„50 aus Idomeni“ Osnabrücker suchen nach Lösungen für Flüchtlinge

Die Ärzte Bita und Khalil Kermani berichteten über ihre Hilfseinsätze in Flüchtlingslagern in Griechenland. Foto: Elvira PartonDie Ärzte Bita und Khalil Kermani berichteten über ihre Hilfseinsätze in Flüchtlingslagern in Griechenland. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Rund 330 Interessierte haben in der Osnabrücker Schlossaula einen Informations- und Diskussionsabend mit Schutzsuchenden, Helfern und Bundestagsabgeordneten zur Flüchtlingsthematik verfolgt. Eingeladen hatten die Initiative „50 aus Idomeni“ und das Uni-Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (IMIS).

Zu Beginn berichteten Raghad Rad und Ibrahim Ramadan über die schlechte Situation ihrer Verwandten, die derzeit in Griechenland und Mazedonien festsitzen. Das bestätigten Bita und Khalil Kermani, ein Ärzteehepaar aus Köln, das von seiner jüngsten Reise nach Griechenland erzählte. Dort versorgen die Mediziner seit einem Jahr in ihrer Freizeit Flüchtlinge. Sie schilderten den Alltag in den von ihnen besuchten Camps und die schlechten Bedingungen, unter denen die Schutzsuchenden dort leiden.

Weitere Fakten zur Lage der Flüchtlinge referierte die Migrationsforscherin Helen Schwenken: Hunderttausende Menschen sind demnach schutzberechtigt, sitzen aber in Griechenland und auf der inzwischen geschlossenen Balkanroute fest. Die Frage, wie diesen Menschen zu ihrem Recht verholfen werden könne, sei noch immer ungeklärt. Die Asylpolitik der EU müsse als gescheitert angesehen werden, bilanzierte die IMIS-Professorin. Lediglich ein Zugeständnis an Italien und Griechenland, den Hauptanlaufländern für Schutzsuchende, sei bislang gemacht worden: Die Mehrzahl der EU-Staaten habe sich zur Teilnahme am sogenannten „Relocation“-Programm verpflichtet. Doch bislang seien nur sehr wenige Flüchtlinge im Rahmen dieser Vereinbarung in einen anderen EU-Staat verlegt worden, wusste Renate Vestner-Heise, Sprecherin der Idomeni-Initiative, zu berichten.

(Weiterlesen: Hilfe für Menschen in Idomeni – Initiative will 50 Flüchtlinge nach Osnabrück holen)

Das „Relocation“-Programm sei effektiv erst vor fünf Monaten angelaufen, sagte der Osnabrücker CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg. Das liege daran, dass die Balkanroute geschlossen sei und sich danach die Lager in Griechenland gefüllt hätten. „Relocation“ klappe deshalb nicht, „weil es keine europäische Flüchtlingspolitik gibt“, bilanzierte Katja Keul (Nienburg), Bundestagsabgeordnete der Grünen. Ihr Osnabrücker SPD-Kollege Rainer Spiering kündigte an, den Plan der Initiative, 50 Flüchtlinge aus Idomeni in Osnabrück aufzunehmen, direkt mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu besprechen. Der sei aber gar nicht zuständig, sondern das Bundeskanzleramt und das Innenministerium, beschied ihm Initiativen-Sprecherin Vestner-Heise.

Ein Fazit des Abends: Die Menschen, die noch immer auf der Flucht sind, sind zunehmend verzweifelt – und auch die, die gerne helfen wollen und dafür nach politischen und administrativen Wegen suchen, haben derzeit nur wenig Grund zur Hoffnung.


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