Hobby wurde zum Beruf Osnabrückerin entwirft „Hundeklunker“

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Bunte Motive, kleine Anker oder Blumen, zieren die Halsbänder, Leinen und Tücher für Vierbeiner, die Carolin Rehme näht. Wenn sie über ihr Unternehmen „Hundeklunker“ erzählt, wirkt sie vom Erfolg selbst ein wenig überrascht.

Sobald sich Carolin Rehme an ihre Nähmaschine setzt, macht es sich ihr Hund Paul auf einem flauschigen Teppich bequem. Er weiß, dass es jetzt länger dauern wird, bis sein Frauchen wieder Zeit für ihn hat. Rehme verarbeitet mit gekonnten Handgriffen bunte Stoffe zu Halsbändern, Leinen und anderen Accessoires für Hunde – und mittlerweile auch für deren Herrchen und Frauchen. Mit ihrem Unternehmen „Hundeklunker“ hat die Osnabrückerin den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Der Weg dorthin war für Rehme lange nicht klar. Ihre Leidenschaft für das Nähen entdeckte sie erst 2008. „In der Schule hatte ich im Nähen eine 4 Minus“, erinnert sie sich. Als sie auf der Suche nach einem ausgefallenen, aber gleichzeitig alltagstauglichen Halsband für ihren Hund war, und nichts Passendes finden konnte, setzte sie sich an die Nähmaschine ihrer Mutter. Das Ergebnis überzeugte in ihrem Familien- und Bekanntenkreis so sehr, dass sie viele weitere nähte. „Es wurden immer mehr und irgendwann musste ein Name her“, sagt Rehme. Ein Jahr später verkaufte sie bereits die ersten Halsbänder und Leinen in einem Osnabrücker Haustierfachgeschäft, im Internet und auf kleineren Messen.

„Durch die Decke gegangen“

Dann rückte das Projekt jedoch zunächst in den Hintergrund. „Ich wollte mich auf meinen Hauptjob konzentrieren und Hundeklunker fiel in einen Dornröschenschlaf“, sagt Rehme. Dreieinhalb Jahre lang nahm sie sich wenig Zeit für das Nähen. Ganz eingeschlafen war das Projekt in dieser Zeit jedoch nicht, denn ihre Mutter Carola Fuchtmann-Rehme nähte weiter Hundeklunker. Vor anderthalb Jahren stieg dann auch Tochter Carolin wieder ein. Mit neuen Ideen, Mustern und einem neuen Logo wollte sie einen zweiten Anlauf starten – und die Nachfrage war groß. Eigentlich, sagt Rehme, habe sie die Stundenzahl in ihrem Job langsam reduzieren wollen, doch aus 30 wurden in kurzer Zeit 25 und 20 Stunden. „Dass es so schnell durch die Decke gehen würde, das hätte ich nicht gedacht. Es kam der Zeitpunkt, an dem ich eine Entscheidung treffen musste.“ Im Mai kündigte die Osnabrückerin ihre Stelle, um sich auf Hundeklunker konzentrieren zu können. Danach habe sie endlich Zeit gehabt, um „eine Struktur reinzubringen“. Unterstützung hatte sie dabei auch durch die IHK und das Gründerhaus . In Workshops habe sie Sicherheit auf dem Weg in die Selbstständigkeit bekommen.

Dickköpfigkeit gehört dazu

Mittlerweile verkauft Rehme ihre Accessoires im Internet, in 16 Filialen einer Handelskette für Tiernahrung und einem Geschäft in Österreich. Weitere Läden sollen hinzukommen. Sie plant, mit einer Näherei zusammenzuarbeiten. Die Nachfrage nach hochwertigen Halsbändern, Leinen und anderem Hundezubehör steige: „Die Leute werden überflutet mit günstigen Sachen, aber immer mehr legen Wert auf Qualität“, sagt sie. Besonders gefragt seien Accessoires für Hunde und Herrchen oder Frauchen mit gleichem Muster. „Es wird oft im Partnerlook bestellt“, sagt Rehme. Auch Sonderwünsche von Kunden seien kein Problem – vorausgesetzt der entsprechende Stoff sei für das gewünschte Objekt geeignet.

An der Nähmaschine verbringt Rehme nur etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit. Einen großen Teil brauche sie für die Suche nach neuen Stoffen, die sie bei verschiedenen Designern im Internet bestellt. „Im Moment bin ich Näherin, Buchhalterin, Fotografin und kümmere mich gleichzeitig um das Marketing“, sagt Rehme. „Aber ich habe mir gedacht, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.“ Zur Selbstständigkeit gehöre auch eine gewisse Dickköpfigkeit, sagt sie.

Eigener Rhythmus

Außerdem sei Flexibilität eine Voraussetzung. Dadurch, dass sie von Lieferungen anderer Firmen abhängig sei, gehe eigentlich immer auch etwas schief. Auf der anderen Seite genieße sie es, sich die Zeit selbst einzuteilen und nach dem eigenen Rhythmus zu leben. Glücklich und stolz mache die große Resonanz, sie bekomme viele Bilder von Hunden mit ihren Accessoires geschickt. Rehme sagt, sie sei in der Stadt auch schon Hunden begegnet, die Leinen oder Halsbänder von ihr trugen. „Dann lächele ich die Besitzer an, aber die wissen gar nicht, was ich von ihnen will.“

Für die Zukunft plant sie, eigene Muster drucken zu lassen und weiteres Zubehör wie Geschirre und -betten zu entwerfen. Die Ergebnisse wird Hund Paul als erster sehen und testen. Bis sein erstes Hundebett genäht ist, wird er wohl weiter auf dem flauschigen Teppich warten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN