenrat hatte sich einstimmig dafür entschieden, erläuterte Pastor Steffen Tuschling: „Frei nach dem Motto: Auch eine reformierte Kirche kann ästhetisch schön sein.“

Die 5500 Gemeindemitglieder in Osnabrück und Umgebung freuten sich, dass sie ihre Kirche endlich wieder nutzen könnten. Zwei Jahre lang hätten sie mit Gottesdiensten, Gruppen und Kreisen an insgesamt 16 Orten in der Stadt provisorische Unterkunft gefunden. „Wir sind sehr herzlich von Lutheranern, Katholiken und Orthodoxen aufgenommen worden“, betonte Tuschling. Dennoch hätten sie entschieden, die Kirche jetzt schon wieder zu öffnen, obwohl der Neubau des Gemeindesaals und mehrerer Verwaltungsräume noch ausstehe.

Die Sanierung der Bergkirche sowie der Um- und Neubau des angrenzenden Gemeindehauses seien nur möglich geworden, weil zuvor drei reformierte Kirchen in der Stadt verkauft worden seien, erläuterte Tuschling. Der erzielte Erlös von 1,5 Millionen Euro werde fast komplett in das insgesamt 1,7 Millionen Euro teure Bauprojekt fließen. Der Umbau des alten Gemeindehauses sei ebenfalls abgeschlossen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die reformierte Landeskirche hätten die Gemeinde mit je 200000 Euro unterstützt. Ebenso habe es zahlreiche kleine und große Spender gegeben.

Auch Sozialpädagogin und Einzelhandelskauffrau Frauke Licht gefällt das Ergebnis der Sanierung. Die 51-Jährige hat als ehrenamtliches Mitglied des Kirchenrates alle Entscheidungen mitgetragen und die Bauarbeiten regelmäßig verfolgt. Ihr Anliegen sei es von Anfang an gewesen, die Kirche zum Strahlen zu bringen. Fasziniert habe sie dabei vor allem, dass sie als Ehrenamtliche sich nicht nur engagieren, sondern auch mitentscheiden konnte. Frauke Licht: „Ich bin immer wieder von den vielen kleinen Details fasziniert, die jetzt die Kirche wieder zu einem Gesamtwerk erstrahlen lassen. Und dass es Freude macht, diese Kleinigkeiten anderen zu zeigen und sie durch kirchenpädagogische Erkundungen entdecken zu lassen.“

Zur feierlichen Wiedereröffnung wird der reformierte Kirchenpräsident Jann Schmidt aus Leer predigen. In der anschließenden Festwoche mit Konzerten, Vorträgen, Führungen und einem offenen Café solle der einladende Charakter der Kirche und der Gemeinde zum Ausdruck kommen. Im Mai werde es weitere Veranstaltungen und eine Predigtreihe zu den Symbolen der Evangelisten geben. Die Bergkirche werde als einzige reformierte Kirche in Osnabrück neben der allerdings als reine Jugendkirche genutzten Friedenskirche zum Zentrum der Gemeinde werden. Sie wolle ihre nun sehr attraktiven Räumlichkeiten aber auch anderen Veranstaltern etwa für Konzerte oder Vorträge anbieten, kündigte Pastor Tuschling an: „Die Renovierung und Sanierung ist eine Investition in die Zukunft.“


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