Osnabrücker Dramatikerpreis Stefan Hornbach über sein Gewinnerstück

Von Christine Adam

Vom Romanfragment zum Drama: Autor Stefan Hornbach spricht über das Schreiben seines Gewinnerstücks. Foto: André HavergoVom Romanfragment zum Drama: Autor Stefan Hornbach spricht über das Schreiben seines Gewinnerstücks. Foto: André Havergo

Ch.A. Osnabrück. Bei einem Pressegespräch sprachen Autor Stefan Hornbach, Uraufführungs-Regisseurin Marlene Anna Schäfer, Dramaturgin Marie Senf und Intendant Ralf Waldschmidt über das Stück „Über meine Leiche“ und den Osnabrücker Dramatikerpreis.

Nachdem gerade Julia Penners „Der dicke Sternschnuppe“ als „Oskar“-Produktion im Emma-Theater aus der Taufe gehoben worden ist, steht die nächste Uraufführung eines Gewinnerstückes des Osnabrücker Dramatikerpreises vor der Tür: Stefan Hornbach s „Über meine Leiche“, mit dem der 1986 geborene Schauspieler und Autor den 1. Osnabrücker Dramatikerpreis in seinem zweiten Durchlauf gewonnen hat. Premiere wird am 29. Oktober gleichfalls im Emma-Theater sein.

Bei einem Pressegespräch sprachen Stefan Hornbach selbst, aber auch die Uraufführungs-Regisseurin Marlene Anna Schäfer, Dramaturgin Marie Senf und Intendant Ralf Waldschmidt über das Stück und den Dramatikerpreis.

Hornbachs Gewinnerstück handelt von Friedrich, der einen Krebstumor hat und Jana, die nicht leben will. „Über meine Leiche“, so gab Juror und Laudator Jürgen Berger bei der Preisverleihung im November letzten Jahres einen Vorgeschmack auf den Inhalt, „ist ein Text, der den Leser nicht mehr loslässt. Man liest immer weiter und will mehr von den Gefühlswelten zweier Jugendlicher erfahren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die von existenziellen Verstörungen so in verschiedene Richtungen getrieben werden, dass sie wieder aufeinandertreffen müssen“.

Subtiler Humor

Ralf Waldschmidt bewunderte jetzt im Emma-Theater den subtilen Humor, den Hornbach für ein so ernstes Thema wie eine Krebserkrankung gefunden hat. Regieteam und Schauspieler suchen nun nach dem passenden Bühnenton für diese humorvolle Leichtigkeit. „Wir können uns momentan mehr Gedanken über die Erzählebene machen als über das Erzählte selbst, weil die Situation so klar beschrieben ist“, so Regisseurin Marlene Anna Schäfer. Dramaturgin Marie Senf nennt „Über meine Leiche“ einen „reichen Text“, weil er verschieden Textformen enthalte. Epische und dramatische, Textflächen oder auch bodenständigen Comic-Strip nennt sie.

„Stoff hat mich gefunden“

Und wie hat der Autor zu seinem Stoff gefunden? „Er hat mich gefunden“, antwortet Stefan Hornbach. Er habe schon über das Thema Krankheit in verschiedenen Textformen geschrieben, an einem Monolog etwa und einem Romanfragment, mit dem er nicht weiterkam. Bis er sich spontan entschloss, dieses Fragment in Dialoge umzuarbeiten – zu jenen zehn Seiten, die er dann der Osnabrücker Jury zuschickte. Die Juroren Rebekka Kricheldorf, Jürgen Berger, Annette Pullen und Hans-Jürgen Drescher gaben ihm ein positives Feedback. „Sie wollten meine Charaktere näher kennenlernen und ermutigten mich, einfach drauf los zu schreiben, obwohl ich nicht wusste, worauf es hinauslaufen sollte,“ erinnert er sich schmunzelnd. „Ich bekam Lust, die Dialoge zu schreiben und der neue dramatische Ansatz hat mir mehr Spaß gemacht als sich nur textflächenmäßig am Thema abzuarbeiten“.

„Ein Erfolgsmodell„

Hornbachs Schilderungen bestätigen noch einmal das Besondere des Osnabrücker Verfahrens für den vom Osnabrücker Theaterverein ausgelobten Dramatikerpreis: Sechs ausgewählte Autoren beraten mit der Jury ihren eingereichten Stückentwurf, bevor der/die Preisträger/in ermittelt wird. Für beide Gewinner, Thomas Köck und Stefan Hornbach, ging es recht steil aufwärts in ihrer Laufbahn. Hornbach wurde im Frühjahr zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen und zu den Autorentheatertagen ans Deutsche Theater Berlin. Dort wurde das Stück vom renommierten Wiener Burgtheater als Voraufführung gezeigt. „Ein Erfolgsmodell“ nennt Waldschmidt den Osnabrücker Dramatikerpreis, der nicht nur im deutschen Raum genau wahrgenommen werde und zum kulturellen Renomee der Stadt beitrage. Nach dem dritten Durchlauf 2018 läuft allerdings die finanzielle Trägerschaft durch den Theaterverein aus. Waldschmidt hält es aus seiner Sicht für die „vornehme Pflicht der Stadt, sich über die künftige Finanzierung Gedanken zu machen und somit die Zukunft des Preises zu sichern“.


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