Kritik auch aus Osnabrück Ärger um höheres Honorar für Lehrer in Integrationskursen

Zweiklassengesellschaft: Deutschlehrer in Integrationskursen sollen mehr Honorar bekommen. Ihre Kollegen in anderen Sprachkursen haben das Nachsehen. Foto: dpaZweiklassengesellschaft: Deutschlehrer in Integrationskursen sollen mehr Honorar bekommen. Ihre Kollegen in anderen Sprachkursen haben das Nachsehen. Foto: dpa

Osnabrück. Lehrer, die Integrationskurse leiten, sollen künftig 35 Euro in der Stunde bekommen. Die Osnabrücker Sprachschulen stellt das vor bürokratische und finanzielle Herausforderungen. Sie erhoffen sich mehr Unterstützung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

Am 12. Juli erreichte ein Rundschreiben vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mehr als 1400 Bildungsträger in Deutschland , die Integrationskurse anbieten, darunter auch mehrere Osnabrücker Sprachschulen. Der Inhalt: Das Bundesinnenministerium habe entschieden, dass rückwirkend zum ersten Juli das Honorar von Lehrern in den Integrationskursen auf 35 Euro pro Unterrichtsstunde erhöht wird. Gleichzeitig zahle das Bamf einen erhöhten Teilnehmerzuschuss von 3,90 Euro pro Stunde und Teilnehmer. Dies gelte für Integrationskurse, die ab dem 1. Juli gestartet sind.

Besserstellung der Integrationslehrer

Die Neuverordnung aus dem Bundesinnenministerium sorgt für viel Unmut bei den Sprachschulen. Im Kern dreht sich der Konflikt unter anderem darum, dass die Lehrer von Integrationskursen künftig bessergestellt sein sollen als ihre Kollegen in anderen Sprachkursen, und dass die Bildungsträger die höheren Honorarkosten auf Dauer nicht stemmen können.

Wer sich jedoch nicht an die neue Entlohnung halte, bekomme die Zulassung für Integrationskurse, die zuvor in einem aufwändigen und kostenintensiven Bewerbungsprozedere erworben wurde, nach nur einem Jahr wieder aberkannt, so das Ministerium. Bis zum 31. August sollen die Träger kurzfristig in einer Art Zusageerklärung ihre Kooperation bekunden.

Anbieter unter Druck

„Das ist ein erhebliches Druckmittel. Hier wird den Bildungsträgern die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt Lutgar Wortmann, Geschäftsführer des Internationalen Bunds Osnabrück, der rund 25 freiberufliche und nur ein bis zwei festangestellte Lehrkräfte für seine Integrationskurse beschäftigt.

Bereits zum 1. Januar war die Vergütungsuntergrenze von Integrationslehrern auf 23 Euro angehoben worden. Nun folgt bereits nach sechs Monaten eine weitere Erhöhung um 52 Prozent, während der Satz pro gefördertem Sprachkursteilnehmer aber nur um 25 Prozent steigt. „Da würde jeder Geschäftsmann sagen, dass etwas nicht stimmt“, sagt Lutgar Wortmann. Gleichzeitig läge das Risiko nur bei den Sprachschulen. Denn wenn Leute nicht mehr zum Kurs kommen, was öfters mal der Fall sei, fehlen die Zuschüsse vom Bamf. Die Lehrer müsse man aber trotzdem zum höheren Tarif bezahlen.

Teilnehmer springen ab

„Einen Deutschkurs abzuhalten, lohnt sich für die Sprachschulen erst ab dem 16. Teilnehmer“, sagt Steffen Groß, Vorsitzender von Inlingua Deutschland. Das gehe aus der Kostenkalkulation mehrerer Integrationskursträger hervor. Selbst bei 16 Teilnehmern decke man gerade mal die Kosten. Die meisten Sprachschulen kalkulieren daher mit 18 bis 20 Schülern, auch zur Sicherheit, weil ihnen im Laufe des Kurses immer wieder Teilnehmer davonlaufen.

Aus pädagogischen Gründen mache eine Kursgröße von 20 Personen aber wenig Sinn. Die Alphabetisierungskurse, die einen Teil der Integrationskurse ausmachen und Asylbewerbern aus anderen Sprachkreisen überhaupt erst das deutsche Schriftsystem vermitteln, erlauben zum Beispiel nur eine Teilnehmerzahl von 14 Personen – aus gutem Grund. Diese Kurse in Zukunft kostendeckend zu finanzieren, sei nahezu unmöglich. „Einige Sprachschulen werden gar keine Alphabetisierungskurse mehr anbieten, weil sie das gar nicht stemmen können“, sagt Groß.

Bürokratischer Aufwand

„Das die Honorarerhöhung rückwirkend passieren soll, ist eine Belastung und ein großer bürokratischer Aufwand. Das hat man nicht erwartet. Jetzt müssen wir neu kalkulieren“, sagt Christopher Mason, Geschäftsführer von Inlingua des Osnabrücker Standorts, der acht freie und vier Festangestellte für die Integrationskurse beschäftigt. „Weniger Schnellschüsse und einheitliche Regelungen für die Schulen wären besser für alle.“

Unterschiedliche Bezahlung

Die meisten Sprachschulen sind breit aufgestellt und bieten neben den Integrationskursen eine Vielzahl weiterer Sprachkurse an. Mit der neuen Regelung würden diese Sprachschulen de facto einen Teil ihrer ebenso gut ausgebildeten Lehrer schlechter bezahlen als die Leiter der Integrationskurse. „Das wird zu Unmut unter den Lehrern führen. “, sagt Astrid Dinter, Leiterin der Alphabetisierungskurse an der Volkshochschule Osnabrück.

Diese zahlte ihren Honorarkräften bisher bereits 25 Euro, also zwei Euro mehr als bis zuletzt vorgeschrieben war. „Wir wollen unsere hoch qualifizierten Lehrkräfte bei uns halten. Sie sollen nicht benachteiligt werden“, sagt VHS-Geschäftsführer Bösling. Das hieße eigentlich, dass man alle gleich bezahlen müsste. Ob das finanziell möglich sein wird, sei noch offen, so Bösling. Die politische Abstimmung über die Finanzierung stehe noch aus.

Anbieter will abwarten

Die Eleganz Sprachschule in Osnabrück beschäftigt nur Festangestellte für die Integrationskurse. Ob die Schule die Gehälter dieser Lehrkräfte auch erhöhen wird, steht noch nicht fest. Vom Bamf gebe es dazu noch keine genauen Angaben. „Wir beobachten das Ganze. Man wird sehen, wie sich das entwickeln wird“, sagt Yasin Karakaya, Koordinator für Kurse in der Sprachschule.

In einem städteübergreifenden Rundschreiben an das BMI äußerten viele Träger, darunter auch die betroffenen Sprachschulen aus Osnabrück, Bedenken gegen die neue Honorarregelung. Sie fordern eine höhere Vergütung für die Teilnehmer und verweisen dabei auch auf die hohen Verwaltungskosten, die ein Integrationskurs mit sich bringe, und die durch 3,90 pro Teilnehmer nicht zu stemmen seien.


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