Party an der Halle Gartlage Unter Rockern: Bandidos-Geburtstag in Osnabrück

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Osnabrück. Überwacht von einem riesigen Polizeiaufgebot feierte der Bandidos MC Germany am Samstag seinen 17. Geburtstag in der Osnabrücker Halle Gartlage. Unser Mitarbeiter besuchte die Party und berichtet von seinen Eindrücken.

Nach 15 Jahren im Beruf mutet es schon etwas seltsam an, wenn die Kollegen vor einem Termin zum ersten Mal Sorge um einen haben: „Hoffentlich kommst du dann auch heile wieder da raus!“ oder: „Ich wünsche dir, dass du keinen auf die Fresse bekommst!“

Wer als Nicht-Rocker zu einem Rockerclub geht, der geht danach unter Umständen direkt in die Notaufnahme - das zumindest denken viele. Ich denke anders, denn ich habe vor einigen Jahren über zwei Rockerprozesse berichtet, habe einige Rocker kennengelernt, interviewt, mich über die Szene kundig gemacht und weiß seitdem: Wer nicht gerade mit der Kutte eines verfeindeten Clubs im Revier eines anderen Clubs auftaucht, hat unter Rockern eigentlich nichts zu befürchten. (Weiterlesen: Die Rockerszene in Niedersachsen)

Großes Polizeiaufgebot

Die Innenminister der Länder sehen das anders, für sie sind Hells Angels, Bandidos und Co. eine Bedrohung der inneren Sicherheit . Und deshalb stehen an diesem lauen Samstagabend auf dem Parkplatz des Kupferverarbeiters KME, gegenüber der Disco „Virage“, mehr als 20 Polizei-Bullis.

1200 Gäste - Polizei kontrollierte 1000 von ihnen

Wer auf den Parkplatz der Halle Gartlage fahren möchte, wo heute der Bandidos MC Germany seinen 17. Geburtstag feiert, muss hier vorbei. Und wer hier vorbei muss, muss sich in der Regel filzen lassen. „Wir haben rund 1000 Personen kontrolliert“, sagt Jürgen Maaske von der Polizei Osnabrück am Tag danach. Insgesamt seien 1200 „Bandidos und Sympathisanten“ vor Ort gewesen.

Wer das mit Bauzäunen abgesperrte Party-Gelände neben der Halle Gartlage betreten möchte, geht einfach an den Kuttenträgern vor dem Eingang vorbei. Dann läuft man ein paar Meter, und schon steht man inmitten unzähliger Motorräder und Kuttenträger, die dominante Farbe ist Schwarz, ansonsten ist es hier nicht anders als auf einem normalen Volksfest.

„Hier hat niemand etwas zu befürchten“

Da steht ein Eiswagen, eine Grillbude, vereinzelt laufen Kinder durch die Menge, eine bunt gekleidete Mutter schiebt mit ihrem Kinderwagen an den geparkten Motorrädern vorbei und bestaunt die Maschinen, und vor einem Met-Wagen steht sogar eine größere Gruppe in Freizeitkleidung.

Die Damen und Herren, die hier ein bisschen wie verirrte Nordsee-Urlauber wirken, sind die Mitglieder der renommiertesten Osnabrücker Strafrechtskanzlei, angeführt von Jens Meggers und dem ehemaligen Osnabrücker Bürgermeisterkandidaten Thomas Klein. Wenn hiesige Bandidos vor Gericht stehen, werden sie von Meggers, Klein und Co. verteidigt. Und die Beziehung zwischen Rockern und Rechtsanwälten ist offenbar so entspannt, dass zwei der Juristen auch ihre Partnerinnen mitgenommen haben.

„Hier hat niemand etwas zu befürchten, und als Frau wird man hier auch nicht angegrabscht“, sagt ein höflicher Mann, der in der Öffentlichkeit als Micha beziehungsweise Michael K. auftritt. Micha ist der Pressesprecher der Bandidos in Deutschland, und er ist sehr darum bemüht, das Image seiner Bruderschaft - denn als solche betrachten sich die Rocker - zu verbessern.

Neue Kommunikationsstrategie noch nicht bei allen angekommen

„Unser Bild in der Öffentlichkeit ist nicht gut, und in der Vergangenheit waren wir daran teilweise auch selbst schuld, das muss man ehrlich sagen.“ Die Bandidos - wie auch alle anderen Rockerclubs - fühlen sich von Staat und Presse drangsaliert beziehungsweise kriminalisiert.

„Ich glaube, 14 Mitglieder von uns sitzen momentan im Knast“, sagt Micha. Das sei aber nichts, was von ihren jeweiligen Chaptern, also Lokal-Vertretungen der Bandidos, gefeiert werde. Und dass die Bandidos in Gänze als Synonym für Prostitution, Drogenhandel und organisierte Kriminalität überhaupt stünden, habe mit der Realität einfach nichts zu tun.

Dass die Bandidos einem Vertreter der „bürgerlichen“ Presse derart offen entgegentreten, wie Micha es tut, ist schon ungewöhnlich. Bei allen scheint diese neue Kommunikationsstrategie aber auch noch nicht angekommen zu sein.

Ich bitte um ein Gespräch mit dem Präsidenten des Osnabrücker Chapters, das heute seinen 15. Geburtstag feiert, also zwei Jahre nach Gründung des Bandidos MC Germany gegründet wurde. Aus dem Gespräch wird allerdings nichts. „Du bist hier Gast, aber für dich gilt: Augen zu und Maul halten!“, sagt mir der Präsi. Dass ein Vertreter der Neuen Osnabrücker Zeitung hier ist, schmeckt ihm überhaupt nicht.

Feuershow, Feuerwerk und quietschende Reifen

Trotz des kleinen Konflikts fühle ich mich hier keine Sekunde unwohl. Privat würde ich zwar nie auf eine Party gehen, auf der sich in großen Teilen Herren in Lederkutten aufhalten, die aus meiner Sicht ziemlich dämlichen weil völlig überkommenen Vorstellungen von Ehre und Männlichkeit anhängen; und auch die beiden barbusigen Damen, die Schnaps servieren, finde ich ziemlich albern.

Aber wenn man sich nicht gerade einem Osnabrücker Bandido als NOZ-Vertreter zu erkennen gibt, treten einem hier alle freundlich entgegen. Außerdem gibt es draußen noch eine nette kleine Feuershow, ein Auto fährt unter quietschenden Reifen an und hinterlässt Rauch in vielen Farben, ein Feuerwerk gibt es auch noch, und Micha berichtet amüsant davon, was es bedeutet, wenn die eigene Handynummer als einziger Telefonkontakt der Bandidos Deutschland im Internet steht.

„Da rufen dann Leute an, die erzählen, jemand würde ihnen Geld schulden, ob die Bandidos da nicht helfen könnten. Oder eine Frau hat Ärger mit ihrem Mann und bittet uns um unsere Unterstützung.“

Den Eindruck eines wirklich friedlichen Geburtstagsfestes bestätigt auch die Polizei am kommenden Tag. „Es gab einige wenige Sicherstellungen, unter anderem haben wir ein Motorrad aus dem Verkehr gezogen“, sagt Jürgen Maaske. „Wir haben zwar insgesamt zahlreiche Verstöße festgestellt - aber gravierende Dinge waren nicht dabei.“


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