Cowsharing Osnabrücker Verein baut Herde mit Hochlandrindern auf

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Osnabrück. Einen Stall sehen diese Rinder nicht. Zwölf Monate bleiben die Schottischen Hochlandrinder auf der Weide in Gretesch. Wolkenbruch, Sonnenschein, Sturm, Schnee und Hagel macht ihnen nichts aus, Hauptsache, es ist immer Futter und Wasser da. Der Verein Weidelandschaften baut mit seinem Projekt Cowsharing eine Hochlandrinder-Herde auf.

Ute und Fenja Hanke schauen mit Detlef Vogelpohl gerade nach der Herde. Sie gehören zu den Besitzern, wenn ihnen auch nur ein achtundzwanzigstel Teil an der Rinderherde gehört. Eigentlich gibt es nur 14 Besitzer, aber Hankes teilen sich mit einer anderen Familie einen Anteil, der sich letztlich aber nur auf Vermarktung oder Schlachtung bezieht. Das ist Fenja (8) egal. Wenn sie mit ihren Eltern die Tiere besucht, dann freut sie sich, wenn die Mutterkühe Clarabelle und Samantha ihr aus der Hand fressen. ( Weiterlesen: Geteilte Kühe: Osnabrücker können jetzt Cowsharen )

„Meine Kinder sollen sehen, woher das Fleisch kommt, das zuhause auf den Tisch kommt“, sagt Tobias Wulftange (36), einer der 14 Teilhaber am Cowsharing-Projekt. Er ist schon im letzten Jahr eingestiegen, hat seinen Jahresanteil von 225 Euro bezahlt und im letzten Herbst 23 Kilo Fleisch von einem Rind erhalten. Die Kreuzung aus Deutsche Angus und Charolais gilt als eine besondere Fleischrasse, denen Feinschmecker gerne ein Edel-Siegel aufdrücken.

Küchenfertige Portionen

Ein Landschlachter sorgt für eine gerechte Aufteilung des entbeinten Fleisches. Tobias Wulftange konnte die küchenfertigen Portionen, wie acht 300-Gramm-Steaks, acht Rouladen, Braten und Suppenfleisch direkt in die Gefriertruhe legen. „Das ist bei dieser Weidenhaltung absolutes Biofleisch, also ein gesundes Lebensmittel“, sagt 36-Jährige. Sein sechsjähriger Sohn hat dem Landschlachter bei seiner Arbeit zugesehen, nach dem das Tier betäubt und dann geschlachtet worden war. „Wer Fleisch isst, dem muss klar sein, dass dafür ein Tier stirbt“, sagt der Vater.

Anders als Wulftange kann Teilhaber Frank Bunselmeyer (49) auf eine Nähe zur Landwirtschaft verweisen. Seine Großeltern hatten einen Hof in Nolle, wo es Schweine, Rinder und Hühner gab. „Ich will meiner Familie gesunde Lebensmittel bieten“, begründet er sein Engagement im Cowsharing-Projekt. Seine Kinder (16 und 18) sind Feuer und Flamme, fahren gern mit, wenn alle 14 Tage sonntags der Weidegang ansteht. „Man sieht in diesem Abstand, wie die Tiere wachsen und wie wohl sie sich fühlen“, sagt der Maschinenbau-Diplomingenieur.

Die Aufgaben eines Pflichtbesuchs sind in einer halben Stunde erledigt. Wasser muss nachgefüllt, Unterstand, Elektrozaun und Solaranlage kontrolliert und auf den Zustand der Tiere geachtet werden. „Und dann schaut man auf die friedlich grasenden Rinder, auf die Mutterkühe mit den langen Hörnern und die Kälbchen und schaut und schaut“. Dass sich auch Radfahrer und Wanderer nicht sattsehen können an diesem Bild, ist besonders an den Wochenende zu sehen. ( Weiterlesen: Osnabrücker Cowsharing geht in die zweite Runde )

Vom Interesse überrascht

Der Initiator des Cowsharings, Weideland-Geschäftsführer Jan-Philip Kunath (44), war schon im vergangenem Jahr vom Interesse an diesem Projekt überrascht worden. 124 hatten sich um eine Teilhabe beworben, es gab aber nur 28 Plätze, in diesem Jahr sind es schon 60. Auf fünf Flächen im Stadtgebiet stehen die Rinder. Die 5,3 Hektar große Fläche am Daumeyersweg hat der Verein Weidelandschaften von der Stadt gepachtet.

Es ist eine Ausgleichsfläche, die die Stadt bewirtschaften müsste. Nun übernimmt die Rinderherde diese Arbeit. Durch die extensive Beweidung entstehen vielfältige Vegetationsstrukturen und Offenbodenbereiche, die Lebensraum für bedrohte Pflanzenarten bieten. Außerdem fördert der Rinderkot die Insektenfauna, wovon die Vögel profitieren, bestätigte die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, die das Projekt über drei Jahre mit 62.200 Euro fördert.

Drei Muttertiere

Neben den Angus-Rindern hat auch der Aufbau der Hochland-Rinder starkes Interesse gefunden. Die Keimzelle der künftigen Herde besteht zurzeit aus drei Muttertieren, zwei Kälbchen und einem Einjährigen. Bald soll ein Bulle dazugehören, um für eine natürliche Vergrößerung der Herde zu sorgen. Auch hier greift das Cowsharing-Prinzip, doch bevor mit einer Verzinsung des Teilhaberbetrages von 370 Euro plus 70 Euro jährlich zu rechnen ist, vergehen drei Jahre, in denen Nachwuchs kommt. Dann erst entscheiden die 14 Teilhaber, ob Tiere geschlachtet oder verkauft werden. Die Verzinsung hält sich aber in Grenzen. Kunath: „Die Teilhaber machen keinen Gewinn, sondern dürfen sich über eine hohe Fleischqualität freuen“.


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