Bund fördert neuen Studiengang Uni Osnabrück bildet Sozialarbeiter für Muslime aus

Von Sebastian Stricker

Um die Sozialarbeit in den 2500 deutschen Moscheegemeinden zu professionalisieren, will die Universität Osnabrück ab dem Wintersemester 2018/19 einen bundesweit einmaligen Studiengang anbieten. Unser Bild zeigt die Basharat-Moschee an der Atterstraße in Osnabrück beim Tag der offenen Moschee 2014. Foto: NOZ-Archiv/Jörn MartensUm die Sozialarbeit in den 2500 deutschen Moscheegemeinden zu professionalisieren, will die Universität Osnabrück ab dem Wintersemester 2018/19 einen bundesweit einmaligen Studiengang anbieten. Unser Bild zeigt die Basharat-Moschee an der Atterstraße in Osnabrück beim Tag der offenen Moschee 2014. Foto: NOZ-Archiv/Jörn Martens

Osnabrück. Die Universität Osnabrück plant einen bislang einmaligen Studiengang für die Sozialarbeit in den 2500 Moscheegemeinden in Deutschland. Der Bund fördert den Teilstudiengang „Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft“ mit 2,9 Millionen Euro.

Der Studiengang soll nach Angaben der Universität Osnabrück am Institut für Islamische Theologie angesiedelt werden. Ziel sei es, Fachkräfte etwa für Gesundheitsdienst, Jugendhilfe und Altenpflege im muslimischen Umfeld auszubilden und das Personal auf diese Weise zu professionalisieren. Bislang werde islamische Sozialarbeit zumeist ehrenamtlich von Laien geleistet, was die öffentliche Hand gesetzlich daran hindere, Zuschüsse zu geben.

Die Förderung des Studiengangs durch den Bund sei „nicht allein ein großer Erfolg für die Universität Osnabrück, sondern es unterstreicht einmal mehr, inwieweit unser Institut für Islamische Theologie sich bundesweit einen herausragenden Namen erarbeitet hat“, wird Universitätspräsident Wolfgang Lücke in der Mitteilung zitiert. Niedersachsen ist das erste Bundesland, das die Islamische Theologie mit eigenen Professuren dauerhaft an einer Universität eingerichtet hat. Das vor vier Jahren eröffnete Institut für Islamische Theologie (IIT) – mit sieben Professuren und über 40 Mitarbeitern nach eigenen Angaben das größte seiner Art in Deutschland – bildet unter anderem auch Lehrer für den islamischen Religionsunterricht aus und bietet wissenschaftliche Weiterbildungen für Imame deutscher Moscheegemeinden an.

Hausaufgaben gemacht

Von 2011 bis 2016 hatte der Bund den Aufbau des IIT bereits mit 3,3 Millionen Euro unterstützt. „In dieser Phase haben wir alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben“, stellt Projektleiterin Martina Blasberg-Kuhnke fest. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, und das Ministerium würdigt diesen Erfolg vollumfänglich mit der Bewilligung unseres neuen Antrags.“

Dadurch werde die Universität in die Lage versetzt, die Profilbildung der bekenntnisgebundenen islamischen Wissenschaften abzuschließen. Die Projektleitung der zweiten Phase übernehmen Blasberg-Kuhnke als Professorin für katholische Theologie sowie die beiden IIT-Professoren Bülent Uçar (Islamische Theologie und Religionspädagogik) und Rauf Ceylan (Religionssoziologie und Soziale Arbeit). (Weiterlesen: Osnabrücker Islamwissenschaftler kritisiert Machokultur im Orient)

Start in zwei Jahren

Voraussichtlicher Start des als 2-Fächer-Bachelor konzipierten Teilstudiengangs „Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft“ ist nach IIT-Angaben im Wintersemester 2018/19. Gelehrt werden sollen Inhalte der islamischen Theologie, die Funktionsweise und Struktur der Gemeinden, die interkulturelle Bildung und Erziehung sowie Religionswissenschaften. Dem theoretischen Teil folgt ein Anerkennungsjahr.

„Die herausragende Innovation dieses Studienangebots liegt darin, dass der Studiengang mit einem berufsrelevanten zweiten Fach kombiniert werden kann“, erklärt Blasberg-Kuhnke. Damit reagiere die Uni auf den zunehmend feiner gegliederten Arbeitsmarkt für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter.


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