Wertvolle Sammlerobjekte Alte Kuscheltiere erzielen weiter hohe Preise

Von Claudia Scholz


Osnabrück . Preise von mehreren Zehntausend Euro für Teddybären und Stofftiere sind keine Ausnahme. Entscheidende Kriterien: Seltenheit, Alter und Erhaltungszustand. Stimmt das alles, klettern auch die Preise, wissen Auktionatoren. Manche Sammler besitzen ganze Zoos.

Teddyauktionen können extrem hohe Preise erzielen: 2012 wurde ein Bär der Marke Steiff vom Auktionshaus Teddy Dorado bei Bonn für 25.000 Euro verkauft.

Der schwarze Teddy mit den verweinten Augenrändern aus rotem Filz ist eine Rarität. Anlässlich des Untergangs der Titanic 1912 wurden nur 82 Stück produziert. Kunden aus Japan, Australien, Indonesien und Amerika boten 2012 mit. Dabei waren die 50 Zentimeter großen Stofftiere wegen der schwarzen Farbe zur Entstehungszeit ein Flop, Kinder hatten Angst vor ihnen.

Ladenneu und alt

Ob ein Kuscheltier mehrere Tausend Euro bringt, hängt von der Seltenheit, dem Alter und Zustand des Tiers ab. Stimmt das alles, klettern die Preise. Artikel, die nur kurzzeitig und in kleiner Stückzahl auf den Markt kamen, sind heute - besonders ladenneu - viel wert. „Jährliche Wertsteigerungen von fünf bis zehn Prozent sind möglich“, sagt Carsten Eßer vom Auktionshaus „Teddy Dorado“, das nach eigener Aussage als weltweit einziger Versteigerer nur auf Stofftiere spezialisiert ist.

20 Kilo schweres Mohair-Zebra

Bei jeder Auktion werden 2.000 verschiedene Artikel der Marke Steiff aufgerufen. Der Umsatz einer Steiff-Auktion liegt im sechsstelligen Bereich. Auktionen finden zwei Mal pro Jahr statt. Viele Besucher kommen aus Belgien, Österreich, Schweiz, Großbritannien und Frankreich. Ein drei Zentimeter großer Woll-Marienkäfer war genauso schon dabei wie ein lebensgroßes 20 Kilo schweres Mohair-Zebra. Bei der nächsten Auktion im Oktober versteigert Eßer einen Teddybären aus der Zeit von 1905 bis 1910, erwartet werden bis zu 10.000 Euro.

Ikonen der Spielzeuggeschichte

In den letzten 135 Jahren wurden mehr als 60.000 verschiedene Tiere von der Margarete Steiff GmbH erfunden. Seit den 1980er Jahren ist ein weltweiter Sammlermarkt entstanden. „Dekorative Steiff-Tiere zählen zu den Ikonen der deutschen Spielzeuggeschichte und Handwerkskunst“, sagt Carsten Eßer. Sie seien als krisensichere Anlage beliebt, der Markt sei über Jahre auf einem konstant hohen Niveau. „Viele Erwachsene sammeln Teddys aber auch, weil sie gute Kindheitserinnerungen wecken“, sagt Teddy-Experte Christian Pfeiffer, Chef des Fachverlags GAF aus dem hessischen Taunusstein.

Aus der Vorkriegszeit

Als historisch und damit wertvoll gelten Kuscheltiere, die mindestens aus der Zeit vor 1970 stammen. „Teddys und Tieren aus dem Vorkriegszeitraum von 1892-1943 sind besonders rar und teuer“, so Pfeiffer. Ein Plüschtier, dass mindestens 30 Jahre alt ist, kann seinen Sammlerwert schon alleine dadurch vervielfachen, indem das Steiff Zeichen, also die ehemalige Schutzgarnierung bestehend aus dem berühmten Knopf im Ohr, der Ohrfahne mit lesbarer Artikelnummer und dem Papp-Namensbrustschild, noch tadellos vorhanden sind.

Kleinformatige Tiere für den Safe

Lebensgroße Stofftiere, die ursprünglich für Deko-Zwecke in Schaufenstern und TV-Studios gemacht wurden, werden auf dem Sammlermarkt für nur 500 bis 1.000 Euro gehandelt, obwohl diese sehr aufwendig gefertigt sind. „Der Trend bei Sammlern und Investoren geht zu kleinformatigen Tieren, die in Vitrine, Safe oder Bankschließfach passen“, sagt Auktionator Eßer.

Zoo mit 560 Plüschtieren

Diesem Trend entzieht sich der Physiotherapeut und Fotograf Hans-Jörg Lodziewski. Die Leidenschaft des 48-Jährigen gilt lebensgroßen Kuscheltieren. Von der knuffigen Vogelspinne bis zum drei Meter hohen indischen Elefanten tummelt sich alles in seiner ausgebauten Scheune im pfälzischen Herschbach , 560 Objekte insgesamt. „Die Tiere haben einen lieben Blick und beißen nicht“, sagt der Sammler, der mit Steiff-Tieren schöne Erinnerungen an die Kindheit und Eltern verbindet. Mit denen schaute er sich die Kuscheltiere immer im Kaufhaus an.

Der Wert seiner Sammlung liege im sechsstelligen Bereich, sagt Lodziewski. Aber verkaufen will er nichts davon, er besitz die Tiere nur zum Vergnügen. Bald soll ein Museum daraus werden.