Wettermessungen in den Haseauen Eine Drohne erkundet das Osnabrücker Klima

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Osnabrück. Im Auftrag des Fachbereiches Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück finden zurzeit Wettermessungen für die Untersuchung des Stadtklimas statt. In den Haseauen am Umspannwerk in Lüstringen erstellten Experten aus Hannover mithilfe einer Drohne ein Diagramm der Temperaturverteilung. Ziel der Messungen ist eine Klimawandelprognose bis in die Jahre 2030/2040.

Der Klimawandel ist ein Thema, das auch vor Osnabrück nicht halt macht. Seit 1950 ist die Durchschnittstemperatur in der Stadt um 1,5 Grad angestiegen und mit ihr hat sich auch die Zahl der sogenannten „tropischen Nächte“ verdreifacht. „Darunter verstehen wir Nächte, in denen noch um Mitternacht Temperaturen von 20 Grad Celsius herrschen“, so Ulrich Greiten vom städtischen Fachbereich Umwelt und Klimaschutz. Bekannterweise erhitzt sich die Luft in Städten dabei noch stärker als im Umland. Grund sind unter anderem Gebäude und Straßen, die zusätzlich Wärme abstrahlen.

Erste Untersuchung 1996

1996 gab es bereits eine Untersuchung, um die stadtklimatische Situation abzubilden. Es wurden Temperaturen ermittelt, die belegten, dass zwischen dem Rißmüllerplatz und dem Kalkhügel in der Nacht Unterschiede von bis zu acht Grad bestehen.

Eine zweite wichtige Erkenntnis aus der Untersuchung war die Identifizierung von sogenannten Frischluftschneisen, die im Prinzip wie eine Klimaanlage funktionieren. Durch eine solche Schneise kann kalte, frische Luft, die sich im Umland etwa über Grünflächen und Wasser bildet, in die Stadt fließen. Acht dieser Frischluftzufuhrkanäle gibt es in Osnabrück. Einer von ihnen befindet sich an den Haseauen in Lüstringen, wo am Mittwoch die Messungen stattfanden. Die Luft fließt von hier über den Güterbahnhof in Richtung Neumarkt. Andere Schneisen befinden sich unter anderem am Sandbachtal und an der Nette.

Die Identifizierung solcher Frischluftschneisen hat auch Auswirkungen auf die Bauleitplanungen. Denn auf den Flächen solle es keine Hindernisse geben, die den Luftstrom aufhalten, wie etwa Hochhäuser.

Drohne im Vertikalflug

Am Mittwoch nahmen die Fachleute der Firma Geo-Net aus Hannover in Kooperation mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität detaillierte Messungen vor. Sie zündeten unter anderem sogenannte Rauchtabletten. Durch die Schwaden, die mit dem Wind ziehen, konnten so die Frischluftströmungen in der Schneise an den Haseauen beobachtet werden.

Außerdem setzten die Spezialisten eine Drohne mit einem Temperatursensor ein. Sie stieg bis in 100 Meter Höhe auf. Damit konnte ein „vertikales Temperaturbild“ erstellt werden, mit dem das Phänomen der sogenannten Bodeninversion aufgezeichnet werden kann.

Nach Sonnenuntergang kühlt der Boden schnell ab und so entstehen in geringer Höhe kalte Luftmassen. Ab einer gewissen Höhe, der Inversionshöhe, hat die kalte Erdoberfläche aber keinen Einfluss mehr auf die Lufttemperatur. Da Luft nicht so schnell auf Temperaturveränderungen reagiert wie der Boden, sind die Schichten über der Inversionshöhe wärmer. Die Minimaltemperatur wird erst nach der nächtlichen Abkühlung in den frühen Morgenstunden erreicht.

Durch diese Bodeninversion bildet sich kalte Luft, die durch die Frischluftschneisen in die Stadt gelangen können. Durch den Sensor, der acht Meter unter der Drohne befestigt war, konnten die Experten den Temperaturverlauf genau nachvollziehen.

Bis die Ergebnisse der Messungen vorliegen, wird es noch einige Monate dauern. Für die Klimaanpassungsstrategie investiert die Stadt Osnabrück 110 000 Euro. 70 Prozent davon stammen aus Mitteln des Bundesumweltministeriums.


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