Stadtwerke messen Emissionen Was kommt aus dem Auspuff der Osnabrücker Busse?


Osnabrück. Dicke Luft beim Thema Luft: Schon seit langem, und in der Diskussion um den Neumarkt erst Recht, kursiert die Frage, wieviel Dreck wann und wo in der Luft ist und wo dieser Dreck herkommt. Die Stadtwerke wollen es jetzt genau wissen und messen die Abgaswerte ihrer Busse im Realbetrieb.

Welchen Anteil haben die Busse der Osnabrücker Stadtwerke an der Stickstoffdioxidbelastung in der Stadt? Aufwendige Messtechnik, eingebaut in zwei Busse des Unternehmens, soll Klarheit über den tatsächlichen Ausstoß bringen. Mitarbeiter des Instituts für Fahrzeugtechnik und Mobilität des TÜV Nord rüsten derzeit zwei Busse mit der notwendigen Technik aus. Die Fahrzeuge werden dann wahrscheinlich ab Mittwoch auf der Linie 41 zwischen Düstrup und Haste fahren. Ihr Weg führt sie unter anderem durch die Johannisstraße, einen sensiblen Bereich. Hier wird durch die Langsamfahrt der Busse die Filtertechnik auf eine harte Probe gestellt, da nicht die Geschwindigkeiten und damit die Temperaturen für eine optimale Abgasreinigung erreicht werden.

Die Messtechnik wird zwischen den Bussen, die mit unterschiedlichen Abgasnachbehandlungssystemen ausgerüstet sind, getauscht. Sie erfasst die sogenannten gasförmigen Emissionen: darunter Kohlenstoffmonoxid (CO), unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) und eben das derzeit in der Öffentlichkeit diskutierte Stickstoffdioxid (NO2). Die Stadtwerke haben sich für die Echtzeitmessungen entschieden, weil spätestens seit dem VW-Abgasskandal das Vertrauen in die Herstellermessungen branchenweit deutlich nachgelassen hat. „Nicht zuletzt der sogenannte VW-Dieselskandal hat deutlich gemacht, dass es sehr sinnvoll sein kann, Herstellerangaben zu den Bus-Emissionen in einem Echttest zu überprüfen“, so Stadtwerke-Verkehrsvorstand Stephan Rolfes. „Wir sind den Stadtwerken für Ihr Engagement sehr dankbar“, sagte Stadtbaurat Frank Otte. „Schließlich erhoffen auch wir als Stadt Osnabrück uns präzise und verlässliche Daten zu den realen Emissionen der Busse.“ Bislang misst die Stadt an drei Stellen in der Innenstadt die generelle Stickstoffdioxidbelastung in der Luft. Dabei werden die festgelegten Grenzwerte regelmäßig überschritten. „Nach Auswertung aller Daten werden wir sicherlich eine genauere Aussage dazu treffen können, welchen Anteil die Dieselbusse an der Schadstoffbelastung haben“, so Otte.

„Für die Datenanalyse zeichnen die Sensoren die Umgebungsklimadaten wie Luftdruck, Lufttemperatur und Luftfeuchte auf“, erläuterte Sergej Dreger vom TÜV Nord. Dreger und sein Expertenteam haben in unterschiedlichen Forschungsvorhaben bereits vergleichbare Bus-Emissionsmessungen in anderen Städten durchgeführt. „Die Ergebnisse sind dank unserer modernen Messtechniken und -verfahren verlässlich und präzise“, betonte Dreger. Voraussetzung dafür sei, dass die Messfahrten unter realen Bedingungen durchgeführt werden. „Das heißt: Tagsüber, auf Linie, im normalen Stadtverkehr und mit passendem Gewicht.“ Die Messergebnisse sollen im Herbst vorgestellt werden. Zwar, so Rolfes, lägen die Auswertungen, schon früher vor, allerdings wollen die Stadtwerke nicht nur die reinen Zahlen präsentieren, sondern dann auch schon mögliche technische Anpassungen ihrer Busse.

„Die Busse halten an allen Haltestellen und bewegen sich im normalen Verkehrsfluss“, erklärt Rolfes. Allerdings ohne Fahrgäste – um die sensiblen Messverfahren nicht zu behindern, sind lediglich der Fahrer sowie ein TÜV-Ingenieur an Bord. Mehrere Sandsäcke mit einem Gesamtgewicht von jeweils rund 2200 Kilo werden als Fahrgastersatz in die Busse gepackt. Messtechnik und -personal bringen nochmal knapp 400 Kilo auf die Waage. Das heißt allerdings auch: Wer demnächst an seiner Haltestelle auf der Linie 41 einen Bus mit dem Hinweis „Messfahrt“ sieht: Nicht sauer sein, wenn er vom Fahrer nicht eingelassen wird. Der nächste und dann reguläre Bus kommt bestimmt.


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