Wohl kein Investor im FMO-Anflug FMO-Aufsichtsrat berät Donnerstag über Neuausrichtung

Von Wolfgang Elbers

Eine der wenigen positiven Entwicklungen: Germania verdoppelt 2017 am FMO die Verbindungen und setzt größere Maschinen ein. Foto: Jörn martensEine der wenigen positiven Entwicklungen: Germania verdoppelt 2017 am FMO die Verbindungen und setzt größere Maschinen ein. Foto: Jörn martens

Greven/Osnabrück. Am Donnerstag berät der Aufsichtsrat das Gutachten zur künftigen Neuausrichtung des auch in diesem Jahr sinkende Passagierzahlen verzeichnenden Regionalflughafens.

Der vorletzte Arbeitstag am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) ist für den mit Auslaufen des Vertrages Ende September ausscheidenden Airport-Geschäftsführer Gerd Stöwer noch einmal mit Sitzungsstress verbunden. Nach allem, was im Vorfeld aus Gesellschafterkreisen zu vernehmen ist, zeigt das rund 100-seitige Gutachten zur Zukunft des Flughafens keinen schnellen Weg auf, um den FMO aus der Verlustzone im knapp zweistelligen Millionenbereich zu bringen. Ein Investor, der am Flughafen in Greven einsteigen könnte, ist wohl nicht in Sicht. Damit dürfte auch die Perspektive für die Gesellschafter unrealistisch sein, durch eine (Teil-)Privatisierung die notwendigen Verlustabdeckungen reduzieren zu können.

Neuausrichtung schwieriger Prozess

Erfolgsversprechender scheint da, Betreiber für bestimmte Geschäftsbereiche zu finden. Allerdings ist wenig wahrscheinlich, dass diese Spezial-Dienstleister auf eigenes Risiko arbeiten. Sie dürften ihr Know-how bezahlt haben wollen.

Als wenig aussichtsreich soll im Gutachten auch die Option eingeschätzt werden, am FMO den Frachtflugverkehr auszubauen. Hier werden danach kaum Aussichten auf dauerhafte Volumen gesehen. Dagegen scheinen eher Potenziale bei der Abwicklung von Ad-hoc-Frachten zu bestehen.

Wie zu erwarten, wird sich die Neuausrichtung des Flughafens als schwieriger Prozess darstellen. Die Wachstums-Annahmen bei den Fluggästen, die stets Grundlage der unter Stöwers Regie auf den Weg gebrachten Konzepte waren, sind zuletzt beim 2014 verabschiedeten Entschuldungskonzept schon in kürzester Zeit von der Marktentwicklung überholt worden.

Um rund vier Prozent und damit knapp das Doppelte des Branchen-Durchschnitts sollten die Passagierzahlen des FMO in den kommenden Jahren jährlich wachsen. Die Realität: Statt wie vor zwei Jahren anvisiert, wieder die Marke von einer Million Fluggästen in den Blick zu bekommen, wird der FMO nach einem Minus von 8,6 Prozent im vergangenen Jahr Ende 2016 wohl bei weniger als 800000 Fluggästen landen. Das triste Bild, das sich dem FMO-Besuchern im für rund drei Millionen Fluggäste jährlich ausgelegten Terminal seit längerem bietet, wird sich so schnell nicht ändern.

Zwar hat es zuletzt durchaus einige positive Signale gegeben wie den Ausbau des Germania-Engagements. Hier hat 2017 die Verdoppelung der FMO-Verbindungen auf zehn wöchentliche Flüge und der Einsatz der nächstgrößeren Flugzeugklasse das Potenzial, dem FMO bis zu 100000 zusätzliche Fluggäste zu bescheren.

Aber der knapp 10-prozentige Einbruch des Türkei-Geschäfts , das rund ein Fünftel der FMO-Zahlen ausmacht, hat im laufenden Jahr gleichzeitig verdeutlicht, wie schwierig aktuell Prognosen sind. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Wie es mit den verbliebenen Air-Berlin-Verbindungen weitergeht, die 2008 in Greven noch mit einer Million Ein- und Ausstiege in Ferienfliegern zu Buche schlugen und heute ungefähr 120000 Passagiere ausmachen?

Startet 2017 Eurowings ab FMO?

Für einen Hoffnungsstreif am Horizont könnten da die boomenden Palma-Flüge und ein möglicher Einstieg von Eurowings am FMO sorgen. Der Lufthansa-Billigflieger wird in Kürze seine Ziele für Sommer 2017 präsentieren, und der Flughafen Münster/Osnabrück gilt als heißer Kandidat, künftig zusätzlicher Abflugort der Airline zu sein. FMO-Pressesprecher Andres Heinemann will sich zu den Branchen-Spekulationen nicht äußern, zeigt sich über in einer Hinsicht optimistisch: „Wir werden voraussichtlich 2017 ein deutlich größeres Palma-Angebot haben als in diesem Jahr.“


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