BBK Kunst-Quartier Rosige Idylle? Manfred Heinzes „#237“


Osnabrück. Es ist seine 237. Ausstellung und er bleibt seinen Zellstrukturen treu: der in Osnabrück lebende Künstler Manfred Heinze. Zur Ausstellung „#237“ im BBK Kunst-Quartier veröffentlicht er das Buch „Onomatopoesia Ahh“.

Es ist geradezu gemütlich im Kunstquartier. Geblümter Stoff an der Wand, Blümchen auf einem Tischchen, Rosenblätter auf dem Fußboden. Doch die Idylle täuscht. Die Blümchen sind verwelkt oder aus Eisen und die Blütenblätter aus Kunststoff. Auch der Rosenduft, der schwer in der Luft hängt, ist synthetisch. So liefert Manfred Heinze, der Künstler, der die aktuelle Ausstellung „#237“ im BBK Kunst-Quartier konzipierte, mit seiner Raumgestaltung einen ironischen, ja sarkastischen Kommentar zu piefiger Wohnzimmeridylle und floralem Raumausstatter-Design.

Ironische Raumgestaltung

„Ich wollte unbedingt einen Stoff mit Rosendessin verwenden“, sagt Heinze. Also kaufte er einen ganzen Ballen Dekostoff mit den größten aufgedruckten Rosen, die er bekommen konnte. Obgleich das altbackene Muster beim Betreten der Galerie sofort ins Auge fällt: Heinzes Intention geht über die ironische Raumgestaltung hinaus. Denn eigentlich will er ja die aktuellste Version seiner Zellen präsentieren. Die amöbenhaften Gebilde, die bisweilen auch an Pantoffeltierchen erinnern, dominieren Heinzes Kunst seit 40 Jahren. Stetig verändern sie ihre Struktur: Mal sind sie zackig, mal rundlich, mal beschreiben sie geometrische Formen. Mal sind sie klein, mal groß, oft einfarbig, bisweilen haben sie eine Umrisslinie, mal dehnen sie sich hemmungslos auf der Leinwand aus. Und diesmal findet man sie halt auf Dekostoff gemalt.

Die Autorität des Kunstwerks

Um sich von herkömmlicher Malerei zu distanzieren, hat Heinze auch darauf verzichtet, seine Bilder (oder sind es Objekte?) zu rahmen. Einfach an die Wand genagelt werfen die großen Stoffbahnen Falten, bewegen sich bei Berührung oder im Windzug. „Das vereinfacht den Transport ungemein“, sagt der Künstler. Er faltet und knüllt seine Werke ohne Rücksicht auf brechende Farbschichten oder sich lösende Applikationen einfach zusammen und unterminiert damit die Autorität des Kunstwerks.

Umfassende Buch zur Schau

Übrigens haben die Zellmotive in Heinzes Malerei trotz naheliegender Assoziationen keinen biologischen Hintergrund. Es war ganz lapidar ein Terrassenbelag aus Naturstein, der ihn zu seiner jahrzehntelangen künstlerischen Fixierung determinierte. Wer mehr über die Motivation und das Werk Manfred Heinzes erfahren will, kann sein 432 Seiten umfassendes Buch „Onomatopoesia Ahh“ erwerben, das zu Ausstellung erschienen ist.


BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „#237“. Malerei, Collagen und Objekte von Manfred Heinze. Bis 29. Oktober. Di.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Das Buch „Onomatopoesia Ahh“ kostet 29,90 Euro.

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