Eltern machen Druck Grundschule in Hellern soll schnellstmöglich in Container umziehen

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Diese Container stehen schon länger auf dem Schulgelände. Möglichst bald sollen alle Schüler und Lehrer in eine Containerschule auf dem Bolzplatz umziehen. Foto: Jörn MartensDiese Container stehen schon länger auf dem Schulgelände. Möglichst bald sollen alle Schüler und Lehrer in eine Containerschule auf dem Bolzplatz umziehen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Nehmen wir das Ergebnis einmal vorweg: Die Verwaltung, namentlich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, hat den Eltern der Helleraner Grundschüler am Montagabend versprochen, die gesamte Schule so schnell wie möglich in Containern unterzubringen.

Vorausgegangen war dieser Zusage eine zum Teil hitzig geführte Debatte. Gleich zu Beginn überreichte ein Vertreter der Lehrer dem Osnabrücker Oberbürgermeister ein Steckenpferd – natürlich einen Schimmel. Die doppelte Anspielung, die zum einen Bezug nahm auf den Schimmel, der große Teile der Schule befallen hat , und den Amtsschimmel, der in den Augen der Eltern eine zügige Behebung der Missstände an der Grundschule verhindert, fand lautstarken Beifall in der zum Bersten vollen Alten Kasse in Hellern.

Was dann folgte, war eine Auseinandersetzung um Schadstoffbelastungen, Ängste, Bautechnik und Planungszeiten, bei der die Vertreter der Verwaltung den Unmut der Elternschaft aushalten mussten. So stieß auf völliges Unverständnis, dass die Fachleute der Immobilienabteilung nach Ansicht der Eltern nicht präventiv handeln. Nicht nachvollziehbar ist demnach, warum nicht schon eher für Mobilklassen gesorgt wurde, wo doch spätestens nach den Sommerferien klar gewesen sei, d ass die bislang erfolgten Sanierungsmaßnahmen nicht von Erfolg gekrönt seien. Wenig Verständnis hatten die Eltern auch für die Entscheidung, Ausschüsse und Rat, die in der Frage des Neubaus das letzte Wort haben, nicht mehr tagen zu lassen und die Sitzung der Gremien auf die Zeit nach der konstituierenden Sitzung des neuen Rates zu verschieben. Eine gemeinsame Sitzung der Ausschüsse für Finanzen, Immobilien und Schule ist jetzt für den 10. November anberaumt.

„Wissen Sie eigentlich, warum wir heute nicht in der Aula sitzen?“, fragte eine Mutter, um dann gleich die Antwort zu geben. „Der Raum kann nicht bestuhlt werden, weil die Stühle Schimmel angesetzt haben.“ Nach den Worten der Eltern haben sich Schimmel und undefinierbare Gerüche nun auch in als nicht gefährdet eingestuften Räumen eingenistet. Berichtet wurde so unter anderem, dass der Schimmel von der Garderobe im Lehrerzimmer Besitz ergriffen habe.

Viele Eltern hätten bereits überlegt, die Schule zu bestreiken, so eine Mutter. „Was passiert eigentlich, wenn wir unsere Kinder morgen nicht mehr in die Schule schicken?“, wollte sie wissen. Wilfried Gillmann von der Landesschulbehörde verwies auf die allgemeine Schulpflicht, räumte aber gleichzeitig ein, dass schon Eltern bei seiner Behörde vorstellig geworden seien, um ihre Kinder in anderen Schulen unterrichten zu lassen, da sie eine Gesundheitsgefährdung für ihre Sprösslinge sahen.

Gillmann musste sich ebenso die Frage gefallen lassen, was seine Behörde denn zum Schutz ihrer Arbeitnehmer, der Lehrer, unternehme. Man habe den für den Arbeitsschutz zuständigen Mitarbeiter der Landesschulbehörde nach Hellern entsandt, so Gillmann. Schulleiterin Silvia Bielefeld bestätigte den Besuch, allerdings liege noch keine Stellungnahme der Landesschulbehörde vor. Lob und Anerkennung erhielt das Kollegium von den Eltern, die den Lehrern ihren Respekt zollten, dass sie sich tagtäglich den Belastungen in der Schule aussetzten.

Nach zähem Ringen um tatsächliche und gefühlte Belastungen in der Schule durch diverse Schadstoffe verlagerte sich die Diskussion zunehmend auf den zeitlichen Ablauf der Sanierungsmaßnahmen. Schnell wurde deutlich, dass sich die Eltern mit einer Schritt-für-Schritt-Lösung bis hin zur endgültigen Räumung in den Sommerferien 2017 nicht zufrieden geben würden. Die versammelte Elternschaft erhöhte den Druck und rang so dem OB und seinen Mitstreitern, anwesend waren unter anderen vom Immobilienmanagement der Stadt Dirk König und Ludger Rasche sowie Andrea Butke von der Schulverwaltung, die Zusage ab, das Containerdorf so schnell wie möglich zu bauen. Gleichzeitig gaben die Eltern zu verstehen, dass sie die Einhaltung dieser Zusage kritisch begleiten werden.

Die ersten Container sollen schon in den kommenden Tagen aufgestellt werden, um die zuletzt heimatlos gewordenen Klassen aufzunehmen. Für das gesamte Containerdorf bedürfe es einer Ausschreibung, erläuterte Rasche das Prozedere. Außerdem müsse ein Bauantrag gestellt, der Untergrund auf dem Bolzplatz befestigt und Ver- sowie Entsorgungsleitungen gelegt werden. Auf jeden Fall will die Stadt der von den Eltern beklagten mangelnden Transparenz entgegenwirken. Zeitnah soll fortan jeder einzelne Schritt auf der Homepage der Schule veröffentlicht werden, um die Eltern kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten, versprach OB Griesert.


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