BBK Kunst-Quartier Österreicher erfassen Goldwert künstlerisch

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Osnabrück. „Goldene Zeit-Verschiebung“ lautet der Titel einer Rauminstallation, die am Freitag, 26. August, im BBK Kunst-Quartier eröffnet wird. Ein Künstlerkollektiv aus Österreich geht dem Begriff Zeit auf den Grund und fragt nach dem Wert von Gold.

Beim Betreten des Quartiers ist der Besucher gefordert: Aus einem rostigen Regal nimmt er eine Stempelkarte, führt sie in eine historische Stechuhr und betätigt einen Hebel. Was früher zur Erfassung der Arbeitszeit an Werkstoren diente, wird jetzt in seiner Funktion variiert: Beim Stempeln der Karte wird der Auslöser einer Kamera betätigt, ein Selfie geschossen und auf den Bildschirm eines antiken Fernsehgeräts geschickt, das im Schaufenster des Kunstquartiers steht. Die „Zeitnehmer-Schleuse“ ist aktiviert, der Besucher erfasst, die „Zeitverschiebung“ beginnt.

„Zeit“ ist in diesem Jahr in Osnabrück das kulturelle Schwerpunktthema. Daher haben Johannes Angerbauer-Goldhoff und das KollektivNN für ihre Ausstellung im BBK Kunst-Quartier etwas zum Thema Zeit konzipiert. Zum Beispiel ein Wasserbassin, in dem ein Kind schwimmt. Natürlich kein echtes, sondern ein Kind aus Seife. Im Laufe des Ausstellungszeitraums wird sich die Seife im Wasser lösen. Symbolträchtig verschwindet das Kind, es verwandelt sich in Seifensatz. Assoziationen zu aktuellen Geschehnissen in Europa, speziell im Mittelmeer, sind gewollt. Hoffnungsschimmer: Am Ende der Ausstellung wird „ausgesalzt“. Das heißt, die gelöste Seife wird abgeschöpft und zu Kernseife recycelt, die im November in einer Galerie in Linz ausgestellt wird. Ein Prozess.

Auf das Prozesshafte wie auch das Partizipative kommt es den Künstlern aus Österreich an. Nur Johannes Angerbauer-Goldhoff wird als Initiator namhaft gemacht, die anderen Künstler firmieren unter NN = No Name. „Wir geben Angerbauers Kunst ein Feedback“, sagen sie, wenn sie einen „Flucht-Schuh“ inszenieren. Beim Berühren des goldenen Fußbetts ertönt eine Stimme, die Daten anprangert. Derweil kann man sich diverse Originalausgaben der Wochenzeitung „Die Zeit“ anschauen, in Versandhüllen aus Kunststoff eingeschweißt und mit Blattgold belegt. Nur an bestimmten Stellen schimmert die Titelseite durch das Gold: „Demokratie… eine große Komödie“ kann man da beispielsweise lesen, aus dem Zusammenhang gerissen und zu einer neuen Bedeutung gefügt. Gold ist das Arbeitsmaterial, mit dem die Künstler bevorzugt arbeiten. Ob im Selbstporträt oder als „Bodengold“: Das Edelmetall, einst aus der Erde gewonnen, wird in der Geschichte der Menschheit zum Wertobjekt, zu Schmuck, zu Geld, zur Wertanlage, zum Zahnersatz. Es lässt Menschen kriminell werden. Oder es wird zum Kunstwerk.


BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „Goldene Zeit-Verschiebung“. Rauminstallation von Johannes Angerbauer-Goldhoff und KollektivNN. Freitag, 26. August (Eröffnung mit spezieller Vernissage-Performance um 19 Uhr) bis 17. September, Di. - Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr. Weitere Infos unter hier.

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