Sänger ist Hardrockfan Matthias Reim zu Gast in der Osnabrückhalle

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Verehrt musikalisch Ozzy Osbourne und David Gilmour: Matthias Reim, im Bild in Berlin. Foto: dpaVerehrt musikalisch Ozzy Osbourne und David Gilmour: Matthias Reim, im Bild in Berlin. Foto: dpa

Osnabrück. Matthias Reim hat alle Höhen und Tiefen im Musikgeschäft erlebt: Superstarkarriere, Absturz in die Insolvenz mit Millionenschulden, ein gelungenes Comeback, gesundheitliche Probleme. Warum er jetzt wieder fit ist, warum sein aktuelles Album „Phoenix“ heißt und warum er auf Hardrock steht, verriet der Musiker im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Reim, am 17. September startet Ihre Herbst-Tournee. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Eigentlich wollte ich mit meiner Familie am Bodensee entspannen, zum Beispiel mit dem Wakeboard. Da wurde nur bedingt was draus, weil der Sommer zum Teil so verregnet war, dass die Kids nur vorm Fernseher abhingen. Glücklicherweise hat der Sommer dann ja doch noch die Kurve gekriegt.

Sie hatten einige Open Air-Veranstaltungen in diesem Sommer. Sind welche ins Wasser gefallen?

Wir hatten Glück, es gab den einen oder anderen Regenschauer, aber wir sind nicht richtig untergegangen. Die wirklichen Unwetter sind nach Wacken gezogen.

Oder zu Rock am Ring oder zum Hurricane Festival. Aber diese Open Airs sind ja auch nicht Ihr Format...

Nein, natürlich nicht. Aber das Größte war für mich das Konzert im Berliner Amphitheater Wuhlheide vor 15.000 Menschen. Ein unglaubliches Erlebnis für mich und ich glaube auch für meine Zuschauer. Wenn ich draußen auftrete, dann stehen die Fans zweieinhalb Stunden hoch konzentriert vor der Bühne. Da kann auch ruhig mal ein kurzer Regenschauer niedergehen. Das macht nichts, denn man weiß, man ist später wieder zuhause im Trockenen und hatte ein ganz tolles Erlebnis: ein Reim-Konzert. Bei mir campen die Leute nicht, es gibt keine Zelte und keinen Matsch. Aber wegen des widrigen Wetters sollte man niemals den Gedanken an Open Air-Festivals aufgeben.

Mögen Sie Freiluft-Konzerte?

Ja. Es ist nämlich etwas Wunderschönes, was man da unter freiem Himmel mit vielen anderen Menschen in etwas wilderer Atmosphäre erlebt. Da bekommt beispielsweise das natürliche Licht eine besondere Bedeutung. Es wird langsam dunkel und damit verändert sich die Stimmung. Die Erfahrungen, die ich, meine Band und meine Techniker bei solchen Open Airs machen, spinnen wir dann für die Hallentournee weiter.

Während der anstehenden Tour stellen Sie ihr aktuelles Album „Phoenix“ vor. Haben die neuen Lieder etwas Autobiografisches?

Meine Songs haben immer eine Geschichte. Und darin geht es um die Höhen und Tiefen, die wir täglich erleben. Wir sind doch alle nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern müssen mit den Herausforderungen, die das Leben bereit hält, umgehen. Die größte Herausforderung ist es, im Kopf den Knopf umzuschalten und zu sagen: Ich geh nach vorne, nicht nach hinten.

Also ist der Albumtitel symbolisch? Sind Sie ein Stehaufmännchen, ein Phoenix aus der Asche?

Phoenix ist mir etwas zu heldenhaft. „Kleiner Phoenix“ wäre eigentlich niedlicher gewesen. Auf die Idee zu dem Titel ist einer meiner Musiker gekommen. Als ich letztes Jahr krank wurde und meinte, gebt mir acht Wochen, dann bin ich wieder auf dem Damm, da hat der gesagt: Na, kleiner Phoenix, dann gibt dir mal lieber mal ein halbes Jahr.

Was hatten Sie denn eigentlich? Manche sagen: Doppelter Leistenbruch. Andere: Herzmuskelschwäche. Was stimmt?

Da kam alles hintereinander. Es war echt ein Alptraum. Erst doppelter Leistenbruch. Aber nach der OP fühlte ich mich immer noch schlecht. Ich habe mich nur so durch die Gegend geschleppt, immer massiver. Also haben mich die Ärzte in die Röhre geschoben und festgestellt, dass das Herz nicht mehr rund läuft. Diagnose Herzmuskelentzündung. Das bedeutete: Vollbremsung. Reha. Sport. Sport ist das, was mir geholfen hat, was mich fit gemacht hat.

Finanziell ging es Ihnen vor ein paar Jahren auch nicht so gut. Sie liehen sich bei Ihrem Bruder Geld. Haben Sie Ihre Schulden mittlerweile abbezahlt?

Ja, das ist alles erledigt. Mein Bruder hatte mit damals geholfen, mein Leben zurückzubekommen. Dann ging es auch wieder bergauf bei mir, ich bekam einmal Platin für 200.000 verkaufte Alben und vier goldene Schallplatten. Also geh ich doch nicht hin und sage meinem Bruder: Wart mal noch ein bisschen auf dein Geld, ich kauf mir erst mal einen neuen Ferrari.

„Verdammt, ich lieb Dich“ wurde in den 90er Jahren ein Millionen-Hit. War danach die Versuchung groß, einen ähnlichen Song zu schreiben, der ebenso erfolgreich würde?

Natürlich. Im Grunde war ich die ganzen 90er Jahre auf der Suche nach der Wiederholung dieses Hits. Erst später hatte ich eine wichtige Erkenntnis: Du hast ihn doch geschrieben, du hast ihn im Repertoire, nun zeigt den Leuten mal, was Du sonst noch drauf hast. Zeig Deine Vielseitigkeit. Probier etwas Neues aus. Und du musst nicht immer Millionen verkaufen, um dich als erfolgreicher Musiker zu bestätigen.

Haben Sie eigentlich musikalische Vorbilder oder Idole?

Klar. Ich bin riesiger Ozzy Osbourne -Fan. Und noch größerer Fan bin ich von David Gilmour , dem Gitarristen von Pink Floyd . Er ruft mit nur wenigen Tönen so viele Emotionen hervor. Es ist unfassbar. Wenn David Gitarre spielt, geh ich mit meinen zehn Gitarren an der Wand und einer in der Hand nur noch in die Knie. Oh my god!

Haben Sie Ozzy Osbourne denn kennengelernt, als Sie in den USA gelebt haben?

Nein, aber ich hatte einen interessanten Nachbarn: Cliff Williams, den Bassisten von AC/DC. Wir haben sogar zweimal zusammen Weihnachten gefeiert. Wenn AC/DC hier auftreten, geh ich immer mal vorbei, klopfe Backstage an und sage Hallo…


Matthias Reim live: Freitag, 30. September, 20 Uhr, Osnabrückhalle

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