100 Jahre Deutsche Scholle Osnabrücker Kleingartenverein feiert Geburtstag

Von Frederik Theiling

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Osnabrück. Der Kleingärtnerverein Deutsche Scholle e.V. hat am Wochenende auf seinem Gelände das 100 jährige Bestehen gefeiert. Zu der Jubiläums-Feier unter freiem Himmel erschienen zahlreiche Gäste.

„Der Kleingärtnerverein ist ein Ruhepol für die Stadt“, sagt Emil Zuleia Vorsitzender des Kleingärtnervereins Deutsche Scholle e.V. über die Gärten im Stadtteil Wüste. „Die Meisten von uns wohnen in der Stadt und schauen sonst nur auf Mauern oder viel Verkehr. Da haben wir zum Feierabend hier ein schönes Plätzchen.“

Versorgung der Bürger als Gründungszweck

Die Gründung des Vereins geht dabei zurück auf die Zeit des Ersten Weltkriegs. Um Nahrungsmittelengpässe zu verhindern, wurden Kleingärtnervereine gegründet. So konnte die Versorgung der Bürger sichergestellt werden. „Heute geht es eher hin in Richtung Freizeitgärten“, sagt Zuleia. „Wobei die Leute natürlich was anbauen dürfen.“ Die Vielfalt ist dabei groß. Obstgärten, Freizeitgärten, Blumengärten: All das findet sich auf dem Gelände des Kleingärtnervereins. Zuleia selbst hat zwei große Apfelbäume. Der eine Baum ist dabei fast so alt, wie der Verein selbst. „Der Baum kommt aus den 30er Jahren. Wir hatten schon Probleme, den zu bestimmen. Selbst die Uni hatte Probleme damit.“ Irgendwann hat Zuleia beschlossen, den Baum richtig zu typisieren. Herausgekommen ist: Es handelt sich um einen Jakob-Fischer-Baum, der heute kaum noch angebaut wird, weil die Äpfel sich nicht so gut lagern lassen. „Am Besten schmecken sie direkt vom Baum“, sagt Zuleia. (Weiterlesen: 100 Jahre Deutsche Scholle in Text und Bild)

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es aufwärts

Bei 100 Jahren Geschichte gibt es natürlich auch Auf und Abs. Tiefpunkt war die Gleichschaltung am 29. Dezember 1933. Aus der Zeit von 1933 bis 1945 sind daher auch kaum Aufzeichnungen vorhanden. Aufwärts ging es nach dem Zweiten Weltkrieg. „In den 50er Jahren hatten wir fast 1000 Gärten hier“, sagt Zuleia. „Als dann mehr und mehr gebaut wurde, sind auch einige Gärten verschwunden.“ Heute existieren auf dem 32 Hektar großen Gelände 704 Gärten. Die Zahl erscheint zunächst hoch. Bedenkt man aber, dass es in Osnabrück Vereine mit nur 18 Gärten gibt, ist der Verlust von fast 300 Gärten über die Jahrzehnte schon groß.

Kein Grund für Trübsal

Dennoch gibt es keinen Grund für Trübsal. In den vergangenen Jahren kommen vermehrt junge Leute, die einen Garten im Kleingärtnerverein suchen. Gerade wenn die neuen Gärtner Wissen aus einem anderen Kulturkreis mitbringen, entsteht hierbei ein Lerneffekt und es findet Austausch statt. „Wir hatten mal eine Frau, die russische Krapfen mit Marmelade gemacht hat. Unsere Fachberaterin meinte, dass man die nicht essen könnte“, sagt Zuleia. „Aber die Frau kannte sich besser aus und hatte die Marmelade für die Füllung aus Beeren gemacht, die wir sonst als Unkraut ansehen. Das war ein Lerneffekt und super lecker.“ Auch auf den Festen findet sich diese Vielfalt häufig wieder. „Wir hatten hier schon Köfte und Paella“, so Zuleia. „Diese Vielfalt wollen wir weiter fördern.“


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