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Intelligentes Stromnetz Osnabrücker Stadtwerke starten Pilotprojekt im Stadtteil Wüste

In der Netzleitstelle der Stadtwerke an der Alten Poststraße (von links): Ingo Hannemann, Heinz-Werner Hölscher und Christian Drecksträter. Foto: StadtwerkeIn der Netzleitstelle der Stadtwerke an der Alten Poststraße (von links): Ingo Hannemann, Heinz-Werner Hölscher und Christian Drecksträter. Foto: Stadtwerke

Osnabrück. Früher kam der Strom fast nur aus dem Kraftwerk. Heute wird Strom auch im Windpark oder über die Fotovoltaikanlage auf dem eigenen Dach erzeugt. Die Verteilnetze, die den Strom in jede Wohnung bringen, sollen auf verschiedene Einspeisungen intelligenter reagieren können. Dazu starten die Stadtwerke ein Pilotprojekt im Stadtteil Wüste.

Bei der Versorgungssicherheit belegten die Stadtwerke bundesweit den fünften Platz, sagte Ingo Hannemann. Jetzt wolle sich das Unternehmen verstärkt den Herausforderungen der Energiewende zuwenden. Dazu hatten die Stadtwerke die Tochtergesellschaft SWO Netz GmbH gegründet, die seit Jahresbeginn für den Netzbetrieb zuständig ist.

Ein intelligent gesteuertes Stromnetz („smart grid“) sei nicht allein aufgrund der verschiedenartigen Erzeugungsarten und schwankender Einspeisung notwendig, erläuterte SWO-Geschäftsführer Heinz-Werner Hölscher in einer Pressekonferenz. Durch die fortschreitende E-Mobilität sei künftig auch mit anderen Belastungen des Stromnetzes zu rechnen. Was passiert zum Beispiel, wenn in ein paar Jahren nach Feierabend viele Elektroautos gleichzeitig aufgeladen werden?

Diese und andere Szenarien sollen in den kommenden Monaten im Pilotgebiet an der Alfred-Delp-Straße im Stadtteil Wüste erforscht werden, kündigte Projektleiter Christian Drecksträter an. Es handelte sich um ein rund 60000 Quadratmeter großes Gelände mit 60 Gebäuden und 125 Wohnungen, in denen annähend 350 Menschen leben. An diesem Mittwoch werden Faltblätter mit den Plänen in ihren Briefkästen stecken.

Danach beginnen im Juni vorbereitende Umbauarbeiten, die laut Drecksträter keine Verkehrsbeeinträchtigungen mit sich bringen. Auch der Netzzugang und die Stromversorgungen seien sicher. Eventuell könne es zu einmaligen Stromausfällen kommen, die aber in jedem Fall vorher angekündigt würden.

Anschließend wird die SWO die sogenannten Lastflüsse messen und auswerten. Der Datenschutz werde dabei eingehalten, versicherte Drecksträter: Da ganze Kabelstränge gemessen würden, seien keine Rückschlüsse auf den Stromverbrauch einzelner Häuser oder Wohnungen möglich. Der Netz-Experte hofft auf Zustimmung der Anlieger, die das Projekt sogar aktiv unterstützen könnten. So könnten einige Anwohnern E-Autos zur Verfügung gestellt werden, die zu bestimmten Zeiten aufgeladen werden.

Die Anwohner der Alfred-Delp-Straße sollen regelmäßig über das Projekt auf dem Laufenden gehalten werden. Für den Sommer sei ein „Tag des offenen Schaltschrankes“ geplant.

Die Ergebnisse der Studie sollen den Stadtwerken bei der Planung ihres Stromnetzes der Zukunft helfen. Die Hochschule Osnabrück nutzt sie für ein begleitenden „City-Grid“-Forschungsprojekt. Mehr Informationen unter www.swo-netz.de .


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