Sprachförderung an der Berufsschule So werden Flüchtlinge in den Osnabrücker Alltag integriert

Von André Pottebaum



Osnabrück. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat am Donnerstag das Berufsschulzentrum am Westerberg besucht, um sich ein Bild von der Eingliederung junger Zuwanderer in den Alltag an Osnabrücker Schulen zu machen. Anschließend diskutierte er mit zahlreichen Kooperationspartnern der Schule über ihre Erfahrungen mit den Jugendlichen vor Ort.

Integration hautnah und das persönliche Schicksal junger Menschen: Begrüßt wurde der OB von Ali Haboosh, einem Schüler aus einer der Sprint-Klassen (Sprach- und Integrationsklassen) des Berufsschulzentrums am Westerberg (BSZW). „Wir freuen uns, dass Sie hier sind. Ich komme aus Syrien und bin 17 Jahre alt. Seit einigen Monaten lebe ich in Osnabrück. Mein Ziel ist es Automechatroniker zu werden“, sagte Ali und wusste mit seinen Deutschkenntnissen auch Griesert zu beeindrucken.

Zahlreiche Schüler der Sprint-Klasse stellten sich dem Oberbürgermeister vor und berichteten über ihren Aufenthalt in Osnabrück und ihre berufliche Zukunft am BSZW. Ali Ahmed aus Syrien schilderte eindrucksvoll seinen Weg bis nach Deutschland. Er war mit einem Auto aus Syrien in die Türkei geflohen, um anschließend mit einem völlig überfüllten Boot nach Griechenland zu fahren. Nach ein paar Tagen vor Ort sei er mit dem Zug nach Mazedonien gereist und von dort mit dem Bus nach Kroatien weitergefahren. Über Österreich sei er schließlich nach Deutschland gekommen und in Osnabrück gestrandet. „Ich bin einfach nur glücklich, hier zu sein in Deutschland“, sagt er.

Anschließend stellten die Jugendlichen dem OB zahlreiche Fragen, der diese mit viel Geduld beantwortete. Dabei ging es um die Aufgaben eines Bürgermeisters, um die Wahl zum Bürgermeister einer Stadt und ob er trotz zahlreicher Verpflichtungen noch Zeit für private Hobbys habe. Klassenlehrerin Ida Hoeksma berichtete stolz über die Entwicklungen der Klasse und freute sich über den Besuch von Griesert. „Die meisten der Schüler sind erst seit sieben Monaten hier und sprechen schon sehr gut Deutsch“, so Ida Hoeksma.

Integrationsprogramm des Berufsschulzentrums am Westerberg

Das Berufsschulzentrum am Westerberg betreut neben der Ausbildung von 3000 Schülern in 42 Ausbildungsberufen auch 160 Schüler in sieben Sprachförderklassen und fünf Sprint-Klassen. In den so genannten Sprach- und Integrationsklassen werden Schüler, entsprechend ihres Sprachniveaus, im Schwerpunkt „Deutsch als Zweitsprache“ unterrichtet, um sie auf den Alltag im Allgemeinen und die Ausbildungsmöglichkeiten des BSZW im Speziellen vorzubereiten.

„Die Bildung ist ein wichtiger Punkt zur Integrationsleistung und beginnt mit dem Spracherwerb und der beruflichen Orientierung“, sagt Schulleiter Franz Josef Papenbrock. Die Sprachförderung der Jugendlichen sei das A und O, um den Integrationsprozess der jungen Zuwanderer zu gewährleisten. Unterstützt werde diese Maßnahme durch die Berufsorientierung und -vorbereitung aber auch durch die Integration in die Schulgemeinschaft. „Wesentlich ist jedoch die Integration in die Lebenswelt. Wenn Jugendliche die Schule verlassen, müssen wir sie unterstützen. Wir dürfen sie nicht in ihr Milieu zurückfallen lassen“, sagt Ulf Zumbrägel vom BSZW.

Kooperationspartner schildern ihre Erfahrungen mit jugendlichen Zuwanderern

Die Kooperationspartner des Berufschulzentrums am Westerberg zeigten sich mit der Integration der Jugendlichen überwiegend zufrieden. Reimund Beer von der Handwerkskammer Osnabrück freute sich die Ausbildungsmöglichkeiten der Jugendlichen am BSZW und betonte die gute Qualifikation angehender Azubis der Handwerkskammer, die vom BSZW kommen. „Der Prozess der Integration wird zwar sehr lange dauern. Allerdings zeigen die Auszubildenden bei uns sehr viel Engagement und Zielstrebigkeit“, so Reimund Beer.

„Ein hohes Sprachniveau muss vorhanden sein, um eine Ausbildung beginnen zu können. Das Ziel muss es sein, junge Zuwanderer erfolgreich in die Ausbildung zu bringen“, sagt Sonja Splittstößer von der Industrie- und Handelskammer Osnabrück. Lutz Hethey von Help Age Deutschland fordert hingegen jugendlichen Zuwanderern mehr Zeit bei der Integration zu gewähren und sie im Alltag nicht zu überfordern. „Die Messlatte für das Sprachniveau ist häufig zu hoch. Wir brauchen mehr Geduld im Umgang mit den Jugendlichen und müssen unsere Erwartungshaltung reduzieren“, so Hethey.

Für Sebastian Häfker von der Polizei Osnabrück sei es hingegen wichtiger die traumatisierten Jugendlichen emotional abzuholen. Aus seinem Sportprojekt „Faires Kämpfen“ weiß er um die Bedeutung der emotionalen Integration, um Berührungsängste abzubauen und Freundschaften zu entwickeln. Oberbürgermeister Griesert betonte schließlich, das Integration nicht vom Himmel falle und nur gelingen könne, wenn die Gesellschaft bereit sei Zuwanderer aufzunehmen. Einig waren sich die Experten jedoch in einem: Ohne deutsche Sprachkenntnisse kann eine Integration von Zuwanderern – egal ob jung oder alt – nicht gelingen.


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