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Müssen Arenen bald gelöscht werden? Ordensschwestern warnen Pokémon-Go-Spieler auf Gut Sutthausen

Von Janine Richter


Osnabrück. Ganze zwölf PokéStops und drei Arenen befinden sich auf und neben dem Gut Sutthausen in Osnabrück. Das Gelände ist ein Pokémon-Hotspot und zieht täglich bis in die Nacht zahlreiche junge und alte Pokémon-Go-Spieler an. In den Ferien eskalierte die Situation. Die Franziskanerinnen bitten seitdem die Spieler mit einem Schild um Ordnung und Sauberkeit.

„Seit Beginn der Sommerferien werden wir auf dem Gelände von Pokémon-

Jägern bevölkert“, erzählt Hausoberin Schwester Dominica Maria. Zahlreiche Jugendliche, aber auch Erwachsene würden sich täglich auf dem Gut Sutthausen, in den Gärten, im Park und auf dem Schulgelände tummeln und kleine virtuelle Monster einfangen.

Zwölf PokéStops und drei Arenen

Ein Blick in die App zeigt, dass dies auch kein Wunder ist: Allein auf dem Gut Sutthausen befinden sich zwölf PokéStops und eine Arena. Zudem gibt es zwei weitere Arenen ganz in der Nähe: Zum einen Ecke Westruper Esch/Von-Korff-Allee bei dem Kunstwerk „Bulle und Gattin“ und am Sutthauser Bahnhof am Atelier Trieb. Somit ist das gesamte Gebiet eine Art Hotspot für Pokémon-Go-Jäger in Osnabrück .

Schild wegen Müll und Lautstärke

„Vor zwei, drei Wochen ist dann die Situation auf dem Gelände etwas eskaliert“, erzählt Schwester Dominica Maria. „Die Spieler haben Bänke umgestellt, auf dem Gelände geraucht und Zigarettenkippen verteilt, haben Flaschen zurückgelassen und sind mit Fahrrädern durch den Park gefahren.“ So haben es ihr ihre Schwestern geschildert. Zudem seien vor allem die Jugendlichen in Gruppen von bis zu 20 Spielern aufgetreten und hätten lautstark bis 23 und 24 Uhr gespielt. „Meine Schwestern haben dann dieses Schild entworfen, um dem entgegenzuwirken“, erzählt sie.

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Auf diesem Schild, das im Eingangsbereich angebracht wurde, bitten die Schwestern die Pokémon-Go-Spieler, ihre Fahrräder an den Fahrradständern am Schloss abzustellen, im Park nicht zu rauchen, den anfallenden Müll zu entsorgen und sich ab 22 Uhr ruhig zu verhalten.

„Wir können und wollen diese Freizeitbeschäftigung nicht verbieten“, sagt Schwester Dominica Maria. Schließlich sei es gut, wenn Spieler, die sonst vor dem PC gezockt hätten, nun an der frischen Luft seien und das Gelände besuchen. „Aber dies alles ist ein Privatgelände und es wäre gut, wenn sich die Spieler an gewisse Regeln halten – auch damit die Anwohner nicht gestört werden“, sagt Schwester Dominica Maria.

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Pokémon-Spieler haben Verständnis

Pokémon-Go-Jäger die vor Ort regelmäßig spielen, können den Vorstoß der Schwestern gut verstehen. „Viele spielen hier abends und während der Schulzeit“, erzählt die 16-jährige Cansu Timur, die die Berufsbildene Schule im Marienheim besucht. „Um 23 Uhr nachts ist hier viel los und ich kann schon verstehen, dass die Schwestern das nicht wollen.“ Gerade steht sie mit ihren Freundinnen Sera Avincsal und Nina Bettenbrock an einem PokéStop auf dem Gelände und hat in der Schulpause einen Traumato eingefangen. Das Gelände sei wegen der vielen PokéStops attraktive Spielstätte. Viele Spieler würden hier regelmäßig Lockmodule für die kleinen Monster zünden. Auf dem Gut Sutthausen verstecken sich zudem auch seltenere Pokémon, was das Jagen so attraktiv mache. „Ich habe hier schon einen Vulpix und einen Dragonir gefangen“, sagt Nina Bettenbrock.

Handyspiel auf Schulhof gestattet

Generell sei das Jagen der Monster auf dem Schulgelände vor und nach dem Unterricht oder in den Pausen nicht verboten, sagt Hausoberin Schwester Dominica Maria. Die Abmachung mit den Schülern sehe vor, dass sie das Handy nur im Schulgebäude nicht nutzen dürfen.

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Etwas weiter abseits an der Arena „Bulle und Gattin“ neben dem Gelände des Gutes sitzt gerade der 25-jährige Sebastian S. aus Holzhausen auf einer vermoosten Steinbank und tippt wie wild auf seinem Handy herum. Nach der Arbeit käme er manchmal zum Zocken vorbei oder treffe sich mit fünf weiteren Kumpels auf dem Gut. Gerade kämpft er in der Arena und versucht ein weiteres Pokémon seines blauen Teams in diese zu setzen. „Es ist eben ein guter Zeitvertreib und auf dem Gut treffen sich Jung und Alt bis 40 Jahren. Das Spiel bringt die Leute zusammen“, erklärt er sich den Andrang. „Schön, dass die Schwestern das alles mit Humor nehmen.“ Er selbst halte sich an die Regeln und rauche aus Respekt auf dem Gelände nicht.

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Schwestern wollen notfalls Arenen melden

Und hat dieses Schild mit den Bitten in der Zwischenzeit schon eine Veränderung gebracht? „Ja“, bestätigt Schwester Dominica Maria. „Und seit Donnerstag beobachten wir, dass nicht mehr so viele kommen – vielleicht weil die Schule wieder angefangen hat“, sagt sie. Generell hoffe sie, dass die Pokémon-Welle bald abebbe. „Wenn die Spielerzahlen unerträglich zunehmen und das Ganze wieder eskalieren würde, müssten wir die Arenen beim Spieleentwickler Niantic melden und die Arenen und PokéStops aus dem Spiel entfernen lassen“, sagt Schwester Dominica Maria. Dies wollen weder die Schwestern noch die Spieler.