Unterricht im Netz Osnabrück: Schüler lernen mit Smartphones

ski Osnabrück. Eigentlich sind Smartphones im Schulunterricht nicht gerne gesehen. Bisweilen sind sie sogar verboten. Dann sind sie sogar ausdrücklich erwünscht. Nicht so, wenn André Hermes in der Ursulaschule vor der Klasse steht. Eine Wissenschaftlerin der Uni Osnabrück hält das für eine gute Idee.

André Hermes ist Sport- und Erdkunde-Lehrer an der Ursulaschule in Osnabrück und außerdem Medienberater an der Schule. Die Smartphone, die die Schüler ohnehin dabei haben, hat er zum Teil des Unterrichts gemacht.

„Ich finde es wichtig, dass die Schüler sich im Internet zurechtfinden und es richtig zu nutzen wissen“, sagt Hermes. „Das Netz wird später selbstverständlicher Teil ihrer Arbeitswelt sein.“

Über seine Erfahrungen berichtet Hermes auch in seinem Blog und in einem Gastbeitrag für das Online-Magazin „ Digital Lernen “.

Zunächst einmal mussten technische Hürden überwunden werden. Erst seit Kurzem gibt es an der Ursulaschule Zugang zum Wlan-Netz, berichtet Hermes: „Das ist die Voraussetzung, um effektiv mit dem Smartphone arbeiten zu können.“

Die Jugendlichen waren begeistert vom Einsatz der Handys im Unterricht, sagt Hermes. Manche konnten es zu Beginn gar nicht recht glauben. „Sie waren im positiven Sinne verwundert.“

Zusätzlich zu den Smartphones brachten einige Schüler Laptops mit. Hermes achtete darauf, dass je zwei Schüler mit einem Smartphone ausgestattet waren, damit niemand in die Röhre gucken musste. Am Ende des Kurses hatte nahezu jeder Schüler ein internetfähigs Handy.

„Wer daddelt, geht offline“

Ausgenutzt hätten die Schüler die neue Freiheit nicht. „Es wurde so gut wie gar nicht rumgedaddelt“, sagt Hermes. „Aber es handelt sich auch um eine elfte Klasse, die sind ja schon ein bisschen reifer.“

Allerdings gab es auch eine klare Ansage: „Wer daddelt geht erst mal offline.“ Das Argument, Zugang zum Internet führe zwangsläufig dazu, dass sich die Schüler mehr auf die neusten Youtube-Clips konzentrieren als auf den Unterricht, lässt Hermes nicht gelten. „Ablenken können sich die Schüler auch, wenn sie Schiffeversenken spielen.“

Wert legt Hermes auf die Sicherheit der Daten seiner Schüler. „Wir haben beispielsweise Twitter genutzt. Ich habe die Schüler darauf hingewiesen, dass sie sich anonym anmelden sollen.“ Mit der virtuellen Lernplattform Moodle gebe es überdies eine Art virtuellen Klassenraum, in dem sich die Schüler unter Ausschluss der Öffentlichkeit austauschen können.

Das Smartphone biete eine breite Palette an Anwendungsmöglichkeiten, sagt Hermes. „Man kann kleine Filme drehen, Hörbeiträge erstellen und natürlich im Internet recherchieren.“ Zudem seien Mindmaps, Wikis, Slide- und Podcasts erstellt worden.

Davon, dass man das Handy auch im Unterricht nutzt, verspricht sich Hermes auch einen pädagogischen Effekt: „Wer das Smartphone als Arbeitsmittel nutzt, wird es eher nicht verwenden, um damit heimlich Leute zu filmen.“

Abwechslung im Unterricht

Sein Fazit ist durchweg positiv: „Der Einsatz von Smartphones bringt Abwechslung in den Unterricht und die Schüler sind sehr bemüht, professionelle Arbeitsergebnisse abzuliefern.

Für die Zukunft wünscht sich Hermes schuleigene Zehn-Zoll-Tablets. „Smartphones sind für anspruchsvollere Aufgaben nicht leistungsfähig genug, Laptops sind zu schwer, um sie immer mitzuschleppen.“

Das Konzept, die eigenen Geräte am Arbeitsplatz zu nutzen, stamme ursprünglich aus der Wirtschaft, berichtet Hermes. Mitarbeiter bringen beispielsweise ihre Laptops mit und nutzen sie in ihrer Firma.

„Im kommenden Jahr möchte ich meine Erfahrungen den Kollegen, Eltern und Schülern vorstellen, um ein schulweites Konzept hierzu anzuregen.“

„Bezug zum Alltag hergestellt“

Dr. Susanne Müller-Using, Erziehungswissenschaftlerin an der Uni Osnabrück, hält Hermes‘ Ansatz für richtig. „Es ist gut, wenn im Unterricht ein Bezug zum Alltag hergestellt wird und Smartphones und das Internet gehören für viele Jugendliche zum Alltag dazu.“ Es sei gut, wenn in der Schule gezeigt werde, zu was man das Handy noch nutzen könne - außer damit auf Facebook zu surfen.

Im Grunde müssen die neuen Medien fest im Lehrplan verankert sein. „Der Umgang mit dem Internet in der Schule stellt aber für viele Lehrer eine Herausforderung dar“, sagt Müller-Using. Das gelte insbesondere für ältere Kollegen. „Um die Schüler über Chancen und Risiken informieren zu können, müssen Lehrer eine eigene Position zum Internet finden.“ Neue Medien brauchen eine erweiterte Didaktik, so die Wissenschaftlerin weiter. „Dazu brauchen wir spezielle Fortbildungen, in denen die Lehrer geschult werden, die neuen Medien in ihren Fachunterricht zu integrieren.“

Müller-Usings Fazit: „Die neuen Medien erleichtern den Unterricht nicht unbedingt, aber gezielt eingesetzt bereichern sie ihn.“


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