Neuer Name: 3g Group GmbH Die Zion GmbH kehrt Osnabrück den Rücken

Die Zion GmbH ist Geschichte: Inzwischen ist der Namenszug auf den Schildern am ehemaligen Güterbahnhof entfernt worden. Foto: Jörn MartensDie Zion GmbH ist Geschichte: Inzwischen ist der Namenszug auf den Schildern am ehemaligen Güterbahnhof entfernt worden. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Zion GmbH nennt sich jetzt 3g Group. Zugleich kehrt die Eigentümergesellschaft des Güterbahnhofs Osnabrück den Rücken und verlegt ihren Firmensitz ins brandenburgische Zossen. Offensichtlich ist dieser Schritt eine Folge der massiven Spannungen mit der Stadt Osnabrück.

Die 18000-Einwohnerstadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming 20 km südlich von Berlin genießt einen Ruf als kleines Steuerparadies, weil der Gewerbesteuerhebesatz nur 200 Prozent beträgt. Zum Vergleich: In Osnabrück müssen Unternehmen bei einem Satz von 440 Prozent mehr als doppelt so viel Gewerbesteuer an die Stadt abführen. Die Steuerlast dürfte aber wohl nicht der Hauptgrund sein, dass die GmbH, die seit vier Jahren über den größten Teil des ehemaligen Güterbahnhofsgeländes verfügt, mit ihrem Büro und Geschäftssitz nach Brandenburg geht.

Als Willkür empfunden

Seit 2012 ist das anfangs gute Verhältnis zwischen der Zion GmbH und der Stadt merklich getrübt. Aus Reibereien wurden Dauerkonflikte, die wohl noch lange die Gerichte beschäftigen werden. Zur unendlichen Geschichte hat sich etwa ein Rechtsstreit vor dem Landgericht um ein Grundstücksgeschäft entwickelt. Weil sich Zion-Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer von der Stadt drangsaliert fühlte, widerrief er aus formalen Gründen ein Grundstücksgeschäft, das Voraussetzung für den Bau einer neuen Brücke an der Hamburger Straße ist.

Gervelmeyers Empörung richtet vor allem gegen die Veränderungssperre , die der Rat vor drei Jahren für das gesamte Plangebiet erlassen hat. Sie gilt bis zum 30. September und schränkt die gewerbliche Nutzung auf der Industriebrache erheblich ein. Das Ende der Veränderungssperre ist nicht das Ende der Reglementierung. Wenn zeitgleich der neue Bebauungsplan 370 in Kraft tritt, wird der ehemalige Güterbahnhof zwar zum Gewerbegebiet erklärt, aber ein Teil davon soll nur für Lagerzwecke genutzt werden dürfen. Jedenfalls, so lange keine bessere Verkehrsanbindung besteht. Und auch das kann dauern.

Büro muss Kreisverkehr weichen

Die Zion GmbH hat unter dem Titel „ Gleis 49“ ein eigenes Nutzungskonzept für die Industriebrache vorgelegt, nach dem auch Mischgebiete zugelassen werden sollten, etwa „Arztpraxen, Apotheken, Büros, kirchliche, kulturelle und sportliche Gewerbebetriebe“, wie die Stellungnahme heißt. Auch für den Bau von Wohnungen hat sich das Unternehmen eingesetzt, ist damit bei den Stadtplanern aber auf Granit gestoßen. Schon wegen der Lärmbelästigung durch die Bahn scheide eine solche Nutzung aus, lautet deren Begründung.

Ralf Gervelmeyer war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. In der Vergangenheit hat er aber wiederholt deutlich gemacht, dass er sich als Opfer behördlicher Willkür sieht. Als Schikane mag er auch die Absicht der Stadt empfinden, das frühere Bahngebäude mit seinem Büro an der Hamburger Straße 22 zugunsten eines Kreisverkehrs verschwinden zu lassen.

Überschaubare Gewerbesteuer

Obwohl diese Planung wohl erst in einigen Jahren realisiert werden kann, hat die Zion GmbH Anfang August das Feld geräumt. Das Handelsregister des Amtsgerichts Potsdam weist aus, dass sich das Unternehmen unter dem neuen Namen 3g Group GmbH an der Hauptstraße 28 in Zossen niedergelassen habe. Die Kleinstadt am Motzener See hat mit ihrer offensiven Dumping-Gewerbesteuerpolitik schon mehrfach überregional Schlagzeilen gemacht, etwa als die „Berliner Morgenpost“ titelte: „Das kleine Zossen zeigt‘s den Großen“.

Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep glaubt nicht, dass niedrige Gewerbesteuersätze die Standortvorteile einer Großstadt wettmachen können. Im Übrigen stehe Osnabrück mit einem Hebesatz von 440 Prozent noch günstig da – auf Platz 11 im Ranking von 80 Städten mit über 100000 Einwohnern.

Filleps Enttäuschung über den Wegzug der Gesellschaft mit dem biblischen Namen hält sich in Grenzen: „Die Zion GmbH ist mir nicht bekannt als einer der wichtigsten Gewerbesteuerzahler in Osnabrück“, sagt der Stadtkämmerer.


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