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Nichtsnutzig, aber brauchbar Schlaraffia Ossenbrugga seit 50 Jahren im alten Steinwerk

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Osnabrück. Ein Ritter trägt Helm, aber seine Kopfbedeckung gleicht eher einer Schlumpfmütze. Und die Rüstung ließe sich despektierlich als blau-schwarzer Kittel beschreiben. Die Ritter der Schlaraffia Ossenbrugga verstehen Spaß. Seit 50 Jahren ist das Steinwerk Dielingerstraße ihre Burg. Das Jubiläum feierten sie jetzt mit kräftigem „Lulu“.

„Lulu“ steht für „hallo“, und wenn ein Ritter dem anderen zuprostet, ruft er laut „Ehe!“, wobei die Betonung auf der zweiten Silbe liegt: Die Schlaraffen haben ihre eigene Sprache und ihr eigenes Reych. Und sie ergötzen sich an den feinen Unterschieden, auch wenn sie nur geschrieben auffallen.

Dem weltweiten Männerbund gehören rund 12000 Mitglieder an. Das Osnabrücker Reych besteht aus etwa 35 Sassen – Nachwuchskräfte, also Knappen und Junker, mitgerechnet.

An den Sippungen – das sind die regelmäßigen Montagstreffen – nehmen auch Gäste aus anderen Reychen teil. Zur Jubiläumssippung im 800 Jahre alten Steinwerk kamen Ritter der Mimegarda (Münster) und der Ravensbergia (Bielefeld), die bei ihrem Einritt durchs Spalier mit fröhlichem Geklapper der Holzschwerter empfangen wurden.

Auch profane Gäste – die Pilger – waren geladen, zum Beispiel Bürgermeister Burkhard Jasper. Als Vertreter der Stadt fiel ihm im alten Steinwerk die Rolle des Vermieters zu. Den Verkehrsverein Stadt und Land Osnabrück vertraten Alt-Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip und Gerrit Nüßmeier.

Hartmut Barkey, als Ritter Wo-Mo-Fix einer der drei Oberschlaraffen, erklärte den Pilgern, was die 1859 in Prag gegründete Vereinigung im Schilde führt: „Die Sitten der feinen Gesellschaft zu persiflieren“, getreu der Losung „in arte voluptas“ – in der Kunst liegt Vergnügen. „Wir nehmen uns nicht besonders ernst“, beteuerte Ritter Wo-Mo-Fix. Die Vereinigung biete jedem Mitglied Gelegenheit, das Kind im Manne auszuleben.

Über die Kirche und die Politik machen die Schlaraffen keine Witze. Stattdessen nehmen sie sich gegenseitig auf die Schippe. Wenn sich zwei Ritter unterhalten, klingt das so: „Er nehme alles an außer Vernunft.“ Endet ein Redebeitrag, kommentiert ihn der unfehlbare Oberschlaraffe auf dem Thron mit offenkundig widersprüchlichen Wortklaubereien: „Es waren nichtsnutzige Worte, die für uns alle brauchbar waren.“

Zum Singen erheben sich die Männer, schmettern stimmgewaltig ihre Lieder und hauen auf die Tische. In gespielter Vereinsmeierei fasst Ritter Zitatix anschließend das Geschehene zusammen und bringt es auf die Formel: „Die Sassen sangen sehr strophig!“

Der fungierende Oberschlaraffe gebietet den Männern, ihre Plätze einzunehmen: „Das Reych werde wieder sesshaft!“

In der Jubiläumssippung ging es natürlich um die Haseburg oder Widukindveste, den Vereinssitz der Osnabrücker Spaßmacher im alten Steinwerk. Ritter Scot-Ing von der Münsterschen Mimegarda, im bürgerlichen Beruf Bauingenieur, pries die Vorzüge der Burg mit den Worten: „Das Gebäude ist nur noch mit den Pyramiden von Gizeh zu vergleichen.“ Da gab es natürlich ein kräftiges „Lulu“ aus der Runde, aber dem diensthabenden Oberschlaraffen reichte das nicht: „Jetzt untertreibt er aber!“, lautete sein Kommentar.


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