Ortsmarke am Herrenteichswall Osnabrück hat jetzt einen geografischen Mittelpunkt



Osnabrück. Osnabrück hat jetzt einen richtigen Mittelpunkt: Er befindet sich am Herrenteichswall und ist mit einer roten Kugel auf einem kleinen Betonsockel markiert. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert eröffnete die neue Touristenattraktion am Freitag.

52°16‘39‘‘ nördlicher Breite, 8°02‘51‘‘ östlicher Länge – so lauten die Koordinaten des geografischen Zentrums, das demnächst zum festen Bestandteil von Stadtführungen werden dürfte. Wer Osnabrücks neuen Mittelpunkt aufsuchen will, geht am besten zum Carolinum und überquert die Hase am Conrad-Bäumer-Weg. An der Brücke weist eine Edelstahltafel auf das eher unscheinbare zentrale Element hin. Es befindet sich 15 Meter entfernt in südöstlicher Richtung an der Böschung des Herrenteichwalls.

Auf der Zirkelspitze

Gerrit Nüssmeier war die treibende Kraft für die Kennzeichnung der mathematisch ermittelten Position. Der frühere Geschäftsführer des Verkehrsvereins Stadt und Land Osnabrück (VVO) musste allerdings etliche Jahre warten, bis seine Idee verwirklicht wurde. Jetzt hat sein Nachfolger Rüdiger Kuhlmann die Sache in die Hand genommen und Ralf Reizer vom gleichnamigen Metallbaubetrieb für die technische Ausführung gewonnen. Zur Enthüllung der denkwürdigen Ortsmarke kam Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und stellte jenseits aller geozentrischen Formeln die kühne These auf, der Bedeutungsmittelpunkt Osnabrücks sei immer noch Friedenssaal.

Nun gibt es verschiedene Methoden, einen geografischen Mittelpunkt zu berechnen. Das war schon am 29. Dezember 2001 in einer Reportage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ nachzulesen. Gerhard Heit, als Spezialist für Geodaten damals Mitarbeiter im Fachbereich Städtebau, ließ sich auf die Bitte unserer Redaktion ein und ermittelte den Flächenschwerpunkt für das Stadtgebiet. Dabei wird ein Stadtplan auf einen Karton geklebt, ausgeschnitten und auf einer Zirkelspitze ausbalanciert. Am Ende markiert der Einstich den Mittelpunkt.

Schwerpunkt verschoben

Heit hat damals nicht nur mit Schere und Klebestift hantiert, sondern auch mit dem Computer nachgerechnet. Auf der Basis ungezählter Koordinaten fand er den virtuellen Flächenschwerpunkt heraus – am Carolinum, dort, wo der Conrad-Bäumer-Weg über die Hase führt. Merkwürdig nur, dass Osnabrücks geografischer Mittelpunkt 15 Jahre später auf der anderen Seite der Hase zu finden ist. Vielleicht, weil sich die Erdachse verschoben hat oder die Magnetfelder gewandert sind?

Keineswegs, sagt Gerhard Heit, der seit Anfang dieses Jahres im Ruhestand ist, das Katasteramt hat nur die Datenbasis vergrößert und einen anderen Kartenmaßstab verwendet. Der Stadtrand besteht nun mal aus vielen Zacken, da kann eine kleinere oder größere Skalierung schon den Schwerpunkt verschieben.

In Beton gegossen

Sollte sich ein Kartograf nun herausgefordert fühlen, einen Super-Computer mit noch mehr Koordinaten zu füttern und einen weiteren Mittelpunkt berechnen, wird er jedoch ins Leere laufen. Osnabrücks geografisches Zentrum ist jetzt in Beton gegossen. Daran wird nicht mehr gerüttelt.


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