Serie: Rat & Tat Damit der Flohmarkt weiter gut funktioniert

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Nachtflohmarkt 2015 in der Innenstadt von Osnabrück. Foto: David EbenerNachtflohmarkt 2015 in der Innenstadt von Osnabrück. Foto: David Ebener

Osnabrück. Wenn zu den Nachtflohmärkten Zehntausende in die Stadt kommen, braucht es eine gewisse Ordnung. Christoph Bertels (CDU) hat sich um das Reglement gekümmert. Echte Detailarbeit – nicht nur am Schreibtisch.

Schon als kleiner Junge trieb der heute 48-Jährige regen Handel auf den Osnabrücker Nachflohmärkten und machte Bücher oder Schallplatten zu Geld. „Man braucht schon eine gewisse Nähe zu einem Thema“, sagt der CDU-Ratsherr, ohne den Satz zu vollenden. Was er nicht ausspricht: Man braucht eine gewisse Nähe zu einem Thema, um sich so weit reinknien zu können, wie es Bertels bei der Flohmarktordnung getan hat.

Auf dem ersten Blick scheint es wenig reizvoll, sich in eine dröge Satzung einzuarbeiten. Die Satzung ist das kommunale Gesetz. Die Stadt kann darin alles regeln, was in ihrer Vollmacht liegt –eben auch die Spielregeln für Flohmärkte.

Als in der vorangegangenen Wahlperiode die Stadt massiv finanziell unter Druck stand und in den Haushaltsberatungen ein großes Sparpaket diskutiert wurde, standen auch die Flohmärkte auf dem Zettel. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, auf einen der zwei Nachtflohmärkte zu verzichten, um so eine niedrige fünfstellige Summe an Verwaltungs- und Reinigungsaufwand zu sparen. Eine gute Idee?

An dieser Stelle beginnt kommunalpolitische Arbeit in Reinform. Fachlich zuständig ist der Ausschuss für Feuerwehr und Ordnung, dem Christoph Bertels angehört. Flohmarkt, das ist sein Thema: Eine Arbeitsgruppe – bestehend aus je einem Vertreter jeder Fraktion und Gert Lindke, dem Märkte-Fachmann aus der Verwaltung – sinnt darüber nach, wie die städtischen Kosten gesenkt oder die Einnahmen erhöht werden können. Ziel ist es, den Zuschuss zu senken. Ein Gebührenniveau, das die gesamten Kosten deckte, würde den Flohmarkt erdrosseln. UWG/Piraten hatten im Rat vorgeschlagen, ein Reservierungsverfahren nach dem Vorbild der Stadt Georgsmarienhütte zu prüfen. Dort müssen Beschicker vorab einen Stellplatz anmelden und eine Gebühr entrichten. Bertels meint, das Verfahren ist auf Osnabrücker Verhältnisse nicht übertragbar, weil der Aufwand viel zu groß wäre. 600 bis 700 Stände

Privatleute zahlen in Osnabrück für den ersten angefangenen Meter Verkaufsfläche zehn Euro, der zweite und dritte Meter kostet jeweils fünf Euro. Wer einen Tapeziertisch von drei Metern Länge aufstellt, zahlt also 20 Euro. Wer noch mehr will, muss deutlich mehr auf den Tisch legen: zehn Euro für den vierten und 40 Euro ab dem fünften Meter Auslagefläche. „Das ist der Satz für die Profis‘“, sagt Bertels. Gewerbliche Trödler dürften nicht Überhand nehmen, um den privaten Charmes der Nachflohmärkte nicht zu gefährden.

Der Vorschlag der Arbeitsgruppe wurde zunächst in den Fraktionen beraten. Was die Fachpolitiker vorschlagen, wird in der Fraktion „fast immer“ angenommen, wie Bertels erklärt. „Das Vertrauen untereinander ist groß.“ Dann erreichte das Thema den Fachausschuss, schließlich den Rat. Da redeten dann auch Leute mit, die von der Materie im Grunde keine Ahnung haben, sagt Bertels. Aber egal: Wichtig sei, dass am Ende das Beste für die Stadt erreicht werde. „Das ist Lohn genug.“

Mehr Lohn dürfe ein ehrenamtliches Ratsmitglied nicht erwarten, meint Bertels nach der Erfahrung von zwei Wahlperioden. „Dass einer mal sagt, das habt ihr gut gemacht, das kommt nur ganz selten vor.“ Als Lob gilt nach seiner Definition: „Wenn es keinerlei Kritik gibt.“


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