„Staatliche Ingenieurschule“ Die Keimzelle des Hochschulstandorts Osnabrück

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Osnabrück. Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 23. September 1966, wurde die „Staatliche Ingenieurschule“ an der Albrechtstraße auf dem Osnabrücker Westerberg eingeweiht. Sie gilt als Keimzelle des Hochschulstandorts Osnabrück.

Das „Wirtschaftswunder“ der 1950er-Jahre hatte auch die Industriebetriebe in Osnabrück schnell zu alter Vorkriegsgröße und darüber hinaus wachsen lassen. Niedersachsens Ingenieurschulen in Hannover und Wolfenbüttel konnten den Bedarf nicht decken. Eine dritte Schule musste her. OKD, Klöckner, Karmann, Hagedorn, NIKE, Dampfkessel Meyer – sie und andere brauchten dringend Ingenieure. In anderen niedersächsischen Städten sah es nicht anders aus. Die Osnabrücker CDU-Landtagsabgeordnete Carla Woldering kämpfte wie eine Löwin für Osnabrück als Standort einer Ingenieurschule: Lange vor der Gründung von Universität und Fachhochschule konnte die Stadt eine Einrichtung des tertiären Bildungssektors gut gebrauchen.

Es klappte, die Bewerbung der Hasestadt setzte sich gegen vier Mitbewerber durch. Für Osnabrück sprach die von Anfang an signalisierte große Kooperationsbereitschaft der Industrie und der Umstand, dass jetzt der westliche Landesteil zum Zuge kommen sollte.

Die Stadt überließ dem Land dafür „freudig“, wie Oberstadtdirektor Joachim Fischer betonte, gratis ein 4,5 Hektar großes Grundstück am Nordhang des Westerbergs zwischen Albrecht- und Barbarastraße. Auch die Osnabrücker Wirtschaft engagierte sich finanziell. Im Oktober 1961 war Baubeginn.

Provisorischer Start

Der stufenweise Aufbau des Schulbetriebs von Semester zu Semester bis zur geplanten Nennstärke von 600 Studierenden brauchte Zeit. Zeit, die man nicht hatte. Deshalb fiel bereits am 1. März 1962 der Startschuss für den Lehrbetrieb eines ersten Semesters mit 70 Studierenden, die provisorisch einige Räume in der Städtischen Berufsschule an der Natruper Straße zugewiesen bekamen – auch das war Bestandteil des Deals, mit dem Osnabrück den Zuschlag ergattert hatte.

Eine große Sorge des Schulleiters, Baudirektor Dr.-Ing. Karl Kramer, war in dieser Zeit, Dozenten zu gewinnen. Die Industrie zahlte nämlich besser als der Staat. Zehn hatte er, 40 sollten es im Vollausbau werden. Auf der anderen Seite standen die Studierwilligen Schlange: Zum Sommersemester 1963 wurden im Wege einer „Ausleseprüfung“ 56 von 240 Bewerbern für die angebotenen Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik angenommen. Der typische Werdegang eines Bewerbers war: Mittlere Reife, dann ein zweijähriges Praktikum oder eine dreijährige Lehre, bevor das sechssemestrige Studium begann.

Schwierige Geländeverhältnisse

Die Geländeverhältnisse am Westerberg stellten die Planer vor einige Schwierigkeiten. Von der Südostecke fällt das Areal um 16 Meter bis zur Nordwestecke hin ab. „Der Höhenunterschied verhindert eine weiträumige ebenerdige Entwicklung der Gesamtanlage“, wie es in einer Baubeschreibung heißt. Die „stapelbaren Bereiche“ wie Klassenräume und Zeichensäle mussten daher in die Höhe wachsen, was mit den schweren Maschinen im Bauteil D nicht gut ging. Den fünfgeschossigen Bauteil A stellten die Architekten senkrecht zum Hang und zur Kammlinie des Westerbergs, „um eine Abriegelung des Ausblicks vom Westerberg nach Norden zum Piesberg zu vermeiden“.

Weiterlesen: Architektur in Osnabrück – Ingenieurschule Osnabrück in der Albrechtstraße

Am 25. September 1963 feierte man Richtfest. Unter den Klängen des Chorals „Nun danket alle Gott“ hissten die Zimmerleute den Richtkranz auf das hölzerne Dach der Aula. Der mit 18,4 Millionen DM bis dahin teuerste Hochbau, den Osnabrück je erlebt hatte, schritt seiner Vollendung entgegen. Im Mai 1964 gingen die ersten vier Vorlesungsräume im Bauteil C in Nutzung.

Einweihung am 23. September 1966

Am 23. September 1966 weiht Kultusminister Richard Langeheine den Gesamtkomplex feierlich ein. Schulleiter Kramer erhält den symbolischen Schlüssel, das Niedersächsische Symphonieorchester spielt, und Bürgermeister Ferdinand Erpenbeck verkündet: „So fest, wie diese Schule auf dem Felsengestein des Westerberges steht, so fest ist sie bereits jetzt mit Osnabrück und den Menschen in dieser Stadt verbunden.“

Im Bildungswesen bleiben Reformen bekanntlich nicht lange aus. 1971 geht die Ingenieurakademie, wie sie seit 1968 heißt, in der neu gegründeten Fachhochschule Osnabrück auf. Ihr neuer Name: Fakultät für Ingenieurwissenschaften. 2010 ändert auch die FH selbst ihren Namen und heißt seitdem Hochschule Osnabrück.


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