Marke Eigenbau aus aller Welt Fußballwelten im Museum Industriekultur Osnabrück


Osnabrück. „Geschnürt, geknotet, geklebt“, so der Titel der neuen Sonderausstellung, die ab Sonntag im Osnabrücker Museum Industriekultur zu sehen ist. Darin werden handgemachte Fußbälle gezeigt, die Kinder aus aller Welt improvisiert angefertigt haben, um spielen zu können. Die Materialien sind dabei so unterschiedlich wie auch die Formen und Herkunftsländer.

Mehr als 140 Euro für den offiziellen Spielball der Olympischen Spiele zu zahlen, ist für die Kinder und Jugendlichen, um die es in der Ausstellung geht, schlicht viel zu teuer. Aber auch eine günstigere Variante können sie sich nicht leisten.

Hauptsache rund

Um die Freude am Fußballspiel ausleben zu können, sind daher Kreativität und Improvisationskunst gefragt. Hauptsache die „Pille“ ist rund. Die Fertigungstechniken sind dabei so unterschiedlich wie Materialien und Herkunftsländer. Eine Kugel aus Seetang, ein Sockenknäuel, zusammengebundene Plastiktüten, Schweinsblasen und sogar getrocknete Bananenschalen.

Die Wanderausstellung, die auch schon im Deutschen Sport- und Olympia-Museum zu sehen war, beinhaltet über 300 Bälle aus 50 Ländern. Damit die Spielgeräte richtig zur Geltung kommen, haben sich die Verantwortlichen vom Museum Industriekultur entschieden, eine Auswahl davon zu präsentieren. Insgesamt sind es mehr als 50 Bälle aus 20 Ländern, darunter Äthiopien, Brasilien, Nicaragua, Chile oder Haiti. Kooperationspartner des Museums sind die Hilfsorganisation terre des hommes und der VfL Osnabrück .

Konzipiert wurde die Ausstellung von Hans-Martin Haist, der für die Stiftung „Eigen-Sinn“ aus Freudenstadt im Schwarzwald tätig ist. Anstoß war für den Leiter der Kinder- und Jugendwerkstatt, ein Knäuel aus Socken, mit dem Kinder in Afrika spielten. Begeistert von der Kreativität und Handwerklichkeit bat Heist Streetworker, Sozialarbeiter und Kirchenvertreter in aller Welt, ihm weitere Exemplare zukommen zu lassen.

Gesellschaftliche Verantwortung

Die Ausstellung „kündet nachhaltig und überzeugend von einer Schieflage in der Welt“, betonte Museumsdirektor Rolf Spilker und zeige „Momente des Glücks“, die die Kinder und Jugendlichen finden.

Diese Aussage unterstrich auch Hermann Queckenstedt, Präsident des VfL Osnabrück und äußerte sein Bedenken. „Im Profifußball wurde bei den Transferbeiträgen die Marke von 100 Millionen Euro geknackt“. Damit spielte er auf den Wechsel des Franzosen Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United an, für den die Engländer 105 Millionen Euro bezahlten. Der Kontrast dazu sei in dieser Ausstellung zu sehen und angesichts dessen müsse die Frage nach der gesellschaftlichen Fürsorgepflicht gestellt werden.

Albert Recknagel, Vorstandsmitglied bei terre hommes, sieht die Ausstellung als Möglichkeit das Thema Kinderarbeit in den Fokus zu rücken. Zwar sei die Zahl rückläufig, liege aber noch bei 85 Millionen Kindern und Jugendlichen, die ausgebeutet würden. Recknagel erwähnte Fälle aus Indien, in denen Minderjährige bis zu zehn Stunden täglich arbeiten müssten. In dieser Zeit würden sie zwei Fußbälle produzieren und dafür 30 Eurocent erhalten.

„Welthauptstadt der Ballmacher“ ist das pakistanische Sialkot. Dort werden etwa 75 Prozent aller Fußbälle hergestellt. 1997 unterzeichneten die dortigen Zulieferer, Unicef und die Internationale Arbeitsorganisation ein Abkommen, das den Einsatz von Kindern unter 14 Jahren in der Ballindustrie verbot.

Zu sehen ist „Geschnürt, geknotet, geklebt“ bis zum 9. Oktober im Haseschachtgebäude im Museum Industriekultur Osnabrück am Fürstenauer Weg, und zwar mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Parallel zur Ausstellung wird auch ein pädagogisches Programm für Schulklassen angeboten. Weitere Informationen gibt es auf www.industriekultur-museumos.de .


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