Trennung mit Abfindung Krebsarzt Koch verlässt endgültig Klinikum Osnabrück

Demo vor dem Gericht: Patienten empfingen Prof. Dr. Olaf Koch vor dem Arbeitsgericht, um ihre Solidarität mit dem Krebsmediziner zum Ausdruck zu bringen. Foto: Jörn MartensDemo vor dem Gericht: Patienten empfingen Prof. Dr. Olaf Koch vor dem Arbeitsgericht, um ihre Solidarität mit dem Krebsmediziner zum Ausdruck zu bringen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der Krebsarzt Olaf Koch und das Klinikum Osnabrück haben sich endgültig getrennt. Koch erhält eine Abfindung.

Wie beide Seiten auf Anfrage der Redaktion bestätigen, ist das Arbeitsverhältnis des Krebsmediziners zum 31. Juli aufgelöst worden. Professor Koch erhält eine Abfindung. Über die Höhe der Abfindung und Details der Trennung vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Kochs Anwalt Daniel Renger ließ durchblicken, dass er für seinen Mandanten ein „gutes Ergebnis“ habe erzielen können. Ob und in welcher Form Professor Koch wieder ärztlich tätig wird, sei noch offen. (Weiterlesen: Im Fall Koch schweigen alle Beteiligten)

Die Klinikum-Geschäftsführung hatte im August 2015 den damaligen Chefarzt der Onkologie fristlos entlassen. Sie wirft ihm Abrechnungsbetrug vor. Koch soll drei Jahre lang bis Dezember 2013 einzelne Behandlungen im Medizinischen Versorgungszentrum zu seinen Gunsten abgerechnet haben. Der Schaden für das Klinikum wurde auf 80000 Euro beziffert. Koch weist die Vorwürfe zurück. Sollte es Abrechnungsfehler gegeben haben, seien vom Klinikum zu verantworten. (Lesen Sie auch: Patienten kämpfen weiter für entlassenen Krebsarzt)

Koch hat nach Angaben seines Anwalts selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Vorwürfe aufzuklären. „Die Ermittlungen laufen noch“, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer mit.

Glatter Sieg in erster Instanz

In erster Instanz hatte Koch vor dem Arbeitsgericht Osnabrück in vollem Umfang gesiegt. Das Gericht erklärte die fristlose Kündigung vom August 2015 für unwirksam. Begründung: Der Betriebsrat war nicht ordnungsgemäß beteiligt worden, und das Klinikum hatte es vor Gericht versäumt, den mutmaßlichen Abrechnungsbetrug substanziell zu beweisen. Die vom Klinikum eingelegte Berufung vor dem Landesarbeitsgericht ist nach der vergleichsweisen Einigung hinfällig. Eine Weiterbeschäftigung lehnte das Klinikum kategorisch ab. (Lesen Sie auch: Klinikum Osnabrück trennt sich von Anwalt)

Ehemalige Patienten reagierten mit Bedauern auf das Ausscheiden des renommierten Krebsarztes. Sie hatten den Oberbürgermeister eingeschaltet und Koch durch öffentliche Proteste den Rücken gestärkt. Ohne Erfolg.


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