Richard David Precht hält Rede IHK Osnabrück feiert 150-jähriges Bestehen

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Osnabrück. Der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht hat bei der Feier zum 150-jährigen Jubiläum der Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim am Donnerstagabend erklärt, warum das IHK-Ideal des ehrbaren Kaufmanns in Zukunft wichtig sein wird.

IHK-Präsident Martin Schlichter stellte vor 800 Gästen in der Osnabrückhalle den besonderen Stellenwert des Ehrenamts und die Idee des ehrbaren Kaufmanns in den Fokus. Schlichter sieht Ehrlichkeit, Fairness, Verlässlichkeit und Integrität als Werte, die zur Identität des ehrbaren Kaufmanns gehören. Precht erläuterte, warum Moral die Basis für eine erfolgreiche Zukunft ist.

Von 1457 auf 60.000 Mitgliedsunternehmen

IHK-Präsident Martin Schlichter blickte zurück auf die Geburtsstunde der IHK: „Am 5. Juni 1866 legte der König von Hannover, Georg V., die Einrichtung der Handelskammern in Osnabrück und in Lingen fest. Dieser königliche Akt sollte zunächst eine Hilfseinrichtung des Staates schaffen. Er erwies sich allerdings auch als Geburtsstunde der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in unserer Region.“ Vor 150 Jahren hatten die Kammern in Osnabrück und Lingen zusammen gerade einmal 1457 Mitglieder. Heute sind es knapp 60.000 Mitgliedsunternehmen - davon gehören mehr als 99 Prozent dem starken Mittelstand der Region an. Die 150-jährige IHK-Geschichte illustrierten fünf kleine Stücke des Theaters Osnabrück sehr anschaulich. Für die künstlerische Untermalung des Abends sorgte die Osnabrücker Tanzschule Hull des vierfachen Tanzweltmeisters Michael Hull.

3500 Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich bei der IHK

Schlichter lobte den Mittelstand als Konstante der IHK-Arbeit: „In unserer IHK engagieren sich über 3.500 Unternehmerinnen und Unternehmer ehrenamtlich.“ Dazu gehöre die Arbeit in den IHK-Gremien ebenso wie die Prüferinnen und Prüfer. „Ohne sie gäbe es unser breites Angebot in der Berufsausbildung, in der Fortbildung und bei den Sach- und Fachkundeprüfungen gar nicht“, erklärte Schlichter. Der geschäftsführende Gesellschafter des Baudienstleisters und Baustoffhändlers B. Schlichter in Lathen arbeitet als IHK-Präsident selbst ehrenamtlich und betonte, dass er sein Amt dazu nutzt, den Begriff und die Inhalte des ehrbaren Kaufmanns weiter zu verbreiten und sie sichtbar in den Mittelpunkt der Arbeit zu rücken.

Paragraf 1 des IHK-Gesetzes zum ehrbaren Kaufmann

Er wies darauf hin, dass die 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland sich den ehrbaren Kaufmann sogar ins Stammbuch geschrieben haben: Paragraf 1 des IHK-Gesetzes legt nämlich ausdrücklich fest, dass die IHKs „für die Wahrung von Anstand und Sitte eines ehrbaren Kaufmanns zu wirken“ haben.

Precht hofft, dass die IHK in der digitalen Revolution einen heilsamen moralischen Beitrag leistet

Auch Philosoph Precht ging in seiner 40-minütigen Festrede auf die Moral ein, die einen verantwortlichen Unternehmer nachhaltig wirtschaften lassen. Er machte es auf seine Art und wollte keine Moralpredigt halten. Ein Beispiel: „Die venezianischen und florentinischen Kaufleute geben sich die Hand und schwören beim ehrbaren Kaufmann, dass sie ihr Wort halten werden.“ Das sei in einer globalisierten, digitalisierten Welt schwierig geworden. Der ehrbare Kaufmann sei auf Kleingruppen ausgerichtet. In der heutigen digitalisierten Welt gebe es den Grundsatz, dass man sich immer mindestens zwei Mal im Leben trifft, aber kaum noch. Er prophezeite eine digitale Revolution, die sich zu kannibalisieren drohe und schloss mit den Worten: „Ich hoffe, dass die Industrie- und Handelskammer in dieser Revolution einen heilsamen moralischen Beitrag leistet.“

Weil: Große Stärke ist der Mittelstand im IHK-Bezirk

In einem Videobeitrag gratulierte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil für die erfolgreichen vergangenen 150 Jahre, stellte die große Stärke des Mittelstands im IHK-Bezirk heraus und wünschte viel Glück für die kommenden 150 Jahre. Auch Wirtschaftsminister Olaf Lies und Innenminister Boris Pistorius gratulierten und betonten, dass die IHK die große Klammer für die 60.000 Mitgliedsunternehmen bilde. Somit sei die Kammer mitverantwortlich für die starke Entwicklung der Region. Der frühere Bundesinnenminister und aktuelle Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, sieht die IHK als „wunderbaren Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft“.

IHK-Ehrenpräsident Hermann Elstermann, Alt-Verleger der Neuen Osnabrücker Zeitung, hält es für wichtig, dass die IHK sich auch gegenüber der Politik positioniert: „Nur so können wir gemeinsam Synergien heben.“

Auch IHK-Ehrenpräsident Gerd-Christian Titgemeyer, geschäftsführender Gesellschafter der Titgemeyer Holding, wünschte sich: „Die wirtschaftliche Selbstverwaltung der Unternehmen in unserer Region soll auch in den kommenden 150 Jahren so bleiben wie sie ist.“


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