Literarische Zeitreise „Emmas Reise“: Petra Oelker beeindruckt bei Lesung in Osnabrück

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Osnabrück. Mit einer Lesung aus ihrem historischen Roman „Emmas Reise“ hat Petra Oelker am Montag ihr Publikum im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses mitgenommen auf eine literarische Zeitreise in das Jahr 1650.

Im Kopf gehabt habe sie die Geschichte schon viele Jahre, sagt Petra Oelker. Fühlte sich die in Hamburg lebende Journalistin und Autorin („Tod am Zollhaus“) anfangs noch blockiert durch die Fülle an Material, Themen und Möglichkeiten rund um Krieg und Moor, nahm sie die Arbeit an ihrem historischen Roman „Emmas Reise“ schließlich doch wieder in Angriff.

Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg

Als Gemeinschafts-Veranstaltung der vier Osnabrücker Buchhandlungen Heinrich Eicholt, zur Heide, Altstädter Bücherstuben und Dom-Buchhandlung leistete die ausverkaufte Lesung vor historischer Kulisse zugleich einen Beitrag zum diesjährigen kulturellen Schwerpunktthema „Zeit“ des Fachbereiches Kultur der Stadt.

Als eine Art historische Reiseleiterin nahm Oelker ihr Publikum mit in das Jahr 1650, einer Zeit kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. In dieser unruhigen Zeit begibt sich die bald 18-jährige Kaufmannstochter Emma van Haaren auf den beschwerlichen Weg von Hamburg nach Amsterdam. Verkleidet als Junge „Emmet“ wird sie auf ihrer Reise von dem 12-jährigen Valentin begleitet, mit dem sie Station in Osnabrück macht, ins gefährliche Moor gerät und auf eine Truppe englischer Komödianten trifft.  (Weiterlesen: Kulturelle Schwerpunktthema „Zeit“ wird eingeleitet)

Passendes Ambiente

Für eine solch abenteuerliche Story bildete der Friedenssaal mit Kronleuchtern in den Fenstern und den Porträts der 42 europäischen Gesandten den durchaus passenden Rahmen. Zweimal habe sie für ihre Recherchen Osnabrück besucht, sagte Petra Oelker, die zwischen den Roman-Auszügen publikumsnah und locker über die Arbeit an ihrem Buch sprach, Handlungsstränge zusammenfasste oder im Anschluss Fragen aus dem Publikum beantwortete. Zudem hat die 1947 in Cloppenburg geborene Autorin als Kind in der Hasestadt ihre erste Rolltreppe gesehen.

Neben der Mischung aus akribisch recherchiertem historischem Hintergrund und der Einbindung persönlicher Vorlieben (etwa für Fern-Wanderungen) bestach Oelkers Lesung durch ihre sensiblen Naturschilderungen. Ungewöhnlich mutete bereits der Prolog des Romans an, den die Autorin aus Sicht eines einsamen jungen Wolfes schildert.

Die Kunst des Cliffhangers

Nicht weniger anschaulich beschrieb sie den morgendlichen Ausblick auf die historische Stadt Osnabrück, die seltsame Stille in der Bleichgasse oder den Teutoburger Wald, der bis ins 17. Jahrhundert „Osning“ hieß. Zudem beherrschte Oelker die Kunst des gezielten Cliffhangers und beendete ihre Roman-Auszüge an entscheidenden Stellen, wenn Emma und Valentin ins Hollensteder Moor geraten oder es im Osning mit Banditen zu tun bekommen.

Angesichts der spätsommerlichen Schwüle stellte Petra Oelker am Ende ihrer anderthalbstündigen Lesung augenzwinkernd fest: „Es ist niemand in Ohnmacht gefallen.“  


Petra Oelker. „Emmas Reise“. Historischer Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2016. 448 Seiten. 14,99 Euro. ISBN 978-3-499-27123-6.

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