Ablehnung eint Gegner AfD mit vier Abgeordneten im Kreistag Osnabrück

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Die AfD war im Osnabrücker Land nur mit wenigen Wahlplakaten vertreten (wie hier im Belmer Ortsteil Icker). Auch der Wahlparty im Kreishaus blieben sie fern. Foto: Holger JansingDie AfD war im Osnabrücker Land nur mit wenigen Wahlplakaten vertreten (wie hier im Belmer Ortsteil Icker). Auch der Wahlparty im Kreishaus blieben sie fern. Foto: Holger Jansing

Osnabrück. Entsetzen, Erleichterung, Freude und Enttäuschung: Die AfD tritt erstmals zur Kreiswahl an, holt 5,6 Prozent der Stimmen – vier Sitze – und löst eine extreme Bandbreite an Gefühlen aus. Und das nicht nur bei ihren politischen Gegnern, sondern auch in den eigenen Reihen.

Wahlpräsentation im Kreishaus: Die ersten Bezirke werden ausgezählt. Im Foyer schauen die wenigen Gäste - Mitglieder der etablierten Parteien und Verwaltungsmitarbeiter - gebannt auf den Bildschirm. Hier oder da holt die Alternative für Deutschland (AfD) mehr als sieben oder gar mal elf Prozent der Stimmen. Gebetsmühlenartig wird das Ergebnis in dieser frühen Auszählungsphase kommentiert : „Das heißt noch gar nichts.“ Es wirkt, als wollten die Versammelten nicht wahrhaben, dass die AfD in den Kreistag einziehen wird. Zugleich mischt große Erleichterung mit, dass das Wahlergebnis nicht höher ausgefallen ist. Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, bei der die AfD hinter der SPD mit über 20 Prozent zweitstärkste Partei wurde, liegt nun mal erst eine Woche zurück.

Protestpotenzial

Vertreten die Zuschauer der Wahlpräsentation sonst noch so unterschiedliche politische Auffassungen, die Ablehnung der AfD eint sie alle. „Mich wundert, dass eine solche Partei ohne Programm aus dem Stand fünf Prozent bekommt“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Martin Bäumer. Er schätzt, dass es sich um „Protestpotenzial handelt“, um aber gleich hinzuzusetzen, dass sich schließlich 95 Prozent der Wähler anders entschieden hätten.

Auch Thomas Rehme, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, sagt, die AfD habe „gekonnt Protestwähler mobilisiert. Schockiert habe er zur Kenntnis genommen, dass die AfD Flüchtlingen grundsätzlich eine Perspektive in Deutschland abspreche. Dass die AfD in den Kreistag einziehe, sei jedoch zu erwarten gewesen, insofern sei er eher erleichtert, dass die Partei deutlich unter dem Bundestrend geblieben sei, sagte Rehme.

Erleichterung und Sorge zugleich

Diese Erleichterung teilen die Grünen, wenn auch hier Sorge mitmischt. „Das ist ein beachtliches Ergebnis“, sagte Rainer Kavermann, Vorsitzender der Fraktion der Grünen, „aber deutlich unterm Bundestrend“. Fraktionsgeschäftsführerin Annette Specht fragte sich aber noch am Wahlabend, wie die Zusammenarbeit in der Praxis aussehen könnte. „Sitzen die dann mit im Arbeitskreis für Migration?“

Linken-Kreistagsmitglied Andreas Maurer betont: „Uns haben alle gesagt, dass wir unser Ziel einer eigenen Kreistagsfraktion nicht erreichen, weil die AfD uns Wähler abjagen wird. Das hat sie nicht geschafft.“

„Kein feierlicher Moment“

„Das ist kein feierlicher Moment“, kommentiert UWG-Kreistagsmitglied Sebastian Gottlöber das AfD-Ergebnis. Es erschüttere ihn, „wie eine Partei ohne kommunalpolitischen Inhalt mit lauter politischen Phrasen ein solches Ergebnis holen“ könne. „Persönlichen Umgang würde ich mir nach jetzigem Stand nicht wünschen“, sagt Gottlöber.

„Wir sind keine Nazis“

Hartwig Knoops, Sprecher der AfD und einer der vier Kandidaten, die in den Kreistag einziehen werden, kann solche Ablehnung nicht nachvollziehen: „Wir sind keine Fremdenfeinde und keine Nazis.“ Knoops hat vor der Jahrtausendwende schon für die Grünen im Stadtrat gesessen. Zur künftigen Zusammenarbeit mit den anderen Parateien sagt der AfD-Mann: „Wir werden uns jeden Antrag von der ersten bis zur letzten Zeile durchlesen und mit normalem Menschenverstand beurteilen. Das wird ohne parteipolitische Scheuklappen erfolgen. Wenn es ein guter Vorschlag ist, stimmen wir ihm zu, unabhängig davon, von welcher Partei er kommt“.. Das Wahlergebnis, gibt der AfD-Sprecher zu, enttäusche die Erwartungen, aber nun viertstärkste Partei im Kreistag zu sein, sei durchaus erfreulich. Die AfD hatte vor der Wahl gesagt, sie erhoffe sich 10 Prozent plus X. Hinter der Ablehnung der etablierten Parteien vermutet Knoops „einen Kampf um die politischen Futternäpfe“.











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