Das Wesen der Zeit Künstler begeben sich auf eine kreative Zeitreise

Von Uta Biestmann-Kotte

Künstlerische Reise durch die Zeit mit: (v.l.) Friedel Kantaut, Monika Witte, Christine Hoffmann, Manfred Arntz, Sonia Wohlfarth, Christine Wamhof, Maria Otte.Foto: Egmont SeilerKünstlerische Reise durch die Zeit mit: (v.l.) Friedel Kantaut, Monika Witte, Christine Hoffmann, Manfred Arntz, Sonia Wohlfarth, Christine Wamhof, Maria Otte.Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Mit Fotografien, Installationen und Kurzfilmen setzten sich 12 Künstlerinnen und Künstler mit dem Thema „Zeit“ auseinander. das Ergebnis ist vom 13. bis zum 27. August in der Foto-Galerie Intervision-Studio zu sehen. 

Was hat eine Zitrone mit Zeit zu tun? In einem Leuchtkasten ist die gelbe Frucht quasi eine Verbindung mit einem sie umrankenden Thymianzweig eingegangen. „Leider haben wir den besten Zeitpunkt miteinander verpasst“, lautet der Titel des Kunstwerkes, mit dem sich die Hamburger Künstlerin Ute Kühn mit dem Thema „Zeit“ befasst hat. Karine Azoubib aus Berlin ging auf eine „Zeitreise nach Paris“, fotografierte im Pariser Observatorium, wo ihr Vater im Bereich der Zeitforschung tätig war. Und in Betina Kuntzschs „Zeitlicht“ bilden Stummfilmfragmente im Zusammenspiel mit Ringelreihen oder Gedichtzeilen faszinierende Schwarzbild-Geschichten.

Ironischen Hochzeitskarte

Während sich die Osnabrückerin Dagmar Lücke mit ihren zwischen 2011 und 2015 entstandenen Fotografien auf das Iduna-Hochhaus im Wandel der Jahreszeiten konzentriert, lässt Manfred Arntz aus Hagen mit seiner „Zeitgeschichte“ anhand zeitgenössischer Bücher oder der ironischen Hochzeitskarte „Übrigens, wir heiraten...“ vor allem das Lebensgefühl der 1970er-Jahre wiederaufleben. Aus Osnabrück stammt auch Christine Hoffmann, die mit ihrem Fotoblock „Out of time“ die Poesie des Alltags eingefangen hat. Zum Staunen und Schauen lädt „Eine Kiste voller Dias - geerbt von Richard Wake“ ein. Mit ihrer Installation erinnert die Osnabrückerin Christine Wamhof nicht nur an ihren 2016 verstorbenen Kollegen Richard Wake, sondern ging der Frage nach der Bedeutung des Mediums Dia in der heutigen Zeit nach.

Austausch von Gegensätzen

Eine Endlosschleife im wahrsten Sinne des Wortes stellt Monika Wittes Video-Installation „never ending“ dar: Zu sehen ist eine Hand, die in unendlichen Bewegungen Schleifen an eine Wand zeichnet und dabei den ständigen Austausch von Gegensätzen ebenso symbolisiert wie die Suche nach Vollendung und Harmonie.

Faszinierende Farbeffekte ergeben sich in Sonia Wohlfarth Steinerts experimentellen Aufnahmen „Straße mit Blumen III“, die von ihrem Blumenfenster aus entstanden sind. Effekte durch Farbverfremdung bestimmen auch das Bild „zeit/ge)schichten“ der Berlinerin Anja Pollnow.

Vergänglichkeit strahlt die Fotocollage „How long is now“, mit der Maria Otte aus Melle dem 2012 geräumten Kunsthaus „Tacheles“ in Berlin ein Denkmal gesetzt hat. Als „reisetagebuch“ versteht wiederum Friedel Kantaut seine Bilderreihe, die sich von der Ausstellung über das Schaufenster der Galerie Tiefgang bis ins Internet fortsetzt. Zu elektronischer Musik von A. Grey erscheinen Kantauts melancholische Fotos als surreale Landschaft, die mit Texten versehen sind, in denen das Wesen der Zeit auf den Punkt gebracht scheint: „alles, was passiert, ist Vergangenheit“.