Schulgeschichte seit 1833 Möser-Realschule in Osnabrück übergibt Archiv

Schulleiter Markus Gerling übergibt historische Unterlagen der Möser-Realschule an Mirella Libera (links) und Birgit Kehne das Stadtarchiv Osnabrück. Foto: Egmont SeilerSchulleiter Markus Gerling übergibt historische Unterlagen der Möser-Realschule an Mirella Libera (links) und Birgit Kehne das Stadtarchiv Osnabrück. Foto: Egmont Seiler

stwi Osnabrück. Markus Gerling, Leiter der Möser-Realschule am Westerberg, übergab das Archiv seiner Schule mit Dokumenten, Bildern und Urkunden aus 180 Jahren Schulgeschichte an das Stadtarchiv Osnabrück. Die Unterlagen werden in die dortige Datenbank aufgenommen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

1833 wurde die Möser-Realschule in Osnabrück gegründet. „Sie war die Bürgerschule der Stadt“, sagte Schulleiter Markus Gerling mit besonderer Betonung auf dem „die“. Am Freitag übergab Gerling Unterlagen, die 180 Jahre Schulgeschichte dokumentieren, stellvertretend an Mirella Libera, Archivarin des Stadtarchives Osnabrück und Birgit Kehne, die Leiterin des Niedersächsischen Landesarchives in dessen Räumen auch das Stadtarchiv untergebracht ist. „Sie ergänzen die bestehenden Unterlagen auf ganz hervorragende Weise“, lobte Libera. Eine umfangreiche Dokumentation gibt es zum Beispiel schon vom Ratsgymnasium, nicht aber von einer Schule ohne gymnasiale Oberstufe mit einer so langen Tradition. „Wir können nicht jede Schule dokumentieren“, erklärte Kehne, „wir wählen besondere aus.“

Bürgerschule, Weber‘sche Schule, Möser-Mittelschule und schließlich Möser-Realschule am Westerberg: Die Schule zog im Laufe der Jahrhunderte immer wieder um und erfuhr zahlreiche Namensänderungen. Das Archiv wurde zum Glück stets gut verwahrt und erweitert. Nach Antritt der Schulleiter-Stelle sei er durch die Räume des Schulgebäudes gegangen „und das habe ich gefunden“, sagte Markus Gerling. Den historischen Schatz wollte er dann zur sicheren Verwahrung an das Archiv übergeben. Dort werden die alten Dokumente in säurefreien Kisten und Mappen gelagert. „Ich bin froh, dass das Archiv in gute Hände kommt“, so Gerling.

Die dokumentierte Geschichte beginnt mit der Gründung der Schule im Jahr 1833 und endet vorerst 2012 mit den Schriften des letzten Schulleiters, Fritz-Heinz Ringling. Spannende Lektüre versprechen vor allem die Chroniken der Schulleiter. Jeweils zu Beginn und zum Ende des Schuljahres wurden darin nicht nur Schulereignisse festgehalten, sondern auch ein Stück Geschichte, wie ein Eintrag von Ostern 1933 zeigt. Da schreibt der damalige Schulleiter, wie „das gesamte Schulleben unter dem Eindruck“ einer „gewaltigen Umwälzung und Erhebung“ stehe. Eine Akte „Schulfahne“ gibt über den Wunsch des Schulleiters in der Weimarer Zeit Auskunft, dem nationalen Stolz mit Fahnenabenden und Gedichten Ausdruck zu verleihen. In einer Kladde finden sich lose Zettel, zum Beispiel Entschuldigungsschreiben, handgeschrieben auf vergilbtem Papier. Eine Mutter bittet hier offiziell darum, ihren Sohn Walter „vom französischen Unterricht“ zu befreien; er werde Schriftsetzer, da sei Französisch nicht notwendig. Andere Papierzettelchen geben Auskunft darüber, ob einzelne Schüler am „Baden“ teilnehmen dürfen oder nicht. „In den Zwanzigern mussten die Kinder Kohle mitbringen, damit geheizt wurde“, erzählte Gerling. Auch das wurde schriftlich festgehalten.

Listen mit gezahltem Schulgeld, Schülernamen und Protokolle von Lehrerkonferenzen hat der Schulleiter mitgebracht. Um Nachschub müssen sich die Historiker der Zukunft keine Sorgen machen. Im Archiv finden sich die ersten, handgeschriebenen Chroniken, die später mit Schreibmaschine und schließlich auf dem Computer geschrieben wurden. Heute brauche man keine Chronik mehr zu führen, erklärte Schulleiter Markus Gerling. „Aber etwas in der Art machen wir auch.“ Weniger Prosa, eher pragmatisch, sagte er. Was seine Vorgänger in 180 Jahren für wichtig hielten, können die Bürger nun im Landesarchiv nachlesen. Und wer sich mit der Geschichte der Schulen in der Region beschäftige, „der kommt da nicht mehr drumherum“, sagte Mirella Libera.


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