Tiergestützte Therapie Shetlandpony Hercules trabt durchs Osnabrücker Paulusheim


Osnabrück. Hercules trabt durch das Paulusheim, er geht ohne Zögern auf die Bewohner zu, beschnuppert sie und lässt sich von ihnen streicheln. Das Shetlandpony kann bei der Arbeit mit Patienten ein Schlüssel sein, sagt seine Besitzerin Vera Buddendieck.

Hunde, Hühner und ein Pony – tierischer Besuch steht im Paulusheim auf der Tagesordnung. Geschäftsführer Franz Paul ist sich sicher, dass die Tiere nicht nur „dem Alltag der Bewohner viele gute Tage hinzufügen“, sondern auch Therapien voranbringen. Deshalb hat er die Besuchszeiten im Pflegeheim etabliert. Bis ans Bett kommen die Tiere – auch Shetlandpony Hercules, für den eine Fahrt im Aufzug kein Problem ist. Er fühlt sich im Garten des Paulusheims offenbar genauso wohl wie in den Fluren und Zimmern. Die Bewohner, die Hercules trifft, beschnuppert er. Manchmal bekommen sie von seiner Besitzerin Vera Buddendieck ein Leckerchen, das Hercules ihnen vorsichtig aus der Hand nimmt. Das Pony hat keine Berührungsängste, schmiegt seinen Kopf an fremde Menschen, bis ihm langweilig wird. Dann zieht er am Strick, um die Umgebung zu erkunden.

Angefangen haben die tierischen Besuche in der Pflegeeinrichtung mit Ponys, die seit 1999 an St. Martin ins Paulusheim kommen. Paul bemerkte die positiven Reaktionen, ein Moment blieb besonders in Erinnerung: Ein Mädchen im Wachkoma streckte das erste Mal seine Hand wieder aus, als es die Wärme aus den Nüstern auf der Haut spürte.

Die Krankheit steht nicht mehr im Mittelpunkt

Die Tiere bieten neue Kontaktpunkte, erklärt Paul. Die Bewohner können sie riechen und anfassen, damit kommen sie ihnen näher als den meisten Menschen. Seine Seidenhühner wecken auch bei einigen Patienten Erinnerungen, die einmal selbst Hühner hatten. „Tiere sind außerdem authentisch. Sie bemerken nicht die Einschränkungen, die Menschen oft zuerst sehen“, sagt die Nichte des Geschäftsführers Vera Buddendieck. Die gelernte Erzieherin macht eine berufsbegleitende Ausbildung für tiergestützte Intervention und trainiert mit Hercules für seine Aufgabe im Paulusheim. Das neunjährige Pony kommt aus dem Zirkus und kann einige Tricks. Doch wichtiger als eine Drehung auf Kommando oder Hufe geben sei, dass es lange Zeit ruhig stehe. Denn Hercules soll von den Bewohnern nicht nur gestreichelt, sondern auch gefüttert und geputzt werden. Buddendieck plant auch Spaziergänge mit dem Pony. „Patienten können Verantwortung für das Tier übernehmen, das ist ein wichtiger Aspekt“, sagt sie. So ändere sich der Fokus und die Krankheit stehe jedenfalls für den Moment nicht im Mittelpunkt.

Tiere fördern die Kommunikation

Die Anwesenheit der Tiere wirkt nicht nur während ihres Besuchs, sagt Ergotherapeutin Verena Möller. Sie ist mit ihren Hunden fast täglich im Paulusheim. Die Vorfreude auf die Hunde sei immer groß. Zudem würden die Tiere die Kommunikation fördern: „Die Bewohner haben ein neues Gesprächsthema. Sie erzählen sich untereinander mehr und auch ihren Angehörigen“, sagt Möller. Patienten würden immer nach den Hunden fragen, wenn sie einmal nicht mitkommen. Dabei müssen sie für eine tiergestützte Therapie nicht bei jedem Treffen dabei sein. „Manchmal basteln wir Spielzeuge wie einen Schnüffelteppich. Dabei entdecken die Patienten motorische Fähigkeiten wieder“, sagt sie. Die Motivation etwas für das Tier zu machen sei oft größer, als etwas für sich selbst zu tun. Es gebe sogar Patienten, bei denen Angehörige und Pfleger keinen Zugang fänden, die aber schon im ersten Moment positiv auf einen Hund reagieren. „Eine Frau, die keine Berührung mehr zugelassen hat, ließ sich meinen Hund auf den Schoß setzen“, sagt Möller. Ein wichtiger Schritt für die Therapie.

Schildkröten und Schafe in der Therapie

Und welche Voraussetzungen muss ein Tier als Therapiehelfer mitbringen? „Das meiste muss das Herrchen oder Frauchen können“, sagt Möller. Diese sorgen für die Ausbildung und müssen Tiere sowie Patienten genau beobachten. Sie sollten außerdem ein Gespür für die Belastbarkeit ihrer Helfer entwickeln. Wenn Tiere eine ruhige Art haben, sei dies eine gute Voraussetzung. Dafür kommen nicht nur Hunde und Ponys infrage. Gute Erfahrungen hat Buddendieck mit Schildkröten in der Therapie gemacht. Sie eigneten sich besonders für die Arbeit mit Autisten. Buddendieck möchte die Gruppe ihrer tierischen Helfer künftig noch erweitern. Bald sollen sie und Hercules auch Schafe ins Paulusheim begleiten.


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