Künstler thematisieren „Zeit“ „Time Capsule“ im Kunstraum an der Hasestraße in Osnabrück

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Osnabrück. Totschlagen, einkapseln oder sinnvoll nutzen? Hase 29 zeigt sehr unterschiedliche künstlerische Positionen zum kulturellen Schwerpunktthema der Stadt Osnabrück: „Zeit“.

Irgendetwas stimmt da nicht. Abgesehen davon, dass der Raum von einem lauten, ratternden Geräusch erfüllt ist. Eine Uhr hängt an der Wand und irritiert. Der Sekundenzeiger. Er rast. Wer sich die Mühe macht und die merkwürdige Uhr mit einem „normalen“ Zeiteisen vergleicht, stellt fest, dass dieses Exemplar mindestens zehnmal schneller läuft. Satomi Edo hat einen Motor an diese Wanduhr gebaut, der für die enorme Beschleunigung sorgt. Und auch für den Lärm. Es könnte ein metaphorischer Vergleich zu den verschiedenen Lebensentwürfen in der Heimat des gebürtigen Japaners sein. Hier die Ruhe und Kontemplation, die in ländlichen Gegenden und japanischen Tempeln gepflegt wird, dort die hektische Betriebsamkeit in Metropolen wie Kyoto und Tokio, in denen die Zeit im Turbomodus zu rasen scheint.

13 Künstler stellen aus

Jetzt hängt seine rasante Wanduhr im Kunstraum hase 29 und wird zum Denkanstoß. Zusammen mit zwölf weiteren internationalen Künstlern geht Edo mit seiner Installation dem Phänomen „Zeit“ auf den Grund. „Time Capsule“ (Zeitkapsel) nannte das Kuratorengremium die Gemeinschaftsausstellung, die hier im Rahmen des kulturellen Schwerpunktthemas „Zeit“ gezeigt wird. Darf man seine Zeit verbringen, indem man Büroklammern geradebiegt oder einen Bleistift so lange anspitzt, bis nichts mehr übrig ist? Verschwendung oder Meditation?, fragt die in der Schweiz lebende Künstlerin Nicole Fuchs. Wie lange dauert es, bis die „Zeitspeicher“ der Osnabrücker Künstlerin Hiltrud Schäfer, die wie überdimensionale Eieruhren Sand verlieren, abgelaufen sind? Ist es tatsächlich schon fünf vor zwölf, wie die papierenen Menschen auf einem Speicher suggerieren?

Armbanduhrenteppich

Da gibt es Künstler, die in der Vergangenheit ihrer Familie forschen. Wie der Tunesier Rafram Chaddad, der Armbanduhren aus dem Geschäft seines Vaters zu einem Teppich verwob. Christiane Hoffmann hängte Zeitkapseln, in denen sich Gegenstände aus dem Nachlass ihrer Mutter  befinden, über Rechnerlüfter, die sie in kreisende Bewegungen versetzen. Derweil lässt gegenüber ein Ventilator die raumgreifenden, kristallinen Konstrukte aus Trinkhalmen tanzen, die Angelika Höger innerhalb eines Jahres für die Ausstellung zusammensetzte.

Analoge Technik, die die Zeit vergessen macht, eine Maschine, die „Zeitzeichnungen“ herstellt, das Video zu einem Song über Langeweile und Zeitvertreib, eine absurde Performance sowie Aquarelle als geschriebene Fragmente eines kontinuierlichen menschlichen Zustandes der Müdigkeit – die Ausstellung ist eine wahre Fundgrube für den Besucher, der sich sinnlich, hintergründig, vielleicht philosophisch mit der Zeit beschäftigen oder sie einfach nur totschlagen will.


hase 29 – Kunstraum der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück (Hasestraße 29): „Time Capsule“. Gruppenausstellung zum Thema „Zeit“. Mit Werken von Rafram Caddad, Satomi Edo, Nicole Fuchs, Christine Gensheimer, Angelika Höger, Christine Hoffmann, Daphné Keramidas, Felix Kiessling, Laura Mareen Lagemann, Reiner Nachtwey, Lars Rosenbohm, Deniz Saridas und Hiltrud Schäfer. Fr., 16. September (Eröffnung um 19 Uhr) bis 29. Oktober. Di., Mi. und Fr. 14-18 Uhr, Do. 16-20 Uhr, Sa. 11-15 Uhr.

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