zuletzt aktualisiert vor

Talent-Show floppt Nichts los beim DSDS-Casting in Osnabrück

Von Louisa Riepe


Osnabrück. Albtraum für Dieter Bohlen: Der Hype um seine Castingshow DSDS ist wohl endgültig verflogen – so scheint es zumindest beim Casting in Osnabrück. Der Termin war kurzfristig als Ergänzung zur geplanten Route der DSDS-Trucks anberaumt worden. Gelohnt hat es sich nicht: In der ersten Stunde kamen nur zwei Bewerber, um sich den Juroren vorzustellen.

Ob die Sicherheitsmänner von RTL immer so viel Zeit für ihr Pausenbrot haben? Eigentlich sollen sie beim DSDS-Casting auf dem Osnabrücker Bahnhofsvorplatz die Massen der Kandidaten abfertigen, Teilnehmer registrieren, Start-Nummern vergeben. Aber an diesem Freitagnachmittag gönnen sie sich genüsslich ein Sandwich vom nahen Bäcker und ein ausgedehntes Sonnenbad. Kandidaten sind keine zu sehen. (Lesen Sie weiter: So verzweifelt ist Dieter Bohlen )

Wenig Teilnehmer, entspannte Sicherheitsleute

Das offene Casting ist für angehende Superstars der erste Schritt in die Show. Ohne Anmeldung können sich die Bewerber ganz spontan einer zweiköpfigen Jury stellen. Nur wer das schafft und auch noch eine weitere Runde übersteht, darf anschließend vor der Jury um Dieter Bohlen singen. Eine Aussicht, die anscheinend nicht allzu verlockend ist:

In der ersten Stunde des Castings stellen sich nur zwei Kandidaten der Jury. Direkt um 14 Uhr ist Stephan Heinicke aus Melle der Erste, der die Sicherheitsmänner vom Mittagessen abhält. Registriert und mit der Nummer 4263 auf der Brust darf er schließlich mit der Gitarre in der Hand in einen der Trucks steigen. Wenig später dringen die ersten Töne nach Außen: Der Siebzigerjahre-Hit „Don‘t stop me now“ von Queen. „Ich finde den Song gut, aber er ist nicht ganz einfach zu singen“, wird Heinicke später sagen. „Ich habe das Stück ausgesucht, um so ein bisschen aus der Masse heraus zu stechen.“ Ob die Taktik aufgeht? Zunächst muss Heinicke warten. Die Jury berät sich allein. (Promi Big Brother: Medienaufsicht moniert „unschönes“ Zuhälter-Bild)

„Osnabrück hat keine Talente mehr.“

Wie Heinicke die Gitarre nimmt, aus dem Truck steigt und sich unter dem blauen DSDS-Schirm auf einen Stuhl setzt – die Freundinnen Wiebke Skibba und Laura Wilhelm beobachten es genau. Auch von der anderen Seite des Absperrbandes lässt sich der Ablauf des Casting gut verfolgen, schließlich ist Heinicke ganz allein im Wartebereich. Die Leere fällt auch den Freundinnen auf: „Osnabrück hat keine Talente mehr“, scherzt Skibba. Die 20-Jährige ist eigentlich ein DSDS-Fan und schaut sich besonders die Castings gerne im Fernsehen an. Selbst mitmachen würde sie allerdings nie. Und auch das Zuschauen wird ihr schnell zu langweilig. Nach wenigen Minuten steigt sie in den Bus Richtung Wallenhorst.

Inzwischen hat sich ein zweiter Kandidat an den Sicherheitsmännern vorbei getraut. Maik Drewel aus Osnabrück will die Juroren mit Schlagermusik überzeugen. „Ich schreibe seit sechs Jahren selbst Songs“, sagt der 38-Jährige. Bei DSDS geht es ihm vor allem um eins: Entdeckt zu werden: „In der Musikbranche kann man einen Haufen Geld verdienen.“ Deshalb ist er auch schon zum zweiten Mal beim Casting. Im vergangenen Jahr hat die Stimme nicht ausgereicht, um eine Runde weiter zu kommen. Und auch dieses Mal ist Drewel schnell wieder zurück aus dem Truck: Die Jury hat ihm geraten, lieber beim Schreiben von Songtexten zu bleiben. Enttäuscht ist er deshalb nicht, im Gegenteil: „Ich werde es im nächsten Jahr einfach noch mal probieren.“

DSDS und das Märchen vom Ruhm

Andere Zuschauer glauben längst nicht mehr an das Märchen vom schnellen Ruhm, das die Castingshows Jahr für Jahr erzählen. Auch Andreas Steinhauer ist noch unschlüssig, ob er den Castingbogen ausfüllen und sich der Jury stellen soll. „Ich will mich ja nicht zur Witzfigur der Nation machen“, sagt der Osnabrücker. Aber der 18-Jährige träumt von einem Job in der Filmindustrie und ist sich sicher, dass ein bisschen Bekanntheit da nicht schaden kann. Sein Kumpel Kai ist skeptischer. „Die Kandidaten werden von RTL doch nur verarscht“, meint er. „Die Leute haben gemerkt, dass die Show nicht seriös rüber kommt. Deshalb ist heute auch niemand hier.“

Stephan Heinicke ist nicht zum Casting gegangen, um berühmt zu werden. In seiner Freizeit steht er als Frontmann einer Coverband auf der Bühne, das reicht ihm. „Ich fänd es ganz interessant, mal die Jury um Dieter Bohlen kennenzulernen“, sagt der 46 Jährige. Als er schließlich den DSDS-Truck verlässt und seine Startnummer wieder abgibt, wirkt er gelöst. „Wenn ich noch mal reingehen müsste, würde ich zwar einiges anders machen. Aber ich bin ganz optimistisch, dass es weitergeht.“ Weiter geht es auch für die Sicherheitsmänner der Produktionsfirma. Bis 20 Uhr stehen sie am Freitag auf dem Osnabrücker Bahnhofsvorplatz. Drei weitere Termine sollen noch folgen. (Lesen Sie hier: Elif Batman würde nie wieder bei DSDS mitmachen )