Verfemter Künstler Expressionist Fritz Ascher im Felix-Nussbaum-Haus

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Er überlebte den Naziterror, weil er sich drei Jahre in einem Berliner Keller versteckt hielt und nicht entdeckt wurde: der Expressionist Fritz Ascher. Das Felix-Nussbaum-Haus widmet dem Künstler in der Reihe „Verfemte Kunst“ eine umfangreiche Retrospektive.

Die Zeit des Dritten Reiches hinterließ tiefe Spuren bei Fritz Ascher . Widmete er sich vor dem Krieg in seiner Malerei hauptsächlich der menschlichen Figur, so malte er nach 1945 überwiegend Landschaften und Naturbilder. „Darum haben wir die Ausstellung in drei Segmente aufgeteilt“, erklärt Anne Sibylle Schwetter, die die Ausstellung zusammen mit Rachel Stern von der Fritz Ascher Society kuratierte.

Im ersten Segment sind die expressiven, oft allegorisch geprägten Bilder zu sehen, die Ascher malte, bevor er von den Nationalsozialisten als „entartet“ klassifiziert wurde. In einem weiteren Raum befinden sich keine Bilder, weil Ascher während seiner Zeit im Kellerversteck nicht malte, sondern Gedichte schrieb. Eine Auswahl seiner Lyrik ist hier zu entdecken, unter anderem das Gedicht, dem der Titel der Ausstellung entnommen wurde: „Leben ist Glühn“. Im großen Kuppelsaal werden die Gemälde gezeigt, mit denen Ascher sich, tief getroffen von den Erfahrungen während der Nazizeit, vom Menschen abwandte. Stattdessen malte er Sonne, Mond, Bäume und Landschaften, Impressionen, die er während langer Spaziergänge durch den Berliner Grunewald sammelte.

Umfassende Retrospektive

„Es ist die erste umfassende Retrospektive, die sich dem Werk Aschers widmet und ich bin froh, dass wir sie im Felix-Nussbaum-Haus zeigen können“, sagt Rachel Stern. Mit der Ausstellung, die später in anderen deutschen Häusern gezeigt wird und dann in die USA wandert, erfülle sie sich einen 30-jährigen Traum. In den 80er Jahren war sie erstmals auf den Berliner Künstler aufmerksam gemacht worden, von dem viele Werke durch die Nazis zerstört wurden. Seither befindet sie sich auf einer, wie sie sagt, „spannenden Entdeckungsreise“. Später gründete sie die „Fritz Ascher Society for persecuted, ostracised and banned art“ mit Sitz in New York.

70 Ölgemälde, Zeichnungen und Grafiken trugen die Kuratorinnen zusammen, um einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk des Künstlers zu gewährleisten, der aus einer jüdischen Familie stammte, aber mit acht Jahren evangelisch getauft wurde.

Wieder Malerei nach dem Krieg

Das Felix-Nussbaum-Haus eignet sich hervorragend für diese Sonderausstellungen in der Reihe „Verfemte Kunst“, weil es Parallelen, aber auch große Unterschiede in den Biografien der beiden Künstler gibt“, sagte Patricia Mersinger , Leiterin des Fachbereichs Kultur der Stadt Osnabrück, anlässlich der Vorstellung der Retrospektive. Der größte Unterschied sei die Tatsache, dass Nussbaums Hauptwerk während seines Exils entstand und dass er im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Ascher dagegen konnte sich nach dem Krieg wieder der Malerei widmen. So nahm er sich beispielsweise Arbeiten vor, die er vor 1933 begonnen hatte und die nicht zerstört wurden. Beispielsweise vollendete er einen „Bajazzo“ und ein Porträt des Komponisten Ludwig van Beethoven, beides offenbar bevorzugte Motive des Künstlers.


Felix-Nussbaum-Haus: „Leben ist Glühn“. Der Expressionist Fritz Ascher. Sonntag, 25. September (Eröffnung um 11.30 Uhr) bis 15. Januar, Di.-Fr. 11-18 Uhr, 1. Do. im Monat 11-20 Uhr, Sa. und So. 10-18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen: 39,80 Euro.

0 Kommentare