Diskussion im Kunstraum Hase29 Kulturpolitik in Osnabrück: „Stimmung hat sich verändert“

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Welche kulturpolitischen Ziele verfolgen die politischen Parteien? Dieser Frage ist eine Diskussion im Kunstraum Hase29 nachgegangen.

Bei der NOZ-Podiumsdiskussion zum Thema Stadtkultur hatte Kultur-Fachbereichsleiterin Patricia Mersinger auf die Frage nach ihrer Vision für Osnabrück „den Ratsbeschluss“ genannt. Eine taktische Rückgabe: Denn damit hatte sie den Ball der Verantwortung für die städtische Kultur tief ins Feld der Politik gespielt. So gesehen hat eine Veranstaltung im Kunstraum Hase29 die NOZ-Veranstaltung sinnvoll fortgesetzt: Dort diskutierten die kulturpolitischen Sprecher der einzelnen Parteien die Zukunft. Weiterlesen: Die Podiumsdiskussion im NOZ-Medienzentrum

Was verbindet Aachen mit Osnabrück?

ingeladen hatten der Verein freier Kulturträger in Osnabrück (VKO) und die Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück (GZK) in einen symbolträchtigen Ort: Schließlich ist der Kunstraum Hase29 als Folge städtischer Kürzungspolitik entstanden. Um sich aber nicht im eigenen Kulturwäldchen zu verlaufen, haben die Veranstalter einen externen Experten eingeladen, sich Osnabrück mal von außen anzusehen: Peter Grabowski, Journalist, Blogger aus Wuppertal mit dem Fachgebiet Kulturpolitik.

Ihn hatten die Veranstalter beauftragt, Osnabrück mit einer Stadt in Nordrhein-Westfalen zu vergleichen. In Aachen ist er fündig geworden: Die Stadt baut, wie Osnabrück, auf ein „historisches Fundament“ – dort Karl der Große, hier Friede –, hat eine ähnliche geografische Randlage, ähnliche kulturelle Strukturen. Und ähnliche Probleme: Die freie Szene werde „nicht so wertgeschätzt, wie es ihrer tatsächlichen Rolle in der Kultur entspricht“, sagt er. Migranten seien in den kulturellen Strukturen nicht vertreten, Künstler engagierten sich zuwenig kulturpolitisch, wodurch „die Fachexpertise in den Räten fehlt“. Überhaupt sollten Künstler ihre Interessen – gemeinsam! – besser vertreten, „sonst gehen sie im Mahlstrom der Interessen unter“, warnte er. Und schließlich nennt Grabowski einen Umstand, der sicher nicht Ursache für die kulturpolitische Misere in Deutschland ist, sondern eher deren Folge: „Bei der Qualität der Besetzung der Kulturausschüsse ist noch Luft nach oben.“ Und wenn sich die Kultur gegenüber anderen Politikfeldern behaupten müsse, werde es besonders schwierig. Dabei macht doch erst die Kultur eine Gesellschaft zu dem, was sie ist. Weiterlesen: Was brauchen die Osnabrücker Museen?

Konsens über alle Parteiengrenzen hinweg

Was folgt nun daraus für die Kulturpolitiker vor Ort? Fest steht: So weit liegen die Positionen gar nicht auseinander. Existenzen sichern und Raum geben, fordert Giesela Brandes-Steggewentz (Die Linke), Christopher Cheeseman (Piratenpartei) möchte kulturelle Potenziale erschließen, indem möglichst viele Menschen eingebunden werden. Sebastian Bracke (Die Grünen) will Vielfalt erhalten und finanzieren und dadurch Teilhabe für alle erreichen. Bei Dirk Koentopp (SPD) heißt das „Vielfalt fördern“ und außerdem „Vernetzung stärken“, Brigitte Neumann (CDU) will „die Szene erhalten und ausbauen“.

Immer wieder in den Fokus rückt dabei natürlich der größte Kulturbetrieb der Stadt, das Theater. Während Thomas Haarmann (FDP) an die Gründung des Theaters durch die Bürgerschaft erinnert – und daraus wohl den besonderen Stellenwert für die Stadt ableitet –, möchte Claudia Imig (UWG) das angebliche Tabu brechen, über das Theater grundsätzlich zu reden. Dabei scheint Imig allerdings den Finanzexperten gehorsam vorauszueilen, weil sie den Tabubruch in den Kontext weiterer Kürzungen stellt. Bracke hingegen möchte die Lücke zwischen einem Plus im Gesamthaushalt von 6,6 Prozent und lediglich 2,9 Prozent im Kulturhaushalt schließen. „Diese Debatte müssen wir führen“, sagt Bracke. Weiterlesen: Der Kulturausschuss tagt zum letzten Mal in dieser Wahlperiode

Waldschmidt: „Die Stimmung hat sich verändert“

Viel grundsätzlicher wird schließlich Theaterintendant Ralf Waldschmidt. Der erinnert an die funktionierende Mischung aus freier Szene und institutionalisierter Kultur, die er bei seiner Ankunft in Osnabrück vorgefunden habe. „Aber die Stimmung hat sich verändert.“ Jetzt fordert er, „das, was über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsen ist, nicht verschwinden zu lassen“, nur weil momentan zu wenig Geld in der Kasse sei. Er erinnert dabei an Wuppertal und Hagen, „wo das Theater an die Wand gefahren wird“, und appelliert an die Kulturpolitik wie an die rund 50 Zuhörer im Kunstraum, gemeinsam in den neuen Rat hineinzuwirken, „damit die Qualität dieser Stadt nicht ins Kippen kommt“. Es sei Aufgabe aller, „diese Stadt weiterzuentwickeln“. Ein Schlusswort, dem Grabowski nichts mehr hinzuzufügen hat.


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