Holzhaus gibt Denkanstöße Forschung und Kunst vor der Marienkirche

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Der Künstler im Forscherhaus: Zur Kulturnacht baut Werner Kavermann ein selbst gebautes Haus vor der Marienkirche auf. Noch ist die Einrichtung nicht fertig. Foto: Tom BullmannDer Künstler im Forscherhaus: Zur Kulturnacht baut Werner Kavermann ein selbst gebautes Haus vor der Marienkirche auf. Noch ist die Einrichtung nicht fertig. Foto: Tom Bullmann

Osnabrück. Zur Kulturnacht am kommenden Samstag eröffnet Werner Kavermann auf dem Marktplatz seine Installation „Hight Time“. Damit fährt der Osnabrücker Künstler seine Antennen als Forscher aus.

Aus einer Weltkugel erheben sich riesige, rauchende Schlote als Symbol für die rücksichtlose Ausbeutung unserer Welt. „Wenn wir so weitermachen, ist die Erde bald ruiniert“, sagt Werner Kavermann, der das Objekt aus Ton geschaffen hat. Als Künstler versteht er sich als Forscher, der eine Verantwortung gegenüber der Umwelt hat. Seinen Appell, bewusster und schonender mit unseren natürlichen Ressourcen umzugehen, transportiert er mit den unterschiedlichsten Skulpturen, Objekten, Videos und Installationen. Zur Kulturnacht am 27. August stellt er ein ganzes Haus voll mit Kunstwerken vor die Marienkirche.

Unwirtliche Orte

„Mich faszinieren Menschen, die monatelang in Forscherhäusern leben, um Umwelt-Messungen vorzunehmen. Oft sind es zu bestimmten Zeiten recht unwirtliche Orte in den Polarregionen“, sagt Kavermann, der ein ähnliches Haus jetzt mitten in der Osnabrücker City aufstellt. Sein Holzhaus vor unserer Haustür ist allerdings nicht durch Funktion, sondern durch Inhalt gekennzeichnet und zur Besichtigung freigegeben.

Hier weiterlesen: Die Kulturnacht am 27. August.

Vor einiger Zeit hatte Kavermann Mitarbeiter vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven kennengelernt, das sich der Polar- und Meeresforschung widmet. Für sein Projekt haben ihm die Kollegen auch gleich mehrere Instrumente zur Messung von Windgeschwindigkeit und Sonnenintensität zur Verfügung gestellt, die Kavermann jetzt pro forma in seine Installation integriert. Eine vielschichtige Kombination zwischen Technik und Kreativität.

Aus Spanplatten

Drei Tage lang hat er mit Freunden und Verwandten das Haus aus Spanplatten zusammengeschraubt. „Wenn mein Schwager, der Zimmermann ist, und ein befreundeter Tischler nicht tatkräftig mitgeholfen hätten, wäre die Realisation meiner Idee gar nicht möglich gewesen“, sagt er. Wegen der eifrigen Unterstützung konnte er auch eine zweite Etage in das Haus einbauen, auf der bei der Kulturnacht der koreanische Sänger Kyodong vor einer Leinwand ein Lied singt. Es handelt sich ein Lied seines Vaters, der in Nordkorea geboren wurde, jetzt in Südkorea lebt und daher einem bestimmten Ritual nicht mehr folgen kann: Traditionell lassen sich Koreaner in heimatlichen Bergbereichen begraben. Die heute verschlossene Grenze zwischen Süd und Nord macht das unmöglich. „Darum geht es in dem Lied. Um Natur, Heimat, Entfremdung, Sehnsucht“, betont der Künstler.

Wie ein UFO

Zurzeit befindet sich Kavermanns Haus auf einem großen Asphaltplatz auf dem Gelände der ehemaligen Briten-Kaserne am Limberg. Wie ein UFO steht es da, fremd, aber einladend. Bald wird es in mehrere Teile zerlegt, auf einen LKW verfrachtet, zum Marktplatz transportiert und vor der Marienkirche wieder aufgebaut. Der Bau ist so konzipiert, dass man ihn nicht betreten und nur von außen betrachten soll. Wie Zuschauer können Passanten ihren Blick in ein Wohnzimmer werfen, in dem beispielsweise der Strom aus einem Holzscheit kommt und ein Tisch sich surreal verbiegt.

„Ich hoffe, dass sich viele Leute, die normalerweise nicht ins Museum gehen, von meinem Haus angezogen fühlen, dass sie es inspizieren und sich zu Gedanken anregen lassen“, wünscht sich der Künstler, der dem Werk den Titel „High Time“ gab. Das soll einerseits für die „höchste Zeit“ stehen, um etwas an unseren Klimaverhältnissen zu ändern. Es soll aber auch ein Ausdruck für unser technisch hoch entwickeltes Zeitalter sein, in dem eigentlich jeder seine Konsum- und Lebensstandards zurückfahren müsste, wenn die Erde nicht für nachrückende Generation unbewohnbar werden soll.

Marktplatz Osnabrück (vor der Marienkirche): „High Time“. Kunstprojekt zum Thema Natur, Umwelt und Forschung. 28. August, 17-21 Uhr. Im Rahmen des Jahreskulturthemas „Zeit“ noch bis 2. Oktober.


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