Deutsche Bratwurst aus Polen Fest der Kulturen ist fest in Osnabrück verankert

Von Thomas Wübker


Osnabrück. Das Fest der Kulturen fand am Sonntag auf dem Marktplatz zum 16. Mal statt. Es gibt viele Gesichter, die seit Jahren vertraut sind, die immer wieder auf dem Fest vertreten sind. Im Laufe der Jahre verschwimmen die Kulturen immer mehr ineinander.

Eine polnische Sängerin, die Ben E. Kings afro-amerikanischen Soul-Klassiker „Stand by me“ singt, eine südamerikanische Capoeira-Gruppe, die zu europäischer Techno-Musik tanzt und ein Vietnamese, der gerne deutsche Bratwurst isst und sich dafür am Stand des polnischen Vereins Patria e. V. bedient: Längst ist aus dem „Internationalen Begegnungsfest“, wie das Fest der Kulturen noch vor über 16 Jahren genannt wurde, ein Mix der Kulturen geworden.

Im Alltag angekommen

„Der Ursprungsgedanke ist immer noch präsent, es geht um Begegnung und Austausch und darum, anderen Nationen gegenüber offen zu sein“, sagt Monika Mittenzwei vom Büro für Friedenskultur, das das Fest der Kulturen seit Jahren organisiert. Das Miteinander der Kulturen und die Offenheit gegenüber anderen Nationen sei zwar mittlerweile im Alltag angekommen. „Aber beim Fest der Kulturen steht der Spaß im Vordergrund“, sagt sie.

Die zehnjährige Vivien Campos ist zum zweiten Mal dabei. Die Tochter einer Polin und eines Spaniers tanzt mit dem Verein Patria polnische Volkstänze. Einige ihrer polnischen, russischen, deutschen, vietnamesischen und portugiesischen Freundinnen mischten sich unter das große Publikum vor der Bühne. Nur beim Essen ist sie ganz Mamas Tochter. Vivien mag am liebsten Pierogi. Das sind polnische Teigtaschen mit Fleischfüllung.

So wie für Vivien ist das Fest der Kulturen auch für den Brasilianer Alex Nascimento eine Gelegenheit, sich einmal im Jahr einer großen Öffentlichkeit zu zeigen. Der Capoeira-Lehrer sagt, dass er glücklich darüber sei, dass viele Leute seine Arbeit gesehen hätten. Vor allem freue er sich für die Kinder in seiner Gruppe: „Für sie hat das eine viel größere Bedeutung.“ Nascimento nutzt die Gelegenheit beim Auftritt auf der großen Bühne auch, um auf seine Capoeira-Schule an der Eisenbahnstraße aufmerksam zu machen.

Auch zum Geldverdienen

Dass das Fest der Kulturen eine Gelegenheit ist, um Geld zu verdienen, gibt Sawana Traoré unumwunden zu. „Es ist aber nicht nur das. Es macht auch Spaß“, sagt die Frau aus Togo, die seit 1992 in Osnabrück lebt. Sie ist vor allem bei Mädchen beliebt, denn Sawana Traoré flechtet seit Jahren bunte Zöpfe auf dem Fest der Kulturen. Dort hat sie Flüchtlinge aus Eritrea, aber auch Russen und Polen kennen gelernt, erzählt sie.

Spaß hat auch San Nguyen auf dem Marktplatz. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum er mit seinem vietnamesischen Verein auf dem Fest der Kulturen vertreten ist. „Wir wollen zeigen, dass wir hier arbeiten und leben.“ San Nguyen lebt seit 1991 in Osnabrück. Deutschland ist für ihn aus kulinarischer Sicht vor allem Bratwurst. Ein Grill mit dem typisch deutschen Gericht gibt es beim Fest der Kulturen aber nicht. Macht nichts, meint Nguyen. Krakauer sind auch lecker.


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