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28.08.2016, 18:06 Uhr DIE WAGENBURG WILL BLEIBEN

Sand im Getriebe

Ein Kommentar von Rainer Lahmann-Lammert


Das Paradies auf Erden ist für die Bewohner der Wagenburg das wilde Gelände am Finkenhügel. Kann die Stadt es sich leisten, ein solches Biotop zu erhalten? Foto: Jörn MartensDas Paradies auf Erden ist für die Bewohner der Wagenburg das wilde Gelände am Finkenhügel. Kann die Stadt es sich leisten, ein solches Biotop zu erhalten? Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das Ziel ist anspruchsvoll: 3000 neue Wohnungen sollen bis 2020 entstehen. Alle Fraktionen im Rat sind dafür. Da werden es die Leute von der Wagenburg schwer haben, ihr kleines Paradies am Finkenhügel zu verteidigen. Aber wenn Osnabrück nur auf Wachstum von Einwohnern und Wohnraum fixiert ist, wird einiges auf der Strecke bleiben. Eine lebenswerte Stadt muss auch Subkulturen Raum bieten.

Es ist bemerkenswert, dass sich die Argumente der Bauwagensiedler nicht so sehr von denen wohlsituierter Bürger unterscheiden, die gegen eine neue Straße, einen Gewerbepark oder ein Wohngebiet protestieren. Aber für sie geht es ums Ganze, nicht um einen unverbaubaren Blick. Sie müssen befürchten, aus ihrem kleinen Paradies vertrieben zu werden.

Aus Sicht der Planer ist die Wildwuchs-Community Sand im Getriebe der Stadtentwicklung und ihr Lebensraum erstklassiges Bauland. Das Areal rundet eine bestehende Siedlung ab und lässt sich leicht erschließen. Im Vergleich zu den Flächenreserven in der freien Landschaft dürfte der ökologische Schaden dabei geringer ausfallen. Es besteht auch kein Zweifel, dass die Grundstücke auf rege Nachfrage stoßen werden.

Wenn die Stadt auf die Kräfte des Marktes setzt und die Parzellen gegen Höchstgebot abgibt, werden auf dem Wagenburg-Gelände am Ende vielleicht weniger Menschen leben als jetzt. Das passt nicht zum Anspruch der Stadt, bezahlbaren Wohnraum für viele zu schaffen. Am Hirtenhaus wird sich zeigen, wie ernst es ihr damit ist.


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