Serie „Die Kunden und ich“ Osnabrücker Zahnarzt über Mundgeruch, Ängste und geheime Sender

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Ist es nicht traurig, dass niemand gerne zum Zahnarzt geht? Min-Young Kim gibt uns Antworten. Foto: Jörn MartensIst es nicht traurig, dass niemand gerne zum Zahnarzt geht? Min-Young Kim gibt uns Antworten. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 7: ein Zahnarzt.

Seit 2004 arbeitet Min-Young Kim als Zahnarzt in Osnabrück. Seine Praxis liegt seit rund einem Jahr im Hasehaus am Neumarkt, vorher hat er in der Lotter Straße gearbeitet.

Herr Kim, mein Vater hat immer gesagt, dass man ein bisschen sadistisch veranlagt sein muss, um Zahnarzt zu werden. Tun Sie Menschen gerne weh?

(lacht) Nein, ich denke, wer einen medizinischen Beruf ergreift, der hat auch ein Helfersyndrom. Das erfahre ich jedes Mal, wenn ich mit Kollegen und Patienten zusammen komme. Ich sage aber auch, dass ich vor 20, 30 Jahren kein Zahnarzt hätte werden können, da es damals noch nicht die heutigen Möglichkeiten zur Schmerzunterdrückung gegeben hat.

Dennoch geht niemand gerne zum Zahnarzt. Macht Sie das nicht etwas traurig?

Ich habe einmal gehört, dass in den USA Psychotherapeuten schon Alarm geschlagen haben, weil so viele Zahnärzte in Psychotherapie gehen.

Weil sie niemand mag?

Zahnärzte haben in den USA wohl einen sehr schlechten Ruf, das sieht man schon an den Filmen – wenn da ein Zahnarzt auftritt, hat der meistens keine gute Rolle. Wir versuchen den Patienten klar zu machen, dass wir ihnen helfen wollen. Es heißt, dass Zahnschmerzen die schlimmsten Schmerzen sind, die nicht zum Tode führen. Und wenn dann Patienten zu einem kommen, die nächtelang wegen Schmerzen nicht geschlafen haben, und man ihnen hilft, sind die einem hinterher auch sehr dankbar.

Wie geht es Ihnen denn mit Ihren Patienten? Ist es nicht manchmal auch sehr unappetitlich und eklig, wenn Patienten mit löchrigen Zähnen oder Mundgeruch zu Ihnen kommen?

Zahnärzte nehmen das völlig anders wahr als der Laie. Natürlich gibt es Patienten, bei denen man sich etwas ekelt, aber das ist extrem selten. Die meisten Patienten haben eine gute Mundhygiene. Als ich noch an der Medizinischen Hochschule Hannover war, sah es schon anders aus.

Was haben Sie denn da gemacht?

Ich habe in der Notaufnahme gearbeitet und hatte es mit vielen Infektionspatienten zu tun, die sich wohl tagsüber in keine Praxis getraut haben. Aber auch diesen Menschen muss geholfen werden.

Zu welchem Zahnarzt gehen Sie eigentlich?

Zu meiner Kollegin, die ich selbst vor vier Jahren eingestellt habe (lacht). Ich habe allerdings auch seit 20 Jahren keine Füllung mehr bekommen.

Worauf achten Sie denn bei einem Zahnarzt?

Zum Beispiel darauf, dass er mit einer Sehhilfe mit Licht und einem Gummituch bei Füllungen arbeitet.

Wie erkennen Sie Angstpatienten?

Die melden sich meistens von selbst. Im Internet gab es für uns gute Bewertungen von Angstpatienten, das hat sich herumgesprochen. Wir bieten hier als Alternative zur Vollnarkose auch eine Lachgasanlage an.

Wenn ich mir als Patient unsicher bin und mir bei einem Kollegen eine zweite Meinung einhole – empfinden Sie das eigentlich als Untreue?

Überhaupt nicht. Ich kann es völlig verstehen, dass Patienten aus verschiedenen Gründen noch eine zweite Meinung hören wollen. Das ist durchaus üblich.

Was war der wohl kurioseste Patient, mit dem Sie es bislang zu tun hatten?

Das war wohl in Hannover zur Zeit der Expo. Da kam auf einmal ein Mitglied des Zentralkomitees aus China zu mir – mit Limousine und Bodyguards. Da muss man dann seinen Mann stehen.

Was hatte er denn?

Einen entzündeten Zahnnerv. Außerdem habe ich manchmal Patienten, die glauben, dass ihnen ein Sender in den Zahn eingebaut wurde, der sie abhört.

Wie bitte?

Ja, das kommt schon vor. Neulich wollte auch jemand bei uns ein Zimmer buchen.

Die neue Praxis ist aber auch schick geworden...

Ja, wir wollten, dass sie möglichst wenig nach Zahnarztpraxis aussieht und riecht. Unsere alte Praxis in der Lotter Straße stammte noch aus den 1970er Jahren und roch sehr nach Zahnarzt.

Es heißt ja, dass das Schlimmste beim Zahnarzt die Geräusche sind. Könnten Sie nicht noch einen geräuschlosen Bohrer erfinden?

Wenn ich das schaffe, dann dürfen Sie mich gerne auf meiner Insel besuchen.


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